Gottesdienst 19.04.2020 Quasimodogeniti

1. Sonntag nach Oster Quasimodogeniti. Christuskirche Leer, 19.04.2020

Altarraum_Passionszeit2

 „Wie die neugeborenen Kinder“.
Material: Kerze, Gesangbuch

Glockengeläut •
Kerze entzünden •
Einstimmung

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Übersetzt heißt der Name dieses Sonntags Quasimodogeniti "Wie die neugeborenen Kinder."
In der Bibel werden häufig Symbole benutzt. So steht bei 2. Petr. 2,2 frei formuliert:
So wie Babys nach Milch suchen,
so sollen wir nach Gottes Wort suchen.
Gottes Worte sind Nahrung für uns, dass wir wachsen.
Gottes Wort tut gut.
Es kann unruhige und aufgewühlte Seelen beruhigen.
In diesem Bedürfnis nach Frieden und Seelenruhe sind wir versammelt.
An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben einander nah.
In Gottes Namen verbunden.
Amen

Psalm 116 EG 746
Das ist mir lieb,
dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen,
des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des HERRN:
Ach, HERR, errette mich!
Der HERR ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
Der HERR behütet die Unmündigen;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der HERR tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem HERRN
im Lande der Lebendigen.
Ich will den Kelch des Heils erheben
und des HERRN Namen anrufen. Amen

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich danke dir, denn jeder Gottesdienst, den wir feiern, jede Begegnung, zu der du uns führst, ist ein Stück des Himmels.
Und ich bitte dich, Gott, bleib uns nahe.
Lass uns Ruhe finden in deinem Wort, tröste durch Zeichen deiner Gegenwart und stärke uns für den nächsten Schritt.
Segne und behüte uns alle, die wir dich suchen – voller Vertrauen,
du willst dich von uns finden lassen.
Dafür loben wir dich mit diesem Morgen, mit allen, die von dir sind und zu dir sind.
Wir sind hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Im Namen Jesu – Amen

Evangelium des Tages: Johannes 20, 19-29
Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Lied: EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein 1-4

Verkündigung
Liebe Gemeinde,
Zweifeln, nicht glauben können, mal weniger, mal mehr; dieses Gefühl kennen viele; unruhig ist so ein Mensch, getrieben. Die Gedanken wandern: "ist das wirklich wahr? Erzählen sie sich Geschichten und machen sich selbst und mir etwas vor? Wenn ich Beweise habe, dann ist es wirklich wahr." So macht es Jesu Jünger Thomas. Was er wohl alles durchgespielt und gedacht hat...
Daran, dass sie es schaffen würden, glaubwürdig und wirksam von Jesus Christus und Gottes Liebe weiter zu erzählen, haben sicherlich einige nach Jesu Tod und Auferstehung gezweifelt. Spott war ihnen sicher und wahrscheinlich Verfolgung. Zweifel und Angst lassen einen unsicher werden und sich zurückziehen. Doch nicht alle Jünger Jesu waren von Zweifeln übermannt.
Zweifel werden während der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung einer Pandemie durch das Coronavirus immer wieder geäußert: ob man Menschen so in ihren Rechten einschränken darf, ob man nicht der Gesellschaft schadet, ob Lockerungen der Einschränkungen jetzt noch zu früh sind. Bei etwas, das es vorher noch nicht gegeben hat, ist es nicht leicht, einen sicheren Weg zu finden. Wen die Gedanken, die Erfahrungen am eigenen Leib und Leben Tag und Nacht beschäftigen, wird sich nach Normalität sehnen, nach Ruhe. Erschöpft sind die, die ihre Schutzkleidung wieder ausziehen und die, die nicht verstehen, warum ihre Verwandten sie nicht besuchen dürfen.

An die Zweifelnden und die, die viel Kraft abgeben und benötigen ist der heutige Predigttext aus dem Buch des Propheten Jesaja gerichtet, 40, 26-31
Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst:
»Mein Weg ist dem HERRN verborgen,
und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der HERR, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt,
sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft
und Stärke genug dem Unvermögenden.
Jünglinge werden müde und matt,
und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft,
dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden,
dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wer zweifelt, ist mißtrauisch. Doch nicht der Zweifel soll die Menschen bestimmen, sondern ein weiter Blick. Sie werden aufgefordert, hinauf zu schauen, in den Himmel und irgendwie auch aus dem Himmel heraus. Es ist ein Ausblick auf Gottes Werke. Zu sehen ist seine Schöpfung, aber auch, wie er Menschen für sich mobilisieren kann. Es sind diejenigen, mit denen viele nicht rechnen.
Er ist unvorstellbar mächtig und kräftig: angesichts seiner Gabe von Mut, Vertrauen werden die Zweifel verdrängt. "Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft", heißt es zuversichtlich.

Das Gegenteil von Zweifel ist Gewissheit. Zwischen beiden liegt in der Verkündigung Hoffnung, die wächst, Bestätigung findet. In unserem Predigttext wecken Zuspruch und Verheißung für Gegenwart und Zukunft Hoffnung. Eine Woche nach Ostern gilt die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi, von neuem Leben und Neuanfang für die Menschen weiterhin. Auch wenn alles anders ist, handelt Gott und wirkt auf verborgene, heilbringende Weise und er bleibt treu.

Betrachten wir unsere Schwächen, z.B. Ungeduld, das Gefühl, Einschränkungen ausgeliefert zu sein, Empfinden von Langeweile, Einsamkeit oder die Sorgen nicht nur als Behinderung. Es ist zur Zeit unsere Realität, und wir spüren, was uns fehlt. Lassen wir uns nicht nur davon bestimmen und richten mit diesen Mut machenden Worten und der Zusage von Gottes Treue und Kraft unseren Blick auf: betrachten die Schöpfung mit ihrem Reichtum, ihren Gefahren und ihrer Verletzbarkeit, pflegen unsere Kontakte auf Abstand, sind solidarisch mit anderen. Lassen wir Hoffnung zu, dass wir es miteinander schaffen, auch mit diesem Virus in der Welt zu leben.

Hoffen bedeutet vertrauen und auf Zukunft hin zu leben. Zweifel sind dadurch nicht weg, aber mit einem Gott, der müden, matten, kraftlosen Menschen neue Kraft gibt und der die Macht des Todes überwindet, verlieren auch sie ihre Macht.
Amen

(Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Fürbitten und Vater Unser
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Gott.
An diesem Morgen bitten wir Dich:
Bleibe du uns nah,
auch wenn wir uns weiterhin voneinander fernhalten müssen.
Bleib uns nah,
dass wir dich nicht nur im Glück und Erfolg erkennen, sondern auch
in all unseren Erfahrungen von Leere und Scheitern, von Abschied und Tod.
Gib uns allen neue Kraft.
Stille
Für die Traurigen beten wir und bitten dich um Zeichen der Fürsorge, die auch auf Abstand Nähe schenkt und Trost.
Für die Fröhlichen beten wir und danken für alle Osterstimmung in diesen Tagen, für alle Heiterkeit, für den Humor, für fröhliches Lachen.
Stille.
Wir beten für alle, die Leben schützen und retten.
Für die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik.
Für den Frieden und das Recht.
Stille.
Wir beten für alle Neugeborenen und Kinder, für ihre Zukunft.
Für die schaukelnden Boote auf offenen Meeren und alle gebeugten Menschen darin. Führe sie an rettende Ufer.
Für uns alle, die wir mal recht mal schlecht durchs Leben gehen und fallen und aufstehen und weitermachen mit neuer Hoffnung.
Für die Welt, - dