31.12.2020 Altjahresabend

Material: Gesangbuch, Kerze, ein Lied/Musikstück, das ich gerne höre oder singe
17 Uhr Glockenläuten
Kerze entzünden

Einstimmung
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Letzter Tag des Jahres:
Zeit, zurückzuschauen,
Bilanz zu ziehen,
loszulassen.
Traurig oder dankbar.
Und Zeit, nach vorne zu blicken.
Mit schwerem oder leichtem Gepäck.
Mit Zuversicht oder voller Angst.
Können wir heute eine Bilanz für das zu Ende gehende Jahr zu ziehen?
Ein Jahr, das unterschiedlicher nicht sein konnte.
Eine besondere Zeit, schwer für die einen, leicht für die anderen:
Kurzarbeit in der Industrie,
Schwerstarbeit in der Pflege,
ohne Arbeit bei Selbständigen und Künstlern.
Lockdown, Stillstand, Einsamkeit.
Aber auch Besinnung, zur Ruhekommen,
Durchatmen für die Seele und die Schöpfung.
Kann es eine Bilanz geben nach einem solchen Jahr?
Oder nur viele verschiedene?
Und die eine Erkenntnis, die so oder so gilt:
Gott ist gegenwärtig.
In unserem Leben,
in schweren und leichten Zeiten,
in unserem Zusammenleben
und in unserer Welt.

Lied: Gott ist gegenwärtig
(Evangelisches Gesangbuch 165,1.6-8) (gesungen, angehört oder vorgelesen)

Psalm 121 EG 749
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
    Meine Hilfe kommt vom HERRN,
    der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
    Der HERR behütet dich;
    der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.
    Der HERR behüte dich vor allem Übel,
    er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit! Amen

Gebet
Am Ende dieses Jahres kommen wir zu dir, Gott mit dem großen Herzen.
Wir legen in deine Hände, was uns bewegt,
was uns traurig macht,
wofür wir dankbar sind.
Und wir bitten dich:
Sei bei uns im neuen Jahr.
Sei gegenwärtig bei dem, was wir tun und bei dem, was wir lassen.
Hilf uns neu anfangen,
mit dir, mit allen, die wir lieben,
und mit allen, mit denen es schwer ist. Amen.

Bibeltext des Tages: 2. Mose 13,20-22 (Luther 2017)
Die Israeliten zogen aus von Sukkot
und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der Herr zog vor ihnen her,
am Tage in einer Wolkensäule,
um sie den rechten Weg zu führen,
und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten,
damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage
noch die Feuersäule bei Nacht.

