Gottesdienst 21.06.2020 2. Sonntag nach Trinitatis

Material: Gesangbuch, Kerze

Glocken läuten

• Kerze entzünden

• Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen.

 

 

 

 Psalm 36,6-10
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
HERR, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

• Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet. Amen

• Bibeltexte des Tages
Paulus schreibt im Brief an die Epheser 2,17-22
Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart,
und Frieden denen, die nahe waren.
Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,
erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,
auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Stille

Lesung aus dem Matthäusevangelium 11,25-30
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

• Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen) Kommt her, ihr seid geladen EG 213, 1-4

• Verkündigung (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
Über die Bilder staune ich immer, wie Menschen auf einem Eselsrücken, auf eigenen Schultern oder dem Kopf, auf dem Moped oder Fahrrad über die Maßen Ware stapeln und befördern. Asiatische Mopedfahrer hupen und umkurven geschickt alle Hindernisse, Wasserträgerinnen halten ihren Kopf aufrecht und laufen kilometerweit.
Wir sind froh, dass uns das Tragen schwerer Lasten häufig von Maschinen und Hilfsmitteln abgenommen wird. Obwohl; wer hat nicht schon beim Umzug Kisten vom 4. Stock in den ausgeliehenen Bulli getragen und bei der neuen Wohnung geschwitzt, als es mit den Kartonswieder in einen 4. Stock hinauf ging? Und wer müht sich nicht mit den Wasserkisten ab?
Doch Menschen tragen auch Lasten, die ihnen niemand auf den ersten Blick ansieht: Eine Krankheit von der sie selbst oder ihre Angehörigen betroffen sind, Mobbing, hohe Belastung in Familie und Beruf über Jahre hinweg, ständig Streit z.B. mit Nachbarn, Angst zu versagen, Hilflosigkeit gegenüber Ungerechtigkeit,... Diese und andere Erlebnisse und Ereignisse, bedrücken Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche. Auch Traurigkeit kann nieder drücken.
Mit einigen Redensarten versuchen wir zu trösten und weisen auf die Lasten hin: „Unter jedem Dach wohnt ein ach“ oder „jeder trägt sein Päckchen.“ Manchen Menschen hilft das. Sie fühlen sich gesehen, nicht so allein und aufgehoben, weil es andere gibt, die sich ebenfalls plagen. Einige Menschen klagen über die Last, andere wollen sie sich auf gar keinen Fall anmerken lassen, wieder andere bekommen immer noch eine neue dazu und wissen auch nicht, wie sie es aushalten und tragen sollen.
Der Künstler Walter Green aus Klein Rünz in Mecklenburg schafft Kunstwerke zum Berühren aus Bohlen, Pfeilern aus alten Häusern und Weidezaunpfählen. Aus ihnen macht er Skulpturen. Das Holz ist teilweise so, wie es in seiner ursprünglichen Funktionsform war: mit Lebensspuren, rauh, gesplittert und es ist teilweise bearbeitet. Eine Skulptur von ihm heißt „Mein Joch ist sanft, die Last ist leicht“. Ein Pfahl steht aufrecht, man sieht vorn eine Stelle, an der ein dicker Nagel durchgetrieben war, der obere Teil ist ganz glatt, ein Kopf herausgearbeitet. Man erkennt einen Menschen, der sich leicht nach vorn beugt, Arme und Hände erkennt man nicht. Wo der Nagel gesteckt hat, könnte das Herz sein. Quer über seiner Schulter liegt ein weiterer genauso mächtiger und langer Balken. Nichts an ihm ist glatt, drückende Schwere. Doch der Rücken des Menschen ist aufrecht, sein Kopf hängt nicht zu Boden, sondern wird demütig gehalten. Er trägt den schweren Balken und wird nicht erdrückt. Ist das möglich?
Jesus macht uns im Evangelium Mut und Hoffnung.
Noch ein anderes Bild: Die Kunsthalle in Bremen hat ihre Sammlung neu geordnet. In den Räumen mit kirchlicher Kunst gibt es Gesichter des leidenden Christus, Schmerzensmann genannt. Sie haben Menschen geholfen, in seinen Zügen ihr eigenes Leid zu erkennen, es zu teilen, etwas von der Schwere abzugeben. Das Motiv aus dem Buch des Propheten Jesaja vom leidenden Gottesknecht wurde aufgenommen und auf Jesus Christus übertragen.
Alle, die abgewiesen wurden, alle, die klagen, alle, die nichts mehr sagen und doch noch irgendwie vorwärts kommen, lädt Jesus ein, zu kommen. Er verheißt ihnen nicht, dass sie alle Last los werden. Sie können kommen und ausruhen, sie können sich an Leib und Seele erquicken, auftanken. Erschöpfte finden neu Kraft, Verfolgte Schutz, Einsame Gemeinschaft, Kämpfende Frieden. Das ist seelsorgerlich und diakonisch. Im Psalm 36, den wir gebetet haben, heißt es: „Wie köstlich ist deine Güte Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben.“ Ein Bild von Geborgenheit und Fürsorge.
