01.04.2021 Gründonnerstag

Gründonnerstag Gottesdienst zu Hause Christuskirche Leer 1.4.2021
Material: Kerze, Gesangbuch

Glocken läuten abends·
Kerze entzünden

Einstimmung
Jetzt sind wir da.
Wir sind müde. Wir sind wach.
Uns fällt das Leben grade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
Sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Vorlesen:
Gründonnerstag.
Gast sein einmal.
Nicht immer selbst seine Wünsche bewirten mit kärglicher Kost.
Nicht immer feindlich nach allem fassen, einmal sich alles geschehen lassen und wissen:
was geschieht, ist gut.
(Rainer Maria Rilke)
Gebet ein*r betet
Gott, ich/wir bin hier – du bist hier. Mehr braucht es nicht.
In Glauben und Gebet bin ich / sind wir mit dir verbunden.
In Glauben, Gedanken und Gebet bin ich mit so vielen verbunden, die ich kenne.
Mancher fehlt mir gerade jetzt besonders.
Sei du bei uns allen. Lass uns deine Nähe spüren.
Amen.

Psalm 111 EG 744
Halleluja! Ich danke dem HERRN
von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.
    Groß sind die Werke des HERRN;
    wer sie erforscht, der hat Freude daran.
Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
    Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
    der gnädige und barmherzige HERR.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.
    Er lässt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk,
    dass er ihnen gebe das Erbe der Völker.
Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht;
alle seine Ordnungen sind beständig.
    Sie stehen fest für immer und ewig;
    sie sind geschaffen wahrhaftig und recht.
Er sandte Erlösung seinem Volk
und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.
Heilig und hehr ist sein Name.
    Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. /
    Wahrhaft klug sind alle, die danach tun.
    Sein Lob bleibet ewiglich. Amen

Lied: „Mein schönste Zier und Kleinod“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 473, 1-4)

Lesung I aus Matthäus 26, 17-19  (Basisbibel-Übersetzung) eine*r liest vor
Es war der erste Tag vom Fest der ungesäuerten Brote.
Da kamen die Jünger zu Jesus und fragten: "Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?" Jesus antwortete: "Geht in die Stadt zu einem Mann, den ich euch nenne. Richtet ihm aus: Der Lehrer lässt dir sagen: Die Zeit, die Gott für mich bestimmt hat, ist da. Ich will bei dir das Passamahl feiern –zusammen mit meinen Jüngern."
Die Jünger machten alles so, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Und sie bereiteten das Passamahl vor.

Etwas tun I
Wer mag, kann seinen Tisch zum Abendbrot decken, ein Stück Brot, ein Glas Wein oder Saft zur Erinnerung, dann weiter lesen

Lesung II aus Matthäus 26, 20-25
Als es Abend geworden war, ließ sich Jesus mit den zwölf Jüngern zum Essen nieder. Während sie aßen, sagte er zu ihnen: "Amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten."
Die Jünger waren tief betroffen. Jeder Einzelne von ihnen fragte Jesus: "Doch nicht etwa ich, Herr?" Jesus antwortete: "Der sein Brot mit mir in die Schale taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn muss sterben. So ist es in der Heiligen Schrift angekündigt. Aber wehe dem Menschen, der den Menschensohn verrät. Er wäre besser nie geboren worden!"
Da sagte Judas, der ihn verraten wollte, zu Jesus: "Doch nicht etwa ich, Rabbi?" Jesus antwortete: "Du sagst es!"

Liebe Gemeinde,
nach den Vorbereitungen am Tisch sitzen, essen erzählen. Alle sind zusammen. Ausgetauscht wird Belangloses und Alltägliches, Ankündigungen: wir müssten mal,    ich möchte gerne,... Erinnerungen: letztes Jahr war das und das besonders... Erlebnisse des Tages, Diskussionen über die Stimmung unter den Menschen, und Dinge können geklärt werden, Sticheleien unter Geschwistern nicht zu vergessen. Nach Jesu Ankündigung ist die Stimmung eingefroren: die Jünger sind erschrocken, betroffen. Einer seiner engsten Freunde, einer der Jünger wird ihn verraten und Schuld auf sich nehmen, und er wird bald sterben. Jeder fragt. Der Atem stockt ihnen, ein Schock für alle. Und für den einen: Judas. "Du sagst es", sagt Jesus, als auch er ihn fragt.
Eine Feststellung, ohne zu erwartende Reaktion oder Konsequenz Judas oder eines der anderen Jünger. Alle schweigen. Die Schüssel steht auf dem Tisch.
Viele alltägliche Selbstvorwürfe und Schuldzuschreibungen kenne ich von mir, auch von anderen Menschen: hätte ich doch...., was habe ich falsch gemacht?
Im Ohr habe ich auch Schuldzuweisungen: "Inkompetenz", Rufe nach Rücktritt. Noch klingt die Entschuldigung der Bundeskanzlerin von letzter Woche nach: Ich habe einen Fehler gemacht, (trage die Verantwortung) und bitte um Verzeihung.
In den Raum, den sich Jesus und seine Jünger teilen, der plötzlich ganz schön eng ist, sind Gerechtigkeit und Schuld eingetreten. Jesus kündigt an, was nicht zu ändern sein wird, auch dass Schuld sichtbar und der Verrat unerträgliche Folgen haben wird.
Durch seinen weiteren Umgang mit der Tradition und Veränderungen im Ritual des Passafestes an diesem Abend macht er Hoffnung. Gerechtigkeit und Rettung aus der Schuld wird es geben: um den hohen Preis des Lebens Jesu Christi und anders als man es vermutet. Den einzigen Ausweg aus der Schuld wird allein Gott öffnen.
Juden und mit ihnen Jesus und seine Jünger feiern das Passahfest aus Dank für Bewahrung, Erinnerung an die Rettung aus der Sklaverei in Ägypten und für die Treue Gottes zu seinem Volk Israel durch die Zeiten. Unter anderem wird ein Lamm geschlachtet. Die Geschichte vom Auszug wird vorgelesen und weitere Speisen sind mit Bedeutung und Gebet verbunden: Vor dem Auszug bucken die Menschen ungesäuertes Brot und strichen Blut an ihre Türen, damit sie Gottes letzte Plage und Strafe an den Ägyptern verschone.
Jetzt ist es an dem Tisch in dem Raum in Jerusalem für Eingeständnis von Schuld, Veränderung des Handelns, Vergeben, vielleicht auch Versöhnen zu früh. Vielleicht sind die Männer unruhig an ihren Plätzen hin und her gerutscht, haben gewartet, was als nächstes passiert. Verraten wollten sie ihn doch nicht, fühlten sich eher bedrängt von all seinen Gegnern. Doch passierten auch ihnen später noch Dinge wie Einschlafen im Garten Gethsemane, Verleugnen im Hof des Hohepriesters und ihren Herrn aus Angst am Kreuz allein lassen.
In betretener Stille hat vielleicht jeder auf den Tisch vor sich, auf die Schüssel geschaut und ist den Blicken der anderen ausgewichen. Trotz vorheriger Ankündigungen Jesu von seinem Leid und Sterben waren sie vermutlich überrumpelt, haben die Tragweite noch nicht überschaut. Hilflos schauten sie zu, dass es keinen anderen Weg gab.
Noch sind sie mit dem Essen noch nicht fertig, hören die alten Texte des Passahfestes und dann:

Lesung III aus Matthäus 26, 26-29
Beim Essen nahm Jesus ein Brot.
Er lobte Gott und dankte ihm dafür. Dann brach er das Brot in Stücke und gab es seinen Jüngern. Er sagte: "Nehmt und esst! Das ist mein Leib."
Dann nahm er den Becher.
Er dankte Gott, gab ihn seinen Jüngern und sagte: "Trinkt alle daraus! Das ist mein Blut. Es steht für den Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Mein Blut wird für die vielen vergossen werden zur Vergebung ihrer Sünden. Das sage ich euch: Ich werde von jetzt ab keinen Wein mehr trinken – bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinken werde. Das wird geschehen, wenn mein Vater sein Reich vollendet hat."

Impuls
Jesu und Gottes Weg: "Mein Leib", sagt er und gibt sich für sie, und sie haben leiblich an ihm Teil. Anstatt Abwehr oder Trennung schafft er größte Nähe. Er wird ihre Nahrung für die kommende Zeit.
Ebenso gibt er eine Antwort auf die Schuld, die in den kommenden Stunden einige Menschen auf sich laden. Es ist Schuld vieler, immer wieder. Alles, was im Zusammenleben der Menschen miteinander und in der Beziehung zu Gott falsch oder schädlich ist, wird am Kreuz öffentlich. Das Blut seines unschuldigen Sohns wird vergossen. Jesus sagt: "mein Blut". Und vielen wird gelöst, was sie an ihre Schuld bindet. Wege zur Reue und Umkehr werden geöffnet. Allein durch Gott und aus Liebe wird Schuld vergeben und versöhnt. So weit sehen die Jünger noch nicht. Erst die, die nach Jesu Auferstehung Abendmahl feiern und die Gemeindeglieder erfahren dadurch Trost, Gnade, Erbarmen, Vergebung, Befreiung, neue Kraft.
Schon in Jesu Ankündigung ist der Tod nicht das Ende. Er spricht zu seinen Jüngern und allen, die es hören, von der zukünftigen Gemeinschaft mit ihm im Reich Gottes. Er macht Hoffnung auf Zukunft, damit sie sich vor allem, was vor ihren Augen zu Ende geht, nicht mehr fürchten.
So vorbereitet, gingen sie, als sie den Lobgesang gesungen hatten, hinaus an den Ölberg. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. amen

Lied: EG 223 Das Wort geht von dem Vater aus 1-6 oder EG 91 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken 1-4.7.9

Dankgebet und Fürbitte ein*r betet
Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr, und es neige sich zu uns herab dein Erbarmen.
Dein ist der Tag und dein ist die Nacht.
Hab Dank, Gott, für deine Nähe.
Hab Dank für Leben und Heil.
Hab Dank für deine Kraft in Worten, in Brot und Wein, in deinem Handeln und Leiden.
Hab Dank für das, was wir schmerzlich vermissen und das, was du uns gibst.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte,
mit deinem heiligen Wort und Sakrament,
mit deinem Trost und Segen.
Bleibe bei uns,
wenn Trübsal und Angst über uns kommen,
die Nacht des Zweifels und der Anfechtung.
Bleibe bei / Bleibe bei uns, wenn....
(für die Menschen oder Situationen, die Gottes Nähe gerade besonders brauchen)
Bleibe bei uns und allen deinen Kindern.
Jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Vater unser (alle, die da sind, gemeinsam)
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Hände öffnen, Handflächen nach oben, sagen:
Gott, segne uns/mich.
Gott, behüte uns/mich.
Lasse dein Angesicht leuchten über uns/mir.
Sei uns/mir gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns/mich.
Und gib uns/mir Frieden.
Amen.

Jetzt ist Zeit für das vorbereitete Abendessen. Gesegnete Mahlzeit

Entwurf und Texte: Marianne Gorka und Birgit Mattausch, Referentinnen für Gottesdienst im Michaeliskloster Hildesheim, Konzeption und Bereitstellung: Bettina Gilbert
bearbeitet und Ansprache von S. Köhler