Gottesdienst 23.08.2020 11. Sonntag nach Trinitatis

Material: Gesangbuch, Kerze

Glocken läuten

• Kerze entzünden

• Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen.







 Psalm 145,1-9
Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
    Ich will dich täglich loben
    und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.
Der HERR hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.
    Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen
    und gnädig in allen seinen Werken.
Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.
    Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
    und hört ihr Schreien und hilft ihnen.
Der HERR behütet alle, die ihn lieben,
und wird vertilgen alle Gottlosen.
    Mein Mund soll des HERRN Lob verkündigen,
    und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen
    immer und ewiglich.

• Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet. Amen

• Bibeltexte des Tages
Paulus schreibt im Brief an die Epheser 2,4-10
Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit,
hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,  
auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,
damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.
Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Lied: EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund 1 – 2.8-10

Lesung aus dem Lukasevangelium 18,9-14
Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.
Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

• Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen) LBW Meine engen Grenzen
1. Meine engen Grenzen,meine kurze Sicht bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.

2. Meine ganze Ohnmacht,was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich. Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.

3. Mein verlornes Zutraun,meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich. Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.

4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.
T: Eugen Eckert (1981) M: Winfried Heurich (1981)

• Verkündigung (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
Wenn Jesus Gleichnisse erzählt, dann bin ich immer fasziniert, wie er einen in eine Situation mit hineinnimmt. Ich identifiziere mich mit einer Person, um die es geht. Es kann die Hauptperson sein, aber manchmal ist das auch brenzlig. Dann bin ich am liebsten Zuschauerin. Doch auch die Zuschauenden nimmt sich Jesus vor und lockt sie aus der Reserve. In diesem Gleichnis zum Beispiel. Es dreht sich alles um.
Wer kann schon in unsere Köpfe schauen, was wir beten und denken? Wir kennen uns alle selbst und andere genug, mit denen wir viel Zeit verbringen. Wir wissen, wie wir und sie ticken und gestrickt sind. Einige Menschen haben ein großes Selbstbewusstsein und ein gutes. Sie sind großzügig, gelassen, hilfsbereit. Sie haben ihren Platz in der Gemeinschaft und werden trotz ihrer Fehler anerkannt.
Andere kämpfen um so einen Platz. Sie müssen sich auf ein Treppchen stellen und auf andere herabschauen, um sich gut zu fühlen. Der erste Beter spricht es aus: "gut, dass ich nicht so bin wie die andern Leute,... und wie dieser Zöllner. Ich tue, was Dir, Gott, gefällt: 2x in der Woche fasten und den Zehnten geben." Pharisäer werden in der Bibel so beschrieben, dass sie sehr ernst nehmen, was Juden aus der Tora, dem Gesetz Gottes, erfahren. Sie setzen sich dafür ein, dass Gottes Gebote im Alltag relevant sind. Und sie halten sich selbst daran. Und doch übertreibt es der Pharisäer, so dass man gern die Seiten wechseln möchte.
Jesus will mit diesem Vergleich erreichen, dass sich Menschen empören. Zunächst kann man sich mit dem Pharisäer identifizieren, doch erschrickt man spätestens in dem Moment, wo er selbstgerecht über den Zöllner herzieht, der mit ihm im selben Raum betet.
Mit seiner Erzählung hält Jesus denen, die sich fromm zeigen oder für besser halten als andere, einen Spiegel vor. Und ich finde, man sich in ihm auch ganz gut selbst sehen. Jesus kratzt an der gut gepflegten Fassade und enthüllt die Verachtung in der Seele des Beters. Alle, die es hören, fordrt er auf, in sich zu gehen, die eigene Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit und damit eigene Schuld zu erkennen. Deswegen zu Gott zu beten, es ihm zu beichten, um Vergebung zu bitten und dann befreit die bisher verachteten und vermeintlich Schwächeren als Mitmenschen erkennen und auf sie zugehen können.
Die Selbstvergewisserung und Überheblichkeit ist im Laufe der Geschichte leider von Christen übernommen worden, die sich für besser hielten als der betende Pharisäer. Und sie ist geübt worden von Christen untereinander. Wenn man die Regeln einhielt, war man auf dem richtigen Weg, brauchte aber auch die anderen zum Vergleich. Sie argumentierten vielleicht daher, dass man nur aus Gottes Gnade vor Gott gerecht ist.
