21.02.2021 Invokavit

Material: Gesangbuch, Kerze

Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung
Sagen:
Jetzt sind wir da.
Wir sind müde. Wir sind wach.
Uns fällt das Leben grade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
Sind beieinander und an verschiedenen Orten. Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Psalm 91 Evangelisches Gesangbuch 736

Gebet
Deinen Weg, Jesus, will ich bedenken.
Du wirst verraten und verkauft,
du wirst alleingelassen,
auch von deinen engen Freunden, den Jüngern.
Du trägst auch unser Leid,
unsere Verzweiflung und Angst.
Steh uns bei in dieser dunklen Zeit,
wenn wir allein oder verraten sind.
Amen.

Predigttext für diesen Sonntag: Johannes 13,21-30 (Luther 2017)
(Eine*r liest)
Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Einer unter euch wird mich verraten.
Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.
Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.
Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.
Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s?
Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.
Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte.
Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Lied: EG 362 Ein feste Burg ist unser Gott 1 - 2

Verkündigung
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.

C. Olearius: Ein gemeinsames Essen: Mit Freunden und guten Gesprächen, mit Brot und Wein. Eigentlich ja eine schöne Szene. Und dann sagt Jesus:“ Einer von euch wird mich verraten.“
Bin ich es? So fragen die Jünger. Einer von uns soll es ein. Aber wer? Erregung, Entsetzen, Angst liegen auf einmal in der Luft. Einer ist ganz ruhig. Er sitzt am Rand. Jesus reicht ihm ein Stück Brot. Er nimmt den Bissen und isst. So hatte Jesus es angedeutet. Es ist Judas. Eigentlich haben doch alle zu ihm Vertrauen gehabt. Ihm war das gemeinsame Geld anvertraut worden. Er ist ihr Kassenverwalter, trug den Geldbeutel. Jetzt aß er das Brot, das Jesus ihm gegeben hatte und ging dann sofort schweigend in das Dunkel der Nacht hinaus.
S. Köhler: der Jünger Judas, Sohn des Simon Iskariot ist so gut bekannt, weil er Jesus verraten hat.
Es wird kaum etwas anderes von ihm berichtet. Im Johannesevangelium sagt Jesus schon während seines Wirkens in den Gesprächen mit seinen Jüngern, dass sie nicht alle glauben und dass einer ihn verrät, vgl. Joh 6,64.70-71. Später bringt Judas die Soldaten, Knechte von den Hohepriestern und Pharisäern zu dem Garten, in dem sich Jesus und seine Jünger versammelt haben und ist bei seiner Gefangennahme dabei.
Die anderen Evangelisten erzählen, wie er von den Hohepriestern Silbergroschen für den Verrat bekommt und dass er Jesus mit einem Kuss überführt. Schließlich erkennt er seine Schuld. Sie wird ihm zu schwer und er nimmt sich verzweifelt das Leben.
Manchmal sagt man ja, wenn man das Handeln und die Worte eines Menschen nicht versteht: was ist in ihn gefahren? Oder wenn man einen eigenen Fehler erkennt: was war damals nur in mich gefahren? Hier wird beschrieben, dass etwas in Judas fährt. Mit dem Bissen, den er aus Jesu Hand erhält und isst, fährt der Satan in ihn. Es ist schwer zu verstehen. Hat er Jesu Ankündigung vom Verrat so verinnerlicht, dass er sich unbewusst darauf fixiert hat? Als er aufsteht und hinausgeht, ist nicht deutlich, ob er etwas plant. Kann beim Essen eine fremde Macht in ihn gelangen und Besitz von ihm ergreifen? Mahlgemeinschaften mit Jesus sind doch meistens wohltuend, gemeinschaftsstiftend, und wir verbinden sie mit Vergebung der Sünde.
C. Olearius: Als Christinnen und Christen ist uns das gemeinsame Essen vertraut: das Abendmahl bildet die Gemeinschaft untereinander und mit Jesus ab. Es ist nicht nur ein Teilen und gemeinsames Essen, sondern auch Zeichen der Vergebung und Versöhnung. Uns wird das Brot gereicht mit den Worten: „Jesu Leib für dich gegeben.“ Hier reicht Jesus das Brot demjenigen, der ihn verrät. Er lädt Schuld auf sich. So wie ganz am Anfang in der Schöpfungsgeschichte: Auch dort führt das Essen einer Frucht vom Baum der Erkenntnis- zur Schuld: die Erzählung vom Sündenfall. Die Erzählung von Adam und Eva, der Schlange und der verbotenen Frucht und der Vertreibung aus dem Paradies.
S. Köhler: Die Menschen haben sich Gedanken gemacht, wie sich zusammen denken lässt, was sich widerspricht
