Karfreitag, 10. April 2020 Gottesdienst zu Hause

Karfreitag, 10. April 2020 Gottesdienst zu Hause

Material: Gesangbuch, Kerze, wenn vorhanden, ein Kreuz

Glocken läuten.
Eine Kerze wird entzündet.
EINSTIMMUNG
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Es ist Karfreitag.
Der dunkelste Tag im Kirchenjahr.
Der Tag, an dem Gott stirbt.
Wir sind da. Versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben. Mit Angst - in Hoffnung.
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 51 EG 727
Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte,
und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat,
und reinige mich von meiner Sünde;
denn ich erkenne meine Missetat,
und meine Sünde ist immer vor mir.
An dir allein habe ich gesündigt
und übel vor dir getan,
auf dass du recht behaltest in deinen Worten
und rein dastehst, wenn du richtest.
Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt,
und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
Lass mich hören Freude und Wonne,
dass die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden,
und tilge alle meine Missetat.
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Ich bete zu Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
 
Stille
Höre uns.
Wir bitten dich: sei nah.
Amen
 
Das Evangelium für Karfreitag steht im Johannesevangelium 19,16-30 (Basisbibel)
Jesus wurde abgeführt.
Er trug sein Kreuz selbst aus der Stadt hinaus
zu dem sogenannten Schädelplatz.
Auf Hebräisch heißt der Ort Golgota.
Etwa 1 Minute gemeinsam schweigen mit denen, die sichtbar und unsichtbar bei dir sind.
Dort wurde Jesus gekreuzigt
und mit ihm noch zwei andere –
auf jeder Seite einer.
Jesus hing in der Mitte.
Schweigen
Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen.
Darauf stand:
»Jesus der Nazoräer,
der König der Juden «
Viele lasen das Schild.
Denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde,
lag nahe bei der Stadt.
Die Aufschrift war in hebräischer,
lateinischer und griechischer Sprache abgefasst.
Die führenden Priester des jüdischen Volkes
beschwerten sich bei Pilatus:
»Schreibe nicht:
›Der König der Juden‹,
sondern:
›Dieser Mann hat behauptet:
Ich bin der König der Juden.‹«
Pilatus erwiderte:
»Was ich geschrieben habe,
das habe ich geschrieben.«
Schweigen
Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz genagelt hatten,
teilten sie seine Kleider unter sich auf.
Sie waren zu viert
und jeder erhielt einen Teil.
Dazu kam noch das Untergewand.
Das war in einem Stück gewebt
und hatte keine Naht.
Die Soldaten sagten zueinander:
»Das zerschneiden wir nicht!
Wir lassen das Los entscheiden,
wem es gehören soll.«
So ging in Erfüllung,
was in der Heiligen Schrift steht:
»Sie verteilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los über mein Gewand.«
Schweigen
Genau das taten die Soldaten.
Nahe bei dem Kreuz,
an dem Jesus hing,
standen seine Mutter und ihre Schwester.
Außerdem waren Maria, die Frau von Klopas,
und Maria aus Magdala dabei.
Schweigen
Jesus sah seine Mutter dort stehen.
Neben ihr stand der Jünger,
den er besonders liebte.
Da sagte Jesus zu seiner Mutter:
»Frau, sieh doch!
Er ist jetzt dein Sohn.«
Dann sagte er zu dem Jünger:
»Sieh doch!
Sie ist jetzt deine Mutter.«
Von dieser Stunde an
nahm der Jünger sie bei sich auf.
Schweigen
Nachdem das geschehen war,
wusste Jesus,
dass jetzt alles vollendet war.
Damit in Erfüllung ging,
was in der Heiligen Schrift stand, sagte er:
»Ich bin durstig!«
In der Nähe stand ein Gefäß voll Essig.
Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein.
Dann steckten sie ihn auf einen Ysopstängel.
und hielten ihn Jesus an den Mund.
Nachdem Jesus etwas von dem Essig genommen hatte, sagte er:
»Jetzt ist alles vollendet.«
Schweigen
Er ließ den Kopf sinken
und starb.
Kerze ausblasen
Warten, bis auch kein Rauch mehr zu sehen ist
Verkündigung
Liebe Gemeinde,
Ich finde, mit dem Tod lässt es sich am schwierigsten versöhnen. "Der Tod gehört zu unserem Leben," können einige Menschen gelassen aussprechen und dagegen halten. Doch wenn er kommt, ist er für viele Sterbende, Freunde, Familienangehörige eine starke Anfechtung. Manche wollen ihn nicht wahrhaben, einige haben nicht mehr Gelegenheit, Abschied zu nehmen, einige stehen noch unter dem Eindruck einer intensiven Gemeinschaft und Fürsorge in der letzten Zeit. Die Trennung, der Verlust wiegen schwer. Gefühle von Hilflosigkeit, Allein gelassen werden, Miterleben von Leidenswegen, der Schock nach einem plötzlichen Tod und von dem, was einen im Leben an die nahe stehende Person gebunden hat, was gegeben und gelassen wurde, Nähe und Ablehnung stürzen einen in Traurigkeit, schlechtes Gewissen oder auch Auflehnung. Manche erkennen sich dann nicht wieder.
Gegen unnötiges Leiden und Sterben an den Folgen einer Erkrankung am Covid 19 Virus kämpft zur Zeit unsere Welt. Jeder und jede ist gefragt, etwas dazu beizutragen. Wir haben hier in Deutschland gute medizinische Voraussetzungen. Die Situation in überfüllten Flüchtlingslagern oder in bevölkerungsstarken Ländern und Ländern mit schwacher Infrastruktur ist zu beklagen. Wir kämpfen gegen die zu schnelle Ausbreitung eines Virus und Überforderung von Gesundheitssystemen, gegen Tod vieler Menschen. Die Abhängigkeiten der Menschen und Länder voneinander, ungerechte Strukturen,... werden dabei wieder einmal deutlich. Wer hilft wem und wer denkt vor allem an sich selbst? Weitere Fragen werden aufgeworfen, z.B. was ein Leben wert ist, ggf. welches Leben mehr wert ist.
Jesu Tod ist eine Anfechtung: Wir Christen können heute am Karfreitag mit Maria und Johannes und ein paar ängstlichen Jüngern unter Jesu Kreuz ausharren. Wir können beten, das Leid, die Last, den Druck und die Ängste vor Gott bringen. Es ist entlastend, tröstend, uns zu vergewissern: Gott leidet mit. Er trägt und zeigt das Leid der Welt am Kreuz.
Paulus erinnert uns daran, was der Tod Jesu bedeutet. Und das macht Hoffnung.