Und heute üben viele Menschen Selbstgerechtigkeit in anderen Lebensbereichen. Nachbarn über die Gartengestaltung, Veganer gegenüber Fleischessenden Mitmenschen, ältere gegenüber flippigen jüngeren, Mütter und Väter über die Kindererziehung ihrer Bekannten...
Diese reinigen ihr Gewissen selbst. Gott lässt sie ihrer Wege gehen. Zur Warnung kommen sie in diesem Gleichnis vor. Es kann Augen öffnen, verhärtete Herzen weich machen, für das öffnen, was ihnen fehlt und dann können Menschen zu ihm umkehren.
Das Gefühl der Erleichterung, sich selbst als Mensch in seiner Fehlbarkeit näher gekommen zu sein und aus vollem Herzen neu beginnen zu können, hat der, der sich und seine verkorksten Beziehungen, seine eigenen Lügen, Kränkungen anderer und was er von den Kränkungen und dem Abstand anderer spürt, vor Gott bringt. Da habe ich versagt, da habe ich mich hinreißen lassen, da bin ich gedemütigt worden und habe den Ärger runtergeschluckt. Kurz: sei mir Sünder gnädig. Das so offen zu sagen, fällt dem zweiten Beter nicht leicht. Verlegen schaut er umher, schlägt sich auf seine Brust, kämpft mit seinem Gewissen. Dieses aufrichtige, sich selbst gegenüber schonungslos ehrliche Gebet hört Gott. Er erbarmt sich, versöhnt sich und nimmt ihn an, schenkt ihm Mut für neue Anfänge mit den anderen Menschen. Seine Gnade.
Der eine bleibt gebunden, der andere wird befreit. Für uns Zuhörerinnen und Zuhörer ist es nachvollziehbar. Vielleicht hat die eine oder der andere so etwas schon erlebt, meistens in Abstufungen. Der Evangelist Lukas stellt einen klaren Weg vor, wie man ein Leben führen kann, das Gott gefällt. Zum Ende seines Gleichnisses sagt Jesus: "wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden." Was dafür gedacht ist, das richtige Maß vor Gott zu finden, von den Vergleichen weg zu kommen, haben Christen auch in die Richtung "Erniedrigen" verdreht, z.B. Mit übertriebenem Fasten. Über, was kann ich tun, um Gott zu gefallen und über ihr Mensch sein stolpern sie in die eine und in die andere Richtung.
Beim Beten schaut niemand in unsere Gedanken und in unser Herz, außer Gott. Hier haben wir Raum vor Gott für uns selbst, für die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Zufriedenheit mit dem Leben, nach gelingenden Beziehungen, für die Stellen, an denen wir nicht weiterkommen. Wir haben Zeit, etwas los zu werden und Zeit zum Betrachten nur für uns und mit Gott:
die Urteile von Müttern, Vätern, Geschwistern, Lehrern, Freunden und unsere Gefühle dazu, dürfen hier laut werden.
Unsere Meinungen über uns selbst, unsere Verunsicherung und Zweifel, unser Ärger
oder unser Bedürfnis zur Vergewisserung haben hier Raum. Bei einem Gebet gibt es zwei Richtungen: Gott hört zu, während wir reden, und er antwortet mit Worten oder Taten, wenn wir hören: Gott schweigt zu dem Gebet des Hochmütigen. Aber das Gebet dessen, der ihm seine Unzulänglichkeit bekennt und dass er vor Gott nicht bestehen kann, hört er, begegnet ihm. Er löst seine Fesseln, damit neue Gemeinschaft möglich ist.
Alle, die dieses Gleichnis hören, haben die Wahl. Jesu Gesprächspartner und die um ihn herumstehen. Auch wir.
Es ist leicht, andere Überhebliche zu finden und zu sagen: Gut, dass ich nicht so bin. Es ist auch leicht und tut gut, zu sagen: anderen geht es noch schlechter als mir oder sie machen es falsch. Das kann aber auch eine Falle werden. Alles, womit man sein Selbstbewusstsein und Geltungsbedürfnis selbst aufbaut und füttert, darf vor Gott hinterfragt werden, losgelassen, auch wenn man glaubt, sich selbst zu verlieren. Vor Gott steht im schlimmsten Fall eine Sünderin, ein Sünder, ein Mensch mit Stärken und Schwächen, dem er seine Barmherzigkeit zeigen kann. Gottes Gnade ist dann ein Geschenk, für das man nichts zu tun braucht, außer mit Gottes Wirksamkeit und Präsenz zu rechnen und zur Wahrheit gegenüber sich selbst finden zu wollen. Es kann schmerzhaft werden, wie eine Verstrickung aufgelöst wird, wie man in die eigenen Abgründe schaut und seinen Verletzungen begegnet. Es kann trösten, damit vor Gott zu stehen, sich Last nehmen lassen zu können und neue Hoffnung zu schöpfen. Gehen wir auf dem verschlungenen Weg unseres Lebens und finden den zur Wahrheit, den Gott uns zeigt. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied EG 235 O Herr nimm unsre Schuld

• Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben. - Was tun sie gerade.
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die eingeschränkt Besuch haben dürfen.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille.
Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:
• Vater Unser

• Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

• Kerze löschen

Liturgie nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim, Predigt, Gestaltung S. Köhler