Überraschend bietet Christus denen, die kommen über die Atempause hinaus einen Tausch an. Ihre Last dürfen sie ablegen, stehen lassen und seine nehmen und von ihm lernen. Denn er weiß damit umzugehen und er hat sie selbst getragen. Er verheißt, dass sie durch seine Sanftmut und Demut für ihre Seelen Ruhe finden: Niemand weist einen Angestrengten und Beladenen ab, niemand urteilt, was wir nur zu häufig befürchten. Und man kann sich vor ihm nichts mehr einreden. Die Seele entspannt und auch der Mensch wird auf- und neu ausgerichtet, um seinen Weg weiter zu gehen. Und vielleicht geschieht noch etwas: jemand kann einen Blick über sich und seine Mühe hinaus auf Gott und sein Geheimnis tun. Als Geschenk Gottes. Zuerst lobt Jesus in diesem Ausschnitt aus dem Matthäusevangelium Gott dafür, dass er den „Unmündigen“ Erkenntnis über sich und Gott offenbart.
Jesus Christus hat das erlebt, was wir auch erleben,
mit den Menschen, die ihm begegnet sind, an deren Leib und Seele und an seinem eigenen. Einigen von ihnen zeigte er Wege zum Leben und zur Überwindung von Schwierigkeiten. Manche, die er heilte, fragte er, was sie wollten, was er ihnen tun solle. Dabei begegnete er Glauben und Unglauben, überschritt Grenzen. Er hörte die Vorwürfe seiner Gegner, er ertrug ihre Anklagen und litt Gewalt. Jesu Weg führte ans Kreuz. Und er hat dort seine Last und die Last aller Menschen ertragen und getragen bis in den Tod. Das ist aus der Sicht der Jünger und auch aus unserer Sicht zu viel, und dennoch eröffnet Gott gerade hier, wo es eigentlich zu Ende ist, neue Wege.
Denn in allem Leid bleibt Jesus Christus demütig gegenüber Gott, sanftmütig und gewaltlos, obwohl er provoziert wird. Am Kreuz zeigt sich die Macht des Todes und wird überwunden. Versöhnung und Gottes Gerechtigkeit herrschen, anstatt der Gesetze der Menschen.
Von Jesus Christus lernen, bedeutet umkehren und neu anfangen. Lasten tragen mit Hoffnung möchte ich es nennen. Seine Last zu tragen, heißt, sich an Gott halten und auf seine Macht und Kraft vertrauen, an seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit appellieren. Und man denkt von der Überwindung und Auferstehung her. Es bedeutet nicht, vor den Belastungen zu fliehen oder sie auszublenden, zu versuchen, sie zu beherrschen, sondern vertrauen lernen und die Solidarität und die Nähe Gottes anzunehmen. Zu wissen, wohin der Weg führt, kann beruhigen und Zuversicht geben. Hoffnung auf Zu - „Wendung“ zu haben, Umkehr zu vollziehen, sind die Lernschritte mit Jesus. Bestimmte Rituale, Gebet, Erzählungen aus dem Alten und dem Neuen Testament, Gespräche können Frauen und Männern auf diesem Weg helfen und auch Bilder oder Skulpturen, wie der Christus in unserer Kirche oder die oben beschriebenen.
Wenn sie an ihre eigenen Belastungen und Mühe denken, können Sie sie sich bildlich vorstellen, z.B. lauter Päckchen und Pakete auf einen Motorroller gestapelt oder ans Fahrrad gebunden. Und sie kommen damit geschickt an einigen Hindernissen vorbei. Oder sie nehmen einen Stein in die Hand, der durch die in ihn gedachten Lasten immer schwerer wird, bis er sie auf den Boden zieht und hingelegt wird und sie richten sich wieder auf. Schauen sich um, atmen durch und spüren, wie es ist, für einen Moment von der Last befreit zu sein.
Menschen, von denen ich weiß, was sie aushalten und tragen, wo sie sich durcharbeiten, bewundere ich. Einige von ihnen haben ein Bewusstsein dafür, was für ein Geschenk das Lebens ist. Sicherlich hat jede und jeder eigene Kraftquellen, andere Methoden, z.B. Musik hören, an bestimmte Orte gehen, eine fachliche Hilfe oder eine Selbsthilfegruppe aufsuchen,... Und für uns hier und Menschen, die wir kennen, spielt auch der Glaube an Gott und Jesus Christus eine wichtige Rolle.
Lassen wir uns heute und alle Tage von ihm einladen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied aus den Freitönen 36,1-3 von weitem
1. Heute mal wieder schwere See, Wind nur von vorn und manche Böe, trübe und kalt, so ein grauer Tag; trifft mich schon jeder Wellenschlag?
//Komm, lichte den Anker! Es leuchtet ein Turm, getrost setze Segel, Gott hält dich im Sturm.//

2. Da kommt die nächste Wolkenwand, Traum bleibt das Spiel im Dünensand, käme doch endlich mal Land in Sicht! Macht nur die Gischt mein Salzgesicht?
//Dann raus in die Weite! Es trägt dich ein Boot, getrost setze Segel, Gott hält dich in Not.//

3. Seh nur der Sonne Untergang, laufe mich fest in Watt und Tang. Hebt sich der Blick nun auch himmelwärts, was treibt die Sehnsucht in mein Herz?
//Du ahnst ja den Hafen! Es winkt dir ein Land, getrost setze Segel, Gott hält deine Hand.//
Text: Jan Janssen 2008 Musik Andreas Lettau 2008

• Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben. - Was tun sie gerade.
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die kaum Besuch haben dürfen.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille.
Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

• Vater Unser

• Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

• Kerze löschen

Liturgie nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim
Predigt, Gestaltung S. Köhler