Gott ist Schöpfer, Vater, gerechter Richter, liebt seine Menschen. Aber die Menschen erleben viel Negatives: Mühevolle Arbeit, Not, Zerstörung der Umwelt, Krieg und Flucht, Verschleppung. Sie leiden an Krankheit an zerstörten Beziehungen untereinander und zu Gott. Lauter Krisen. Wahrscheinlich hat sich schon immer jemand die Frage gestellt, wieso Menschen viel Gutes tun können und sich zugleich z.B. durch Neid oder Hass ebenso viel schaden können. Vielleicht um Sicherheit zu geben, Menschlichem Hochmut Grenzen zu setzen und zu zeigen, wie stark und mächtig Gott ist, erzählen die Verfasser in der Bibel davon, wie Gott mit dem Bösen umgeht. Die Versuchung für Adam und Eva, wissen zu wollen, was gut und was böse ist, war zu groß und sie wurden bestraft. Zugleich wurde ihr Leben bewahrt und ihre Geschichte mit Gott ging weiter. In einem weisheitlichen Text ist Satan Ankläger und Teil des göttlichen Gefolges. Ihm überlässt Gott den frommen und gottesfürchtigen Hiob und wettet, dass er nicht von ihm abfällt. Nur sein Leben soll er ihm lassen. Hiob erleidet schweres Leid, ringt mit Gott, aber er fällt nicht von ihm ab und wendet ihm nicht den Rücken zu.
Und als drittes Beispiel: Von Jesus, Gottes Sohn wird gesagt, dass er ohne Sünde sei. Evangelisten wie Matthäus schildern, dass auch er in der Abgeschiedenheit der Wüste vom Teufel, wie Luther das griechische Wort satanas übersetzt, versucht wurde: seine Gottessohnschaft, die Allmächtigkeit Gottes und Loyalität zwischen Sohn und Gott, bzw. den Wunsch nach Macht. In allen Bereichen widersteht Jesus dem im NT zum Gegenspieler Gottes gewordenen mit Worten bis er ihn verlässt. Das Böse ist Teil unserer Realität in dieser Welt. Biblische Erzähler personifizieren es zum Teil, versuchen Gott zu entlasten.
Und es hat Macht, die Gott und den Glauben an ihn herausfordert. Menschen fallen von ihm ab oder halten an ihm fest. Gott überwindet diese Macht schließlich am Kreuz. Ich glaube, Gutes und Böses, das sich nicht immer leicht voneinander unterscheiden lässt oder das man erst später erkennt, gehören zu Gottes Welt und Schöpfung. Und in beidem gibt es Möglichkeiten, Gott kennenzulernen, ihm zu vertrauen.
C. Olearius: Die Bibel und die Theologie haben versucht sich dem Bösen anzunähern: Ist es von Gott geschaffen? Ist es eine Gegenkraft zu Gott? Benutzt Gott das Böse? Eine eindeutige Erklärung gibt es nicht. Hier wird deutlich: Judas wird zu dem, der Schuld auf sich lädt. „Nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn“ lesen wir im Johannesevangelium. Gleichzeitig wissen wir, dass Judas damit Teil der Heilsgeschichte wird.
S. Köhler: Als Hörerinnen und Hörer des Evangeliums sitzen wir fast mit am Tisch. Die Unruhe und Anspannung ist fast spürbar: wer verrät Jesus denn? Wenn die Jünger gesehen haben, wie er Judas das Brot eintunkt und reicht, warum hält dann niemand Judas auf? - Ich kann es mir nicht erklären: Vielleicht waren sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie sind nicht mißtrauisch gegeneinander, vielleicht verwundert, ob er jetzt einfach einkaufen oder spenden geht. Oder sie verdrängen diese belastende Ankündigung aus Angst, Jesus und die Gemeinschaft mit ihm zu verlieren.
Und es ist Nacht. In Texten des Alten Testaments ist die Nacht der Bereich von Gefahr, Schatten, dunklen Mächten. Mit einem Sprichwort: Das Unheil nimmt seinen Lauf. Doch im Johannesevangelium hebt sich das Licht Jesu Christi gegen die Finsternis in der Welt ab. Jesus sagt nach Judas Weggang zu den übrigen Jüngern: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist verherrlicht in ihm. Jesus am Kreuz ist der erhöhte, Lamm Gottes. Wir Menschen gehören mit unseren Fehlern, unserer Schuld, unserem Leid zu Gottes Weg. Und er zeigt uns seine Zukunft, sein Licht. Die Dunkelheit und der Tod haben nicht das letzte Wort.
Mit diesem Glauben bleibt man nicht in der Finsternis stecken oder wird von ihr verschluckt, auch wenn man kämpft. Als Zusage, Ermutigung oder als Trost kann ich auch jetzt Kraft daraus schöpfen, dass Gott sein Heil offenbart hat.
Um mir das bewusst zu machen, möchte ich in dieser Passionszeit Jesu Passionsgeschichte lesen und an einem Ort in meiner Wohnung Symbole aufstellen, die mich an die verschiedenen Stationen erinnern.
C. Olearius:  Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag Psalmen zu lesen. Mir dafür bewusst Zeit zu nehmen. Gleichzeitig denke ich über mein Verhalten gegenüber der Schöpfung nach. Klimafasten heißt die Aktion der evangelischen und katholischen Kirchen während der Passionszeit. Das gibt es eine spannenden Hompage mit geistlichen Impulsen und konkreten Handlungsanweisungen.
Ja, ich weiß, dass Böse wird dadurch nicht aus der Welt verschwinden. Verstrickt sind wir in vielerlei Zusammenhängen in ungerechte Strukturen. Als Christin halte ich aus, dass es nicht immer klare Antworten gibt. An einigen Stellen kann ich handeln. Und vor allem: ich kann als Christin um Erlösung von dem Bösen beten:  Herr, erlöse uns von dem Bösen.- so sprechen wir auch hier in der Christuskirche im Vaterunser. Das vereint uns mit allen Christinnen und Christen auf der Welt: die Bitte um Erlösung von dem Bösen. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