Der Predigttext für Karfreitag steht im 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth 5, 19-21
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Paulus spricht von der Versöhnung Gottes mit den Menschen am Kreuz, die alles ändert. Es ist ein Bekenntnis Gottes Liebe zu seinen Menschen mit ihren Fehlern. Es ist ein Wort und Handeln an ihnen, das sie verändert und wieder handlungsfähig macht. Paulus sagt: "Er ist darum für alle gestorben, damit die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist." Durch Gottes Handeln ist das Alte vergangen und Neues geworden. Mit dem Wort der Versöhnung, der guten Botschaft gehen Menschen mit anderen Maßstäben und Ansichten in ihre Welt hinein und machen mit Gottes Werk weiter. Es breitet sich aus und bringt denen, die es annehmen Leben.
Und es breitet sich nicht aus wie ein Virus, das Angst macht und weswegen so massiv soziale Kontakte einschränkt werden. Das Ziel, das Paulus sieht, ist die Versöhnung der Welt mit Gott, die am Kreuz Jesu Christi erst angefangen hat. Noch ist sie im Gang. Der Weg ist, die Menschen aufzurufen und zu bitten: lasst euch versöhnen mit Gott!
Mit Gott, und in der Folge mit sich versöhnte Menschen stehen in dieser Welt an ihrem Platz als Mütter, Väter, Kinder, Pflegende, Unternehmer, Angestellte, Politikerinnen, Gesunde, Erkrankte, Sterbende, Schwache und Starke. Sie mögen klar sehen, Not an sich heran lassen, sich als verletzlich und als Menschen, die Fehler machen und immer wieder um Versöhnung ringen, verstehen. Und sie mögen im Vertrauen auf Gottes Kraft, die durch Jesu Tod und Auferstehung zum Leben für alle geführt hat, leben und Hoffnung weitergeben. Mit dem gebotenen Abstand lassen sie sich auch jetzt nicht lähmen und nicht verrückt machen.
Dass ich heute, am Sterbetag Jesu, zugesprochen bekomme, mit Gott versöhnt zu sein, überrascht mich. Mit Schmerz stelle ich fest, was alles in unserer Welt in Widerspruch zueinander steht, dass viele Menschen mehr für sich selbst leben als füreinander. Teilweise Isolation zeigt mir, wie stark wir aufeinander, auf Kontakte und echte Begegnung mit anderen angewiesen sind. Versöhnt sein, heißt begreifen, dass Gott auf Trümmern von Verletzung, Enttäuschung und Abwendung, neue Beziehung aufbaut und vertrauen, dass sie trägt. Menschen, die seine Versöhnung annehmen, lernen, anders als bisher auf Gott, auf sich und andere zu achten, lernen frei, geduldig, barmherzig miteinander umzugehen und Gerechtigkeit und Frieden zu suchen. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied: EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden 1. 5-6.9
1. O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!
5. Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich gelabet
mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet
mit mancher Himmelslust.
6. Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinem Arm und Schoß.
9. Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Anregung, etwas zu tun
Wenn du möchtest / wenn ihr möchtet: Nimm den abgedruckten Text von „Oh Haupt voll Blut und Wunden“. Drucke ihn noch einmal extra aus oder schreibe ihn ab, so dass er auf einem einzelnen DinA4-Blatt ist. Für jede*n von euch eins. Umrahme nun mit einem schwarzen Stift die Wörter oder Satzteile, die dir wichtig sind. Schwärze alles andere.
Hänge / hängt die so entstandenen Bilder an eine Stelle in deiner / eurer Wohnung auf. Stell die ausgelöschte Kerze dazu. Lass/t alles so bis Ostermorgen.
(Diese Idee ist übernommen von dem Künstler Austin Kleon, der so etwas mit Zeitungsseiten macht: https://newspaperblackout.com/ )
 
Fürbitte und Vaterunser
Jesus.
Hier sind wir.
Ganz still geworden.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade?
Stille
Wir denken an alle Kranken und Sterbenden
an die, die dabei allein sind
 in unserer Stadt, in Europa. In Krankenhäusern, in Lagern.
Stille
Wir denken an alle, die helfen, die retten.
Stille
Wir denken an das, was uns und andere bedrückt. Angst. Schuld. Verzweiflung.
Wir geben es dir, Jesus.
Jetzt.
Du weißt.
Stille
Wir wissen nicht, was kommt, Jesus.
Aber wir beten, wie du es uns gezeigt hast:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Lied: EG 98 Korn, das in die Erde 1
SEGEN
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.
Und/Oder:
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen: Ich bin nicht allein. Danke.

Nach dem Entwurf von Birgit Mattausch, Michaeliskloster Hildesheim