Sonntag Palmarum, 5.4.2020

Christuskirche Leer Sonntag Palmarum, 5.4.2020

Material: Gesangbuch, Bibel, Kerze

Glockengeläut

Kerze entzünden

Einstimmung
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Es ist der Sonntag vor Ostern.
Jesu letzte Woche auf unserer Erde beginnt mit Palmsonntag,
auf einem Esel reitet er zur Stadt hinauf über Kleidungsstücke und Palmzweige,
die ihm eine jubelnde Menge auf den Weg legt wie einem König.
Sand hängt in den Kleidern derer, die sie nachher wieder mitnehmen,
Erinnerung.

Es ist der Sonntag vor Ostern.
Sand hängt in meiner Seele mit Erinnerungen an Gemeinschaft hier und jetzt
mit meiner Freundin,
mit meinen Eltern in einer anderen Stadt
mit Dir, Gott, der seinen Geist wehen lässt.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Psalm 69 Evangelisches Gesangbuch (EG) 731
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Errette mich aus dem Schlamm,
dass ich nicht versinke,
dass ich errettet werde vor denen, die mich hassen,
und aus den tiefen Wassern;
dass mich die Wasserflut nicht ersäufe
und die Tiefe nicht verschlinge
und das Loch des Brunnens sich nicht über mir schließe.
Erhöre mich, HERR, denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit
und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knecht,
denn mir ist angst; erhöre mich eilends.
Nahe dich meiner Seele und erlöse sie, erlöse mich um meiner Feinde willen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)

Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Es ist Palmsonntag.
Mit Jesus gehe ich in diese Woche.
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf unser Gebet.
Amen

Das Evangelium des Tages steht im Johannesevangelium 12,12-19
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Lied: Wie soll ich dich empfangen EG 11, 1-3+6
(Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen)

Der Predigttext für Palmsonntag steht im Markusevangelium 14,3-9
Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch,
da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl,
und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Andacht
(Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,
Nähe zu fremden Menschen, unbeabsichtigte Berührungen, ein Handschlag bei einer Begrüßung, ein Gespräch auf der Straße. Seit gut zwei Wochen nehmen wir davon Abstand, leben mit den Vorsichtsmaßnahmen, zu denen immer neue Begriffe fallen wie z.B. Social distancing, Kontaktsperre,... Männer und Frauen erzählen davon, was sie beobachten und wie es sich auf sie auswirkt. Einige schotten sich ab, andere sind unvorsichtig und geraten mit anderen lauthals in Streit, die Blicke einiger Menschen, denen man auf der Straße begegnet, sind ängstlich. Schon ein freundliches Moin, ein lächeln helfen, Nähe über die Entfernung herzustellen.
Sehr viele Menschen nutzen die sozialen Medien, das Telefon um Kontakt mit ihren Verwandten und Freunden in der Nähe und Ferne zu halten. Eine andere Art, mit der Freude verbreitet wird, sind nach wie vor "Friesenkiesel". Auf mittelgroße Kiesel malt jemand ein Bild oder eine Botschaft und legt sie irgendwo ab, wo Menschen vorbei kommen. Mir sind in den vergangenen Wochen rund vor dem Pfarrhaus und auf dem Hoheellernweg bei der Kirche schon Schutzengel und ein Stein mit der Bitte, Helfer zu unterstützen aufgefallen. Kleine Zeichen für die Nähe, Mutmacher, trotz aller Distanz. Danke!
Eng und gedrängelt stelle ich es mir in der Tischgemeinschaft mit Jesus in dem Haus in Bethanien vor. Da platzt noch eine Frau hinein. Und sie überschreitet aus Sicht der anderen Gäste in ihrer Verehrung Jesu und mit dem Zeichen ihrer Zuneigung zu ihm eine Schwelle. Ungefragt zerschlug sie das Gefäß mit dem Öl und goss es Jesus über das Haupt. Auf diese Überraschung folgt die nächste.
Die dabei waren, empörten sich. Sie warfen der Frau Verschwendung vor, und sie machten sofort "bessere" Vorschläge, wieviel Gutes man nach einem Verkauf des Öls mit dem Geld den Armen hätte tun können. Durch ihre Anklage machten sie ihr ein schlechtes Gewissen.
Empörung entlädt sich hier und dort.
Jesus überrascht mit seiner Antwort alle. Mehrfach
- Jeder kann den Armen etwas Gutes tun, auch diejenigen, die gerade damit andere verurteilen und ihr Gewissen rein halten wollen.
- Die Frau hat alles richtig gemacht. Abwägen und Beurteilen ob die Kosten zu hoch für den Nutzen gewesen sind, ist nicht notwendig weil Jesus nicht mehr lange lebt. Damit wechselt die Perspektive. Sie hat ihm auf besondere Weise ihre Zuneigung und wahrscheinlich im Wissen um die Kostbarkeit des Öls ihre Verehrung gezeigt. Weil Jesus ihr Handeln schon als Vorbereitung seiner Beerdigung versteht, macht er sie zum Vorbild. Der Blick auf die Vergänglichkeit relativiert die Sicht auf Kosten und Nutzen.
Verrückte Welt?
Zumindest hilft es, sich selbst und seinen Beurteilungen auf die Schliche zu kommen. Ein paar Fragen kann sich jede, jeder selbst stellen.
Mit wem habe ich mich beim Lesen oder Hören des Evangeliums sofort identifiziert?
Fälle ich schnell mein Urteil, wenn ich sehe, was andere tun? Leiten mich die Maßstäbe richtig, falsch, gut, schlecht?
Empöre ich mich gern über die, die auffallen?
Wäre ich gern selbst so jemand?
Kann ich mich in das hineinversetzen, was andere denken, für wertvoll halten, wünschen?
Habe ich schon einmal etwas Verschwenderisches getan? Warum?
Hat es mir schon einmal leid getan, weil es zu spät gewesen ist, jemandem zu helfen oder ihm zu zeigen, wie sehr ich ihn mag oder verehre?

