Gottesdienst 10.05.2020 Kantate

Material: Gesangbuch, Kerze

Einstimmung
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken rufen zum Gebet, zur Sammlung und zur Gemeinschaft.
Gott ruft uns zusammen. Was auch immer uns in diesen Zeiten trennt, wir begegnen einander.
Heute kommt der Name des Sonntages aus dem 98. Psalm. Er ist wie eine kräftige Überschrift für diesen Gottesdienst und immer dann, wenn Christinnen und Christen feiern: Kantate! Singt!
„Singt Gott ein neues Lied, denn er tut Wunder!“
Unbeschwertes Singen in Gemeinschaft, Musik und Klang im Kirchenraum fehlen schmerzlich in dieser Zeit. Wie gut, dass wir jetzt beisammen sind, mit gleichen Liedern, Texten und Gebeten mitgesungen, mitgesprochen.
Vielleicht spüren wir im selben Moment, wie Musik und Wort uns tragen.

Psalm 98
Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der HERR lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem HERRN, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem HERRN, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.
Amen

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten (eine*r betet für sich oder alle in der Gemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Ich bete zu Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Ich bringe Dir, was war und was ist.
Stille
Höre uns.
Sieh uns an.
Klinge Du in uns. Amen.

Der Predigttext des Sonntags steht im 2. Buch der Chronik Kapitel 5, Verse 2-5(6-11.12-14)
Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.
Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.
Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim, dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.
Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –,
und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Lied: EG 166, 1 - 3 Tut mir auf die schöne Pforte
Verkündigung

Liebe Gemeinde,
in letzter Zeit höre ich morgens kleine Konzerte. Es gibt dafür keine Uhrzeit. Irgendwann lausche ich, höre einen Ruf und manchmal Antwort dazu in den höchsten Tönen. Ein kleines Lied erklingt. Das macht mich so neugierig, dass ich vom Schreibtisch aufstehe, in den Garten schaue und den kleinen Vogel suche, der von seinem Ast aus singt. Und dann ist es wieder still oder die anderen Geräusche übertönen den Gesang. Ich freue mich über das Schöpfungslob.
Richtig festlich ist es in unserem Predigttext. Dieser Geschichtsschreiber will alle teilhaben lassen an dem Ereignis, dass die Bundeslade in den fertig gestellten Tempel Salomos in Jerusalem getragen wird. Man könnte es in 3 Sätzen schreiben. Aber er beschreibt, als würden wir fernsehen – ich finde, Ostern beim Papst wird so ähnlich berichtet.
Viele Menschen, viele Priester, die Erinnerung an den Bund Gottes und den Auszug aus Ägypten, die schönen Gewänder, die wichtigsten Sänger, viele Instrumente, ein großer Posaunenchor mit 120 Priestern, die mit Trompeten bliesen. Gewaltig, denke ich, während ich lese. Übertroffen wird die Faszination noch dadurch, dass die Musik vielstimmig einstimmig erklingt. Die zentrale Botschaft ist Gotteslob: "Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig." Was mich als Leserin noch heute staunen lässt, hat eine solche Anziehungskraft gehabt, dass Gott herabgekommen ist und in seiner Herrlichkeit als Wolke dabei war und den Ablauf durcheinander gebracht hat.
Es ist im Gewand von Geschichtsschreibung eine religiöse Geschichtenschreibung über das, was Menschen für ihren Glauben für so wichtig halten. Geschrieben wurde es wahrscheinlich Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus mit großem Abstand zur tatsächlichen Einweihung des Tempels ca. 955 vor Christus. Dieselbe Erzählung von der Feier wird im 1. Buch Könige 8,1-11 überliefert. Die Menschen haben in der Zeit dazwischen schon das Exil im persischen Reich erlebt, einige kamen zurück und um 515 v. Christus wurde der 2. wiederaufgebaute Tempel eingeweiht.
So festlich ist es selten in der Bibel. Ob es so gefeiert wurde? Für diejenigen, die es aufschreiben, ist die Verehrung Gottes im Tempel in Jerusalem wichtig: die Bundeslade, die früher mit dem Volk umhergezogen war, bekommt ihren Ort. Gott zieht in sein Haus ein und bestätigt das Handeln der Menschen.
Wir Lesenden und Hörenden werden durch diese Beschreibung in ein Geschehen mit hineingenommen. Dabei sind wir mehr als Zuschauer, haben Teil über Zeit und Raum hinweg.
Wir kennen solche Euphorie, z.B. von der Teilnahme an einem Konzert, bei einem Fußballspiel in einem gut gefüllten Stadion mit begeisterten Menschen. Und auch Übertragungen oder beschreibende Berichterstattungen können mitreißen. Was sich ereignet, findet Hörende und löst Resonanz bei ihnen aus. Sie schwingen mit. Und damit feuern sie wiederum die Akteure an. Die Aufregung, das Miterleben fehlt Menschen jetzt.
Die Musik zeigt dabei und auch in unserem Alltag ihre Wirkung. Einzelne summen und singen bei ihren Alltagstätigkeiten, unter der Dusche, beim Autofahren. Sie singen mit, wenn im Radio ihr Lieblingslied läuft, einige Eltern singen mit ihren Kindern, und Menschen singen mit, wenn im Radio- oder Fernsehgottesdienst die Lieder genannt werden. Andere hören Musik, fühlen sich nicht allein, fröhlich,... Töne sind um uns herum. Lieder sind in uns. So teilen wir uns mit. Körper und Seele tut Singen und Musizieren gut. Musik kann beruhigen, trösten, motivieren, Frust abbauen und wenn sie einem nicht gefällt, auch aggressiv machen. Und sie kann wie im Predigttext beschrieben, mitreißen, staunen lassen, erheben.
Der Inhalt des biblischen Gotteslobs ist: "Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig."
Andere Texte der Bibel sagen das ebenfalls. Im Evangelischen Gesangbuch wurde Psalm 118 im Lied 294 Nun saget Dank und lobt den Herren vertont. Wer dieses oder ein anderes Kirchenlied den Tag über immer wieder einmal singt, z.B. An verschiedenen Orten kann spüren, wie es am Morgen, am Nachmittag oder auch am Abend wirkt und nachklingt, welche Gedanken und Gefühle es auslöst.
Die Botschaft des Predigttextes kann auch anregen, in die eigene persönliche Geschichte einzutauchen und darüber nachzudenken, wann und wie Gott bisher gütig gewesen ist oder immer wieder gütig ist und auch wann und wie er barmherzig ist.
Gütig bedeutet für mich: Er bewahrt, bleibt treu, verändert das Leben, hilft auch Schreckliches zu verarbeiten und zu bewältigen.
Barmherzig bedeutet für mich: Gott wendet sich zu, schaut und hört hin, lässt einen nicht allein, öffnet Wege zu Versöhnung mit Schuld, Zerbrochenem, Verloren gegangenem.
Für den persönlichen Bereich findet jede und jeder Beispiele.
Als Christen ist für uns die Person Jesu Christi, nach Ostern mit Kreuz und Auferstehung zentral.
Eberhard Jüngel, ein evangelischer Theologe (*1934), hat die Bedeutung von Musik im Licht von Ostern als Zukunftsmusik so verdichtet:
"Wenn es so etwas wie Zukunftsmusik gibt,
dann war sie damals,
dann ist sie am Ostermorgen an der Zeit:
Zur Begrüßung des neuen Menschen,
über den der Tod nicht mehr herrscht.
Das müsste freilich eine Musik sein –
nicht nur für Flöten und Geigen, nicht nur für Trompeten, Orgel und Kontrabass,
sondern für die ganze Schöpfung geschrieben,
für jede seufzende Kreatur,
so dass alle Welt einstimmen
und Gross und Klein, und sei es unter Tränen,
wirklich jauchzen kann,
ja so, dass selbst die stummen Dinge
und die groben Klötze mitsummen und mitbrummen müssen:
Ein neuer Mensch ist da, geheimnisvoll und allen weit voraus,
aber doch eben da.

Aus der alttestamentlichen Erzählung von der Einweihungsfeier des Tempels tönt ein Lob mit vielen Stimmen und Instrumenten, das zur Einheit kommt und Gott teilhaben lässt. Freude kann man es nennen, besonderer Moment. Ein Teilhaben lassen späterer Generationen wird in Erzählform weitergegeben. Erzählen und Singen und Theologietreiben verbinden mit Gott und Menschen. Die Religionen haben die Sehnsucht nach solchen Erfahrungen und Momenten gemeinsam. Gott loben Menschen in beiden Religionen nebeneinander mit Musik. Dafür, dass er sich zuwendet, dafür, dass er aus dem Alltag erhebt und dafür, dass er treu ist. Sie tun es auch in bedrückenden Zeiten voll Ungewissheit. Dann helfen Musik und Lieder, sich zu vergewissern und Kraft zu schöpfen.
Ob Sie, liebe Gemeinde, im Anschluss an die Andacht ihre Lieblingsmusik einschalten und entspannen oder tanzen, oder ein Fenster öffnen und dem Gesang der Vögel zuhören, ob sie allein oder mit anderen zusammen etwas singen: Mögen sie es Gott schenken als ihre Version von: "Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig."
Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied  EG 294, 1.3-4 Nun saget Dank und lobt den Herren

Musikalisches Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
der Musik und Klang,
Schwingung und Rhythmus ist,
der sein Lied summt und singt in allem, was lebt
und den Takt gibt in Zeit und Ewigkeit.
Ich glaube an Jesus Christus,
in dem Gott sein Liebeslied
auf wunderbare Weise in dieser Welt anstimmt.
Ich glaube an Jesus,
der in uns allen Gutes zum Schwingen bringt;
durch den alle Töne zur Melodie werden;
der uns einlädt, mit einzustimmen
in sein Lied für Gott und die Menschen;
in das Liebeslied des Lebens;
in das Lied von Tod und Auferstehung.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
der verstummte Saiten in uns zum Klingen bringen kann;
der unser Gehör schärft;
der hilft, den richtigen Ton zu treffen;
dessen zarte Melodie uns einschwingen lässt,
in seinen Rhythmus.
Ich glaube, dass Gott sein Lied
in unserer Gemeinschaft der Glaubenden weiter singen wird.
Amen.

Fürbitte
Gott, wir sind verbunden und bringen jetzt zu dir, was uns bewegt.
Wir sind dankbar, für das, was wir in uns hören,
für jedes Lied, das uns rührt.
Wir danken dir für die Menschen, die für uns musizieren
und unser Leben reicher machen.
Wir bitten dich, dass es uns gelingt, deinetwegen und für dich zu singen und Musik zu machen.
Wir bitten dich für die, deren Ohren verschlossen sind,
die kein Klang mehr erreicht,
für die, die das Singen mit anderen in dieser Zeit schmerzlich vermissen.
Wir denken an jene,
die sich nach Musik und Tanz, Spiel und Gemeinschaft sehnen.
Wir rufen dich an für die, die auf falsche Töne lauern:
schenke ihnen ein weites Herz.
Wir denken an die, die Lieder und Instrumente brauchen
in Pflegeeinrichtungen, Kindergärten, Schulen und Kirchen,
auf Plätzen und in Innenhöfen:
lass die Musizierenden phantasievoll ziehen
zu den sehnsüchtig Summenden und Jubelnden.
Hilf uns, die Schönheit der Welt zu besingen
und die Klage der Verletzlichen heraus zu rufen.
Dafür brauchen wir deine Stimme und deinen Klang in uns.
Gib uns Raum und Zeit, sie wahrzunehmen und zu hören.
Amen.

Stille
Wir beten zu dir mit Worten, die uns im Herzen wohnen:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen (Hände öffnen und laut sprechen)
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.
Kerze löschen

nach einem Entwurf und mit Texten von: Andreas Hülsemann – Michaeliskloster Hildesheim