Lied: EG 347 Ach bleib mit deiner Gnade 1-5

Fürbitten
Es ist schwer für uns, dein Leiden zu verstehen, Jesus Christus.
Du Bruder aller Menschen hast dich verraten lassen,
hast die Bitterkeit angenommen,
die Einsamkeit ertragen.
 
Stille
 
In deine Hände legen wir,
was wir in diesen Tagen ertragen müssen,
In der Stille sagen wir dir,
was uns bedrückt und belastet.
 
Stille
 
Für die Menschen,
die leiden müssen,
Schmerzen aushalten
sterben,
bitten wir dich.
 
Stille
 
Für die Trauernden,
die einen geliebten Menschen verloren haben,
und die kaum weiterwissen,
bitten wir dich.
 
Stille
 
Für die Einsamen,
die sich allein fühlen,
die keinen haben, der sie besucht,
bitten wir dich.
 
Stille
 
Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel...

Segen
Hände öffnen, Handflächen nach oben, sagen:
Gott, segne uns/mich.
Gott, behüte uns/mich.
Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.
Sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.
Und gib uns/mir Frieden.
Amen.

Kerze löschen

Nach einem Gottesdienstentwurf von Birgit Mattausch und Stephan Goldschmidt Michaeliskloster Hildesheim, Evangelisches Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik, bearbeitet von S. Köhler, Verkündigung Superintendentin Christa Olearius und Silvia Köhler