Gottesdienst 04.10.2020 Erntedankfest

Material: Gesangbuch, Kerze

Glocken läuten

• Kerze entzünden

• Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben. „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibest ihnen ihre Speise zur rechten Zeit, Psalm 145,15.“ Dank für Nahrung, Gesundheit, Leben und Frieden zeigen wir heute Gott und zugleich unsere Sehnsucht.
Wir feiern in Gottes Namen.

Wenn möglich im Wechsel Psalm 104 lesen
Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, du bist sehr groß;
    Du lässest Brunnen quellen in den Tälern,
    dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
dass alle Tiere des Feldes trinken
und die Wildesel ihren Durst löschen.
    Darüber sitzen die Vögel des Himmels
    und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
    Du lässest Gras wachsen für das Vieh
    und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
    und sein Antlitz glänze vom Öl
    und das Brot des Menschen Herz stärke.
Es wartet alles auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
    Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
    wenn du deine Hand auftust,
    so werden sie mit Gutem gesättigt.
Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie
und werden wieder Staub.
    Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
    und du machst neu das Antlitz der Erde.
Ich will dem HERRN singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.

• Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet. Amen

Bibeltext für diesen Tag
Lesung aus dem Markusevangelium 8,1-9
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.
Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen.
Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Lied: EG 320 Nun lasst uns Gott dem Herren

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde,
heute, am Erntedanktag möchte ich mich mit Ihnen unser grünes Altarparament hineinschauen und hineindenken. Manchmal werde ich nach den Paramenten, ihren Symbolen, ihrer Bedeutung gefragt, z.B. von den Konfirmanden. Wer es nicht so genau wissen will, bezeichnet sie als Teppich. Paramente sagen mit ihren vier verschiedenen Farben: Weiß, violett, rot und grün, die Kirchenjahreszeit an. Für unsere Plattdeutsche Runde im Archiv nachgeschaut, wer sie wann hergestellt hat: Der Künstler Max Herrmann aus Oldenburg entwarf sie nach Absprache mit dem Kirchenvorstand und den Pastoren der Christuskirche über die Motive, und sie wurden von Carola von Monschau gewebt. Fast ein Jahrzehnt dauerte es von den ersten Überlegungen bis zur Fertigstellung. 1967 waren als erste die grünen Paramente fertig.
Vielleicht weiß jemand von Ihnen noch etwas von den Gedanken der Menschen damals. Ich werde heute nur ein paar Impulse aus meiner Sicht zu dem grünen Altarparament geben und Ihnen ein wenig Zeit für eigene Gedanken lassen.

Grün in verschiedenen Schattierungen:
es gibt nicht nur ein grün. Es ist die Farbe vieler Pflanzen, Photosyntese, Chlorophyll. Die Vielfalt erinnert mich an frisches Grün im Frühling und weiche Buchenblätter, sattes Grün der Weiden in Ostfriesland und der Wallhecken, die sie begrenzen, eintauchen in den Heseler Wald, wenn es heiß ist, ein paar Pflanzen auf dem Balkon oder im Wohnzimmer. Frisches Gemüse: Gurken, Erbsen, Bohnen, Petersilie und Schnittlauch. Grün erfrischt und beruhigt. Der Beter von Psalm 23 sagt: "Der Herr, mein Hirte. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser." Er denkt an die Lebensgrundlage, an Versorgung. Und auch der Beter von Psalm 104 ist landwirtschaftlich orientiert: du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen.
Grün: wenn die Blätter nach einer Regennacht morgens triefen oder wenn sie schlapp herunterhängen und braun werden, weil es so lange trocken ist. Wie sehr z.B. Bäume langfristig Schaden nehmen, ist noch gar nicht heraus. Große Waldgebiete leiden. Und ich staune wie schnell sich manche Pflanze mit ein wenig Wasser erholt: dann macht grün richtig Spaß.