Vielleicht haben die, die sich empört haben, etwas gegen die Nähe gehabt, die fast in aller Öffentlichkeit entstanden ist. Wer in Jesu Nähe gelangt ist und mit ihm sprechen, ihn hören konnte, war sich vielleicht des besonderen Moments bewusst und empfand diese Unterbrechung als Störung. Die Empörten grenzten sich ab und die Frau grenzten sie aus. Doch damit war es nicht in Ordnung. Wie oft bleibt eine Begegnung so stecken.
Die Frau ist Jesus nah gekommen, und er hat es zugelassen, dass ihm jemand etwas Gutes tut. Das wird im Evangelium nicht häufig erzählt, und hat deswegen seinen eigenen Wert. Als vorbildliches Verhalten hat er es gelobt: für uns alle.
Wenn wir in der kommenden Woche über Jesu Christi Leidensweg und sein Sterben nachdenken, um Ostern die frohe Botschaft von seiner Auferstehung zu empfangen und zu verkündigen, verstehen wir ihn als den, der sich eng mit uns verbunden hat. Was er leidet, leidet er für uns. Wir sind eingebunden in unser Denken, eingefahren in unsere Haltungen im normalen Leben, auch im Glauben. Die Karwoche ist eine Woche der Anfechtung unseres Glaubens, der Begegnung mit allgemeinmenschlichen und persönlichen Abgründen. Deswegen möge uns die Frau mit ihrem außergewöhnlichen Handeln ruhig empören und nachdenklich machen. Sie kann uns auch Mut machen zu überlegen, was wir Jesus Christus und anderen Menschen Gutes tun können. Nähe, Respekt, Zuneigung können auch bei Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen und in bewusster Distanz zum Schutz anderer gezeigt werden. Viele Menschen tun das und es tut auch vielen gut.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.


Lied: EG 91,1–3.7

Fürbitten
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen
Als Glaubende miteinander
Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Heute.

Stille
Wir denken an alle, die wir lieben.
Wie werden sie diese Woche bis Ostern verleben?
Was tun sie gerade?
Stille
Wir denken an alle, denen diese Zeiten zur Last werden
weil es zu eng ist,
weil die Abwechslung und Freiheit fehlen,
weil ihre Sorgen wachsen,
weil sie noch einsamer sind.
Stille
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.
Wir denken an alle Pflegenden, an die Ärztinnen und Ärzte, die Forscherinnen und Forscher
und wir denken an alle, die sterben.
Stille
Wir denken an alle, die helfen.
Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille
Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Sendung und Segen
Sendung: Geht in diesen Sonntag und in die kommende Woche mit Gottes Segen.

Gott segne dich und behüte dich
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen