16.05.2021 Exaudi

Material: Gesangbuch, Kerze
Glocken läuten · Kerze entzünden · Einstimmung
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Ich schaue in den Himmel. Himmelfahrt vor ein paar Tagen.
Und jetzt? Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Wir rufen mit dem Psalmbeter: „Gott - höre meine Stimme, wenn ich rufe!“
Die Glocken läuten und rufen uns zusammen - da wo wir sind. Versammelt.
An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Verbunden miteinander im Glauben.

Psalm 27
Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: /
»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab,
du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der HERR nimmt mich auf.
HERR, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn
um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf
und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Harre des HERRN!
Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN! Amen

Gebet (zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten)
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet.
Amen

Lesungen für diesen Tag
Epistel Brief an die Epheser 3,14-21
Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Und ihr seid in der Liebe eingewurzelt und gegründet,
damit ihr mit allen Heiligen begreifen könnt, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Predigttext Joh 7,37-39
Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Lied: EG 136 O komm du Geist der Wahrheit 1-2

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn, Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
ein Fest ist auf seinem Höhepunkt. Sieben Tage lang Erntedankfest für die Obst- und Weinernte in Israel. Lob, Freude erklingen: Ausgelassenheit. Am Altar im Jerusalemer Tempel wird geopfert. Prozessionen zum Dank, Licht und Bitte um Regen für das kommende Jahr spielen eine Rolle, aber auch die Erinnerung an die Rettung aus Ägypten. In Laubhütten essen und schlafen die Menschen. Sie haben sich auf die Reise gemacht, begegnen sich, erzählen, essen und trinken miteinander. Musik erklingt, Kinderlachen, Gotteslob, Andacht. Und über die bekannten Menschen, die umstrittenen, wie Jesus wird diskutiert: über ihn, mit ihm, Freunde und Gegner. In dieses Geschehen, dieses Atmosphäre nimmt der Evangelist Johannes uns hinein.
Am Höhepunkt hat sich die Gemeinschaft gefunden. Leichtigkeit und Freude des Festes entheben einen dem Alltag, in den bald alle zurückkehren. In ihm mühen sie sich, haben nicht in der Hand, ob die nächste Ernte wieder so gut wird. Beim Trinken und Essen in Gemeinschaft freuen sich Herz und Seele über die Speisen und Getränke, über die freien Tage, den Überfluss einer Ernte vor Augen.
Am Höhepunkt, wo alles gut und alles da ist, was die Menschen brauchen, spricht Jesus: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Vielleicht denkt er an Worte des Propheten Jesaja 58,11: "Der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt."
Jesus lädt ein. Vom Erntedankfest kommt er zu den Sorgen und Nöten der Menschen. Er persönlich ist eine Quelle. Seine Worte können Lebensdurst stillen. Seine Gegenwart bringt Bewegung, Mut zur Umkehr, zum Aufbruch, heilsame Begegnung mit Gott.
Welchen Durst wir Menschen haben, weiß er aus den vielen Begegnungen: Durst nach friedlichem Miteinander, nach einem zufriedenen Leben, nach Dazu gehören und nach Liebe. Manche haben ausgetrocknete Kehlen, gehen zu jedem Fest und saugen die Gemeinschaft auf wie ein Schwamm. Bei Jesus finden sie zu Gott und zu sich selbst. Einige kennen gar kein Durstgefühl mehr, weil sie nur wenig für Herz und Seele zu trinken bekommen. Sie hetzen hin und her, verdrängen, dass sie Bedürfnisse haben. Ein paar Tropfen von Jesu Quelle können es ihnen bewusst machen.