In der Mitte: ein Tisch mit einem Kreuz, darunter oder darauf kleine Kreise, vielleicht Teller.
Täglich und zu verschiedenen besonderen Zeiten sind wir an Tischen zusammengekommen. In diesem Jahr ist alles anders. Große Festmahle, z.B. anlässlich einer goldenen Hochzeit oder einer Trauung wurden verschoben. Es gab Hamsterkäufe zu Beginn der Coronazeit: Mehl oder Hefe waren selten in den Regalen. Und wie in jedem Jahr gab es Skandale um Lebensmittel, z.B. In der Fleisverarbeitenden Industrie.
Während des Lockdowns veränderte sich auch die Kommunikation am Tisch: Menschen in Quarantäne sind isoliert, Menschen in Altersheimen, Krankenhäusern wurden von Gemeinschaft ausgeschlossen und litten darunter genauso wie ihre Angehörigen. Dabei wird klar: Körper und Geist brauchen Nahrung und Gemeinschaft – auch wenn mich mein Nachbar aufregt.
Im Psalm 23 tröstet den Beter die Gewissheit: "du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde." Einsamkeit, Isolation, Unsicherheit, Sorge, Aggression heißen die Feinde, die uns nah kommen. Es ist schwer gegen sie anzukommen, auch mit aller Technik, die wir heute haben. Der Satz des Psalmbeters kann neue Zuversicht geben.
Im Evangelium teilt Jesus Brot und Fische an die aus, die ihm lange zuhören. Seine Jünger hatten kaum etwas. Mit Dankgebet und Segen reicht es für eine große Anzahl Menschen und damit zerstreut er den Kleinglauben seiner Jünger und stärkt viele für ihren weiteren Weg.
Schmerzlich vermissen Gemeindeglieder seit März die Feier des Abendmahls. Gemeinschaft mit Gott, Gemeinschaft mit Menschen, den Tisch, um den sich in der Kirche die Gemeinde versammelt. Inzwischen gibt es einige Vorschläge für Feiern mit äußerster Vorsicht. Wir sind in unserem Kirchenvorstand noch nicht soweit. Beklagen wir es Gott. Das Kreuz Jesu Christi steht auf dem Altar. Es möge uns den Weg weisen, mahnen, dass Gemeinschaft, Nähe, Sicherheit und Zufriedensein immer bedroht sind. Zugleich möge es heilen und Hoffnung machen: Gottes Liebe und Barmherzigkeit finden ihren Weg zu uns und er ernährt uns.

7 Ähren,
Brot ist bei eins unserer Grundlebensmittel, das auch in Redewendungen übernommen worden ist. Menschen sorgen sich zur Zeit um ihren Broterwerb in Folge der Coronapandemie und der Einschränkungen unseres Lebens. Die Nachrichten über Hungerkatastrophen, die z.B. durch Naturereignisse ausgelöst worden sind, erreichen unsere Bildschirme kaum noch. Bilder mit Flammen aus den Flüchtlingslagern sehr wohl. Hunger wird durch die Coronapandemie verstärkt, heißt es bei den Hilfswerken - Im Gegensatz dazu liegen Brote zum Dank auf unserem Altar.
Schauen wir die Ähren auf dem Parament an: wer mag, sieht Menschen ihre Köpfe heben und die Hände dankbar nach oben recken. Bewegung und Freude, Lebendigkeit drücken sie für mich aus. Die Träume des Pharaos und Josefs Deutung fallen mir ein, der die sieben fetten Jahre und die sieben kargen Jahre verheißt. Ähren sind Zeichen für Ernte und Erträge in der Landwirtschaft und im Kleingarten und drücken Dank dafür aus. Übertragen können wir es auch auf Erfolge und gemeisterte Herausforderungen im persönlichen Bereich, Situationen, an man gewachsen ist, Aufgaben, die Mühe und Energie gekostet haben und abgeschlossen sind. Da kann man sich einmal dehnen, strecken oder auch in die Luft springen und Danke sagen. In dem Vers des Psalms "Du tust deine milde Hand auf und gibest ihnen ihre Speise zu seiner Zeit" klingt für mich die Einsicht: Es gibt nicht nur Erntezeiten und Fülle, sondern auch Phasen, in denen Erträge bedroht sind, vielleicht von Wetterphänomenen, Kriegen, Wirtschaftskrisen. Menschen und andere Lebewesen sind abhängig. Im Selbstverständnis des Beters dürfen sie auf Gott vertrauen, der sie versorgt und der mächtig ist, zu geben und zu entziehen.
Erfahrungen aus der Landwirtschaft und von der Ernte überträgt Jesus auf die Glaubenden. In der Bergpredigt ruft er die unermüdlich tätigen, die Macher und die Besorgten dazu auf, auch etwas geschehen zu lassen: "seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?"
Und er erzählt ein Gleichnis vom Sämann, und deutet es. Gottes Wort fällt wie Samen auf verschiedene Böden, die, die auf guten Boden fallen, bringen 30fach, 60fach, 100fach Frucht.
Solche Verheißung und Hoffnung kann dieses Parament verbreiten.

Ein Kreis
Über Quadraten liegt ein Kreis: Als wäre es ein Kranz aus Blättern, nicht starr und statisch. Hält er etwas zusammen? Ist das unsere Erde oder Gott, der vollkommen ist?
In dem Kreis stehen all die Symbole und vier Felder mit verschiedenen Facetten von Grün, fast weiß bis braun. Hell und Dunkel, Tag und Nacht, Licht und Schatten, werden und vergehen, vielleicht die Jahreszeiten. Die Farben gehen über den Kreis hinaus. Es gibt Grenzen, und es gibt ein Darüber hinaus. Ich stelle daneben einen Vers aus Psalm 104 "Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde." Vertrauen wir Gott, dass er bei uns und in seiner Schöpfung präsent ist, uns hilft, sie zu bewahren. Immer wieder neu beginnen lässt.
Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied: EG 508 Wir pflügen und wir streuen 1-2.4

 Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unseren Dank für so vieles und unsere Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben. - Was tun sie gerade.
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die eingeschränkt Besuch haben dürfen.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille.
Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:
• Vater Unser

• Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

• Kerze löschen

Liturgie nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim, Predigt, Gestaltung S. Köhler