Gottesdienst 18.10.2020 19. Sonntag nach Trinitatis

Material: Gesangbuch, Kerze
Glocken läuten, • Kerze entzünden
• Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben. „Heile du mich
Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen, bittet Jeremia (Kap. 17,14),“ lautet der
Wochenspruch. Gesund werden, gesund bleiben, ist ein großer Wunsch so vieler Menschen in dieser
Zeit. Heil an Leib und Seele. Wir feiern in Gottes Namen.
Wenn möglich im Wechsel Psalm 32 lesen
Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind,
dem die Sünde bedeckt ist!
Wohl dem Menschen,
dem der HERR die Schuld nicht zurechnet,
in dessen Geist kein Falsch ist!
Denn da ich es wollte verschweigen,
verschmachteten meine Gebeine
durch mein tägliches Klagen.
Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir,
dass mein Saft vertrocknete,
wie es im Sommer dürre wird. Sela.
Darum bekannte ich dir meine Sünde,
und meine Schuld verhehlte ich nicht.
Ich sprach:
Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen.
Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Sela.
Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten
zur Zeit der Angst;
darum, wenn große Wasserfluten kommen,
werden sie nicht an sie gelangen.
Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten,
dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Sela.
• Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet. Amen
Bibeltexte für diesen Tag
Epistel und zugleich Predigttext Epheser 4,22-32
Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische
Begierden zugrunde richtet.
Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott
geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir
untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn
untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern
arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.
Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was
notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist
Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn
und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander
freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Lesung aus dem Markusevangelium 2,1-12
Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause
war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür;
und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von
vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das
Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Da nun
Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert
Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass
sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist
leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf,
nimm dein Bett und geh hin? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden
zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und
geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie
sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.
Lied: EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund 1-2.10-12
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
Die steigenden Infektionszahlen bringen neue Verunsicherung und auch Überdruss mit sich.
Dringende Aufforderungen, sich verantwortungsbewusst zu verhalten, werden unermüdlich
wiederholt. Regeln werden eingeführt, die Menschen kurz vor Urlaubsantritt in Aufregung
versetzen, Klagen und Rücknahmen von Reisebeschränkungen, Diskussionen. Dieses Virus macht
etwas mit uns allen. Manchmal ist die Haut ganz dünn. Und die große Sehnsucht nach Normalität
schwingt immer mit.
Wie klingen in dieser Situation die Aufforderungen aus dem Brief an die Epheser in unseren Ohren?
Lösen sie Abwehr aus: Bitte nicht noch mehr!? Klingen sie schön und vernünftig? Sind sie
Gesellschaftskritik? In kurzen und klaren Sätzen geht es darum, wie Christen miteinander, mit ihren
negativen Emotionen umgehen und umgehen sollten. Ziel ist ein gutes Miteinander, ein geheiligtes
Leben. Deshalb mahnt der Verfasser, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht gehen zu lassen,
um des Menschen, um Gottes Willen.
Der Mönch und Kommunitätsgründer Bernhard von Clairvaux schreibt im Jahr 1150 an Papst
Eugen III De Consideratione – über die Besinnung: "Wo soll ich anfangen? Am besten bei deinen
zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir: Ich fürchte,
dass Du, eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen keinen Ausweg mehr siehst und deshalb
deine Stirn verhärtest. Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen,
als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen
willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage nicht weiter, was
damit gemeint sei; wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon soweit."
Ermahnungen hört niemand gern. Jemand anders schaut hin und sagt "STOP". Irgendwie fühlt man
sich ertappt und zu Recht oder zu Unrecht beschuldigt. Es ist unangenehm. Erwartet wird dann
eigentlich noch eine Strafandrohung oder eine Strafe. Man macht sich aufgrund solcher Diagnose
schon innerlich bereit für die Rechtfertigung. Stattdessen vertraut der Verfasser unseres
Predigttextes auf die Einsicht: jeder kann sich nur selbst ändern: Erkennen, auf welchem Weg man
ist und eine andere, neue Richtung einschlagen, die vom Ziel her gedacht wird oder versuchen
etwas seine Beziehungen Belastendes zu klären und aus dem Weg zu räumen. Positive Veränderung
ist grundsätzlich auf Gottes Seite schon geschehen und kann deshalb von Einzelnen und
Gemeinschaften begonnen werden. Im Weltbild des Verfassers ist die Welt Ort der Menschen und
steht im Einflussbereich negativer Macht, die er mit dem Teufel personalisiert und zugleich im
Einflussbereich Gottes positiver und vergebender Macht.
Konkret nennt er in seinen Aufforderungen die Gegensätze Lüge und Wahrheit, Zorn (dem Teufel
Raum geben) und Befreiung davon, stehlen und rechtschaffene Arbeit, von deren Lohn auch noch
eine Spende an die Armen möglich ist. Üble Nachrede im Gegensatz zu einer Rede darüber, was gut
ist, was erbaut, was notwendig ist zur Gnade für die, die es hören. Es besteht Verantwortung
gegenüber den Mitmenschen und in der Beziehung zu Gott. Er sagt: "Betrübt den heiligen Geist
nicht, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung." Deswegen mahnt er zur Verwandlung:
"alle Bitterkeit, Grimm, Zorn, Geschrei, Lästerung alle Bosheit seien fern von euch. Seid freundlich
und herzlich, vergebt einer dem anderen wie Gott euch vergeben hat in Christus."