Mit dem Trinken, dem Anzapfen der Quelle Jesus wird sich ein Mensch verändern. Glauben und vertrauen verbinden mit ihm. Es entwickelt sich nicht durch unsere eigene Macht, sondern als Geschenk eine lebendige Beziehung zu Gott. Und es fließen Kraft, Kreativität, Liebe durch eine Person hindurch und hinüber zu anderen. An einigen Orten entstehen Projekte im Einsatz für andere Menschen. Woanders fühlen sich Menschen im Beten verbunden und die, für die sie bitten fühlen sich getragen. Oder mit Gesang machen sie anderen eine Freude. Oder... Der Glaube wird gestärkt, weil die, die sich auf Gott verlassen, erleben, dass seine Liebe nicht aufhört, die Dunkelheit des Lebens erhellt und größer ist, als ihre eigene. Und sie erleben, dass sie von ihr umgeben sind, auch wenn sie ihnen selbst zu versiegen scheint. Wir sind immer angewiesene, empfangende, dürstende Geschöpfe und Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu Christi.
Einen Wasserfall stelle ich mir vor, wenn ich an die Ströme lebendigen Wassers denke oder munter fließende klare Bäche im Frühling oder auch einen satten Regenguss. Wasser ist lebenswichtig. Unsere Körper bestehen zu einem guten Teil daraus. Ohne Wasser können wir und viele Lebewesen und Pflanzen nicht leben. Es erfrischt, reinigt, fördert zusammen mit Licht und Nährstoff Wachstum. Wir teilen es mit vielen anderen. Und wo es knapp wird, entstehen Überlebenskämpfe. Die Hörerinnen und Hörer Jesu werden andere Assoziationen gehabt haben, sowohl aus der Natur, von den Ritualen des Festes, das sie gerade gefeiert haben, als auch aus der Bibel, von den Propheten. Und daran, dass er sich als Quelle offenbart, wird sich neben Verwunderung auch Kritik an Jesus entfacht haben.
Der Evangelist Johannes erklärt, dass dies erst nach Jesu Verherrlichung, seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung der Heilige Geist bewirkt. Wir Christen sind mit Wasser und dem Heiligen Geist getauft. Die Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi, von denen Ströme lebendigen Wassers fließen, stelle ich mir als Menschen vor, die selbst voller Vertrauen leben und denen man vertrauen kann. Sie leben als beschenkte, großzügige Personen mit Herz unter uns im Bewußtsein ihrer Schwächen und Fehler. Die Begegnung mit ihnen ermutigt oder tut gut. Weisheit, Klarheit, Geduld, Gottvertrauen, Zuversicht strahlen sie aus, jeder anders, auf die eigene Weise. Jede und jeder von uns mag Beispiele vor Augen haben. Sie können Vorbilder werden oder Weggefährten, aber sie ersetzen nicht die eigene Beziehung zu Jesus Christus, die sich im Laufe der Zeit entwickelt. Auf ihn werden wir verwiesen, zur Entdeckung und Annahme von Gottes Liebe und zur Möglichkeit, dass auch von uns Ströme lebendigen Wassers fließen, wenn wir seine Einladung annehmen.
"Noch nicht jetzt, es kommt noch etwas Besseres," verkündet der Evangelist Johannes. Den Höhepunkt von Festen können wir nicht festhalten. Irgendwann ist der schönste Geburtstag zu Ende, sind Weihnachten und Ostern vorbei. Und auch die Zeit, in der Jesus auf Erden unter seinen Jüngern lebt. Doch das ist kein Grund zu verzagen, zu streiten, sich abzuwenden. Im Vertrauen auf Jesu Verheißung beten wir. Und lassen wir uns in Erinnerung an unsere Taufe und in Erwartung des kommenden Sonntags Pfingsten als Gemeinschaft erneut vergewissern und stärken durch das Fest des Heiligen Geistes. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied: EG 317 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren 2.4

Fürbitte
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Heute.
Wir bitten Dich: Höre unsere Stimmen, wenn wir rufen. Sei uns gnädig und erhöre uns.
Wir vertrauen: Du bist da, Du bist uns nah.
Wir denken an alle, die wir lieben.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Wir denken an alle Kranken.
Wir denken an alle, die helfen.
Wir denken an alle, die trauern.
Wir sehnen uns nach Dir. Nach Trost. Nach Deiner Nähe.
O Gott – komm! Maranatha!
 
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Vertrauen: Du bist uns nah.
Hilf uns, zu leben in diesem Vertrauen.
Hilf uns, weiterzuerzählen: Du bist da!
 
Wir beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:
Vater Unser
Sendung
Ich schaue in den Himmel. In einer Woche ist Pfingsten. Gottes Geist kommt und tröstet. Jesus hat ihn verheißen.
Erschein, du Heilger Geist — Liebe Gottes selbst.
Leite mich, geleite mich, allezeit.

Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen

Kerze löschen 
nach einem Entwurf von Bettina Gilbert und Elisabeth Rabe-Winnen, Michaeliskloster Hildesheim, bearbeitet und Verkündigung von S. Köhler