Verkündigung

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
was für ein verrücktes Jahr! Niemand hat damit gerechnet, dass uns die Coronapandemie so bestimmen und unser Leben so einschränken würde. Planungen in der Kirchengemeinde sind kaum möglich, und es hat weh getan, immer wieder zu sagen, dass etwas ausfällt und dass das Gemeindehaus geschlossen ist. Ebenso ging es jetzt zu Weihnachten: zuerst Hoffnung, dann Absagen von Besuchen. Telefonate und Videokonferenzen mit Familienmitgliedern trösten, sind aber nicht dasselbe, weil sich spontan ja immer noch etwas ergibt. Familienangehörige haben in diesem Jahr größere Feiern zu runden Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen verschoben und Reisen, auf die sie sich gefreut hatten. Stress ist entstanden durch die Ungewissheit oder dadurch, z.B. Im Seniorenheim nicht raus zu können oder Besuch zu bekommen. Viele schauen zurück und ziehen Bilanz.
Die Coronapandemie und sich jeweils anpassen, um Ansteckung zu minimieren, hat viel Raum eingenommen, und wir denken auch jetzt noch daran herum. Auch wenn die ersten Impfungen erfolgen, werden wir weiter vorsichtig und verantwortungsvoll handeln müssen. Dem mutmachenden Versprechen des Bundespräsidenten, dass nächstes Weihnachten alles wieder so ist, wie wir uns es vorstellen, kann ich noch nicht so ganz glauben.
Viele Menschen mussten sich auf Neues einlassen, z.B. Videokonferenzen mit Kollegen, einer Schulklasse oder auch mal der Konfirmandengruppe, homeoffice mit allen Vor- und Nachteilen, ... Daneben stehen die großen Themen: z.B. die Veränderung des Klimas und unser Anteil daran. Aber auch die persönlichen: wo ist der Ort oder das Ziel für mich? Bekomme ich einen Ausbildungsplatz und wie geht es mit dem Studium weiter? Bekomme ich für meine Erkrankung noch die angemessene Behandlung oder werde ich in eine Warteschleife gesetzt? Werde ich arbeitslos? Bange und hoffnungsvolle Fragen, auf die es wenig klare Antworten gibt. Eigene Anstrengung und Gottvertrauen gehören in diesem Fall zusammen, vielleicht mehr als sonst.
Silvester 2020 – am Beginn eines neuen Jahrzehnts. Unser alter Predigttext beschäftigt sich mit der alten und dennoch aktuellen Frage: wie geht es weiter, wohin geht es?
Am Rand der Wüste macht das Volk Israel nach seiner Flucht aus Ägypten Rast: Zeit zur Orientierung und Entscheidung.
Es gibt einen kurzen und gefährlichen Weg ins gelobte Land. Und es gibt einen Umweg durch die Wüste. Dort gibt es keine Wegweiser. Man kann sich verirren. Die Wüste ist lebensfeindlich, hat ihre eigenen Regeln. Als das Volk hindurchzieht, erlebt es die Gefahren im realen und im übertragenen Sinn: Hunger und Durst, die gestillt werden, Eigensinn und Demut, Schuld und Vergebung, Chaos und Regeln, Auflehnung und Frieden, Gottlosigkeit und Gottgläubigkeit, sich verirren und zurückfinden, Verlust und nach 40 Jahren Ausdauer das Ziel erreichen. Und an diesem Abend im Zentrum: Orientierungslosigkeit und eine Antwort darauf.
Gott sendet ihnen Tag und Nacht Zeichen zur Orientierung. Am Tag geht er vor dem Volk in einer Wolkensäule und in der Nacht als Feuersäule. Diese Zeichen sind sehr deutlich und für alle zu erkennen. Offensichtlich ist an die Ruhelosen gedacht. Tag und Nacht nicht allein gelassen, Tag und Nacht wachsam und unterwegs. Gott begleitet ihren Übergang, traut den Menschen zu, dass sie den Weg schaffen, aber er gibt ihnen Zeichen, einen Weg zu finden, den sie nicht kennen und den auch nachher keiner mehr nimmt. Durch die Höhen und Tiefen bleibt er bei ihnen mit seiner Treue. Sichtbar ist ein Teil von ihm. Licht in der Dunkelheit nimmt die Angst und zeigt den Weg. Und die Wolken werden in Psalmen als Teile von Gottes Fahrzeugen (Wolkenwagen) beschrieben. Für die Menschen ein tröstendes und mutmachendes Zeichen: Gott ist präsent, zu jeder Zeit auf unserem ganzen Weg. Ganz sicher.
Wir, am Übergang von 2020 auf 2021 könnten das eigentlich auch sagen. Einerseits haben die meisten von uns einen festen Wohnsitz, andererseits sind wir unterwegs mit lauter Übergängen. Ein Kind wurde geboren und eine junge Familie findet sich, eine Krankheit wurde diagnostiziert oder ein Arbeitsplatz geht verloren und Unsicherheit und Sorgen machen sich breit, die Suche nach etwas Neuem beginnt. Jemand tritt in den Ruhestand ein und sortiert sich neu.
Wir bitten und beten heute abend, dass die Gegenwart, die Begleitung und der Segen Gottes Kraft verleihen und trösten. Seine Zeichen sind da: von Weihnachten her geschaut, ist es für uns Christen das Kind in der Krippe, der Heiland, und von den gepredigten alttestamentlichen Prophetentexten her der Friedensfürst und Messias. Es kann auch die eher jüdische Vergewisserung sein, dass Gott in der Geschichte bei seinem Volk gewesen ist und durch lebendige Erinnerung auch weiterhin treu bleibt, lebendig durch die Menschen, die es weitergeben. Gottes Treue und Liebe zu uns Menschen überdauert die Zeit, und er findet immer wieder Wege und gibt Chancen, dass wir uns neu ausrichten und orientieren können. Es hat Konsequenzen für diejenigen, die das ernst nehmen: Manchmal sind Erkennen eines Irrwegs, Schuldeingeständnis und Rückkehr und die Bitte um Vergebung damit verbunden, manchmal Abfallen von Lasten, Erleichterung, nicht allein zu sein und Freude über die Lebensquelle und manchmal Wundern und Staunen über Angenommensein, Barmherzigkeit.
Mit Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist können wir ins neue Jahr gehen. Sie sind da für jede Lebenssituation: im Kreuz tragen sie unsere Last und unser Leid mit, in ihrer Liebe öffnen sie uns und machen lebendig, im Lebensatem schaffen sie immer wieder neu Gelegenheit zur Begegnung und schöpferischem Sein.
Ob wir nun unruhig Tag und Nacht unterwegs sind, ob uns die Zeit lang wird, ob wir uns verrennen, ob wir Pläne machen, Enttäuschung oder auch Erfüllung erfahren, lassen wir uns von Gott leiten.
Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied: Von guten Mächten (Evangelisches Gesangbuch 65,1.5.6) (gesungen, angehört oder vorgelesen) oder das eigene Wunschlied gehört oder gesungen.

Fürbitten
Du Gott des Lebens,
ein Jahr geht zu Ende.
Was wir an Schönem
und an Schwerem erlebt haben,
lassen wir los
und legen es in deine Hände.
Stille
Du Gott des Lebens,
am Ende des Jahres bedenken wir auch,
was wir versäumt haben,
wo wir Menschen durch Worte
und Taten verletzt haben.
In der Stille sagen wir dir,
was uns bedrückt und belastet.
Stille
Du Gott des Lebens,
wir blicken mit Sorge auf das neue Jahr
und bitten dich:
Befreie uns und alle Welt
aus den Fängen der Pandemie und dem Leid, das sie vielen Menschen bringt.
Zeige uns deinen Weg
und führe uns durch das neue Jahr.
Wir bitten dich,
dass wir uns wieder unbeschwert begegnen,
dass wir wieder gemeinsam dein Lob singen
und uns an deinem Tisch versammeln können.
Amen.

Vaterunser

Segen
(Alle öffnen ihre Hände und drehen die Handflächen nach oben.
Einer spricht oder alle sprechen den Segen.)
Gott segne uns und behüte uns.Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.
Amen.
Kerze löschen
Entwurf von Stephan Goldschmidt, Michaeliskloster Hildesheim, Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik, bearbeitet und Verkündigung: Silvia Köhler