Traditionell werden zum Jahreswechsel gute Vorsätze gefasst, aber auch nach oder bei Krankheiten
werden sie mit der Aussicht auf ein besseres Leben gemacht. Überlegen wir jede und jeder für sich,
welche Vorsätze er oder sie bisher umsetzen konnte oder neu gefasst hat und auch, woran wir
gescheitert sind: Die Gewohnheit, äußere Umstände, zu hohe Erwartungen und aufgegebene
Hoffnung können Gründe sein. Dabei ist die Hoffnung eine treibende Kraft für die Umsetzung von
Veränderungen.
Wären es nur Aufforderungen, Mißstände wie Rechthaberei, Selbstbehauptung, Verbitterung,
Zorn ... abzustellen, kann man ganz schnell sagen: das kann ich nicht erfüllen. Ich bin eben so. Ich
habe es schon oft versucht. Oder wie Bernhard von Clairvaux unterstellt: Ich habe keine Zeit. Es
gibt Wichtigeres. Ich bin beschäftigt. Dabei geht der Blick für sich selbst, andere und Gott verloren.
Der Kopf und das Herz werden hart. Die Einordnung des Verfassers des Epheserbriefs in: -vorher
und in Zukunft, -alt und neu, bedroht und gerettet, hilft zu sortieren und schubst einen in Richtung
sich erfüllende Verheißung. Durch Gottes Handeln haben wir Hoffnung und Zukunft.
Mir gefällt das Bild vom Kleiderwechsel im Epheserbrief. Es wird auf unsere menschlichen
Angewohnheiten und Verhaltensweisen angewendet. Wir erleben Hochs und Tiefs. Unser
Miteinander gelingt und scheitert. Und wer hat nicht schon davon geträumt, ganz anders sein zu
können: Von langer Jugend, von Leichtigkeit und Frische, von Würde und positiver Ausstrahlung,
davon geliebt und respektiert zu werden. Zu so einem guten Gefühl trägt für viele auch ihr
Aussehen und ihre Kleidung bei.
Natürlich gibt es Lieblingsstücke, die man jahrelang behält und immer wieder anzieht. Die Knie der
Hose haben Löcher, an den Säumen der Beine ist sie ausgefranst. Aber sie ist ja noch so bequem.
Doch beim Umsortieren und bei der Durchsicht des Kleiderschranks im Frühling oder Herbst fallen
einem auch Pullover oder Shirts in die Hand, von denen man sich leicht trennen kann:
ausgewaschen, Knopf ab, jahrelang nicht angezogen, mit Fleck, der nicht rausgegangen ist, rosa
angelaufen, weil etwas Rotes in der Kochwäsche war. Nach dem Ausmisten ist wieder etwas Platz
im Schrank.
Und kennen Sie die Modenschau nach dem Einkauf, bei der die neuen Stücke zu Hause präsentiert
werden? Wie man sich freut, wenn jemand sagt, eine Jacke stehe einem gut. Wie jemand fragt: ist
das neu? Das stärkt das Selbstwertgefühl.
Daran kann man sich erinnern, wenn es um die Angewohnheiten geht. Den Blick von den negativen
gut bekannten Gedanken und Gefühlen abwenden hin zu der Sehnsucht nach Frieden, Begegnung
auf Augenhöhe, Freiheit und Verantwortung, Heilung von Verletzungen. Paulus stellt fest: "der alte
Mensch richtet sich durch trügerische Begierden zugrunde." Er fordert auf: "zieht den neuen
Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit." Das kann man
in keinem Geschäft kaufen. Es ist Arbeit und ganz und gar oder perfekt wird es einem auch nicht
gelingen. Er weiß das. Mit der letzten Aufforderung "seid freundlich und herzlich, vergebt einer
dem anderen wie Gott euch vergeben hat in Christus," bekommt man Zusage und Ermutigung. Ein
Beispiel für Vergebung in heutiger Zeit: Nach ihrem Auszug von zu Hause mit knapp 18 Jahren
brach eine Tochter für 3 Jahre jeden Kontakt zu ihrer Familie ab. Die Mutter vergibt ihr,
verabschiedet sich von ihrer Kränkung und Verbitterung und öffnet Raum, dass ihre Tochter von
selbst Kontakt aufnimmt.
Nicht Angst vor Strafe verbreitet der Verfasser, sondern mahnt eindringlich zur Veränderung von
Lebenseinstellungen, Überwindung von alten Verhaltensmustern. Christsein bedeutet, bereit zu sein
zum Wandel. So kann man verhärteten Herzen vorbeugen oder sie wieder weich machen. Die
schnelle Entschuldigung: "ich kann nicht aus meiner Haut," ist zu überdenken. Man sollte es sich
nicht zu bequem machen. In dem Brief an die Epheser sind Gott und der Teufel gewaltige Mächte,
die um Menschen ringen, auch wenn Gott schon gewonnen hat.
Den neuen Menschen haben wir schon angezogen – nicht nur in unserem vorgestellten
Kleiderschrank hängen. Wir sind getauft. Mit den Worten aus dem Brief an die Epheser: "nach Gott
geschaffen in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit, versiegelt mit dem heiligen Geist für die
Erlösung und wir leben daraus, dass Gott uns vergeben hat." Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus
Christus. Amen
Lied: 398 In dir ist Freude
Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unseren Dank für so vieles und unsere Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben, an alle, die unterwegs sind. - Was tun sie gerade.
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.
Wir denken an alle Kranken in ihren Wohnungen, in den Heimen und in Krankenhäusern.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille.
Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat: • Vater Unser
• Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen
• Kerze löschen
Liturgie nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim, Predigt, Gestaltung S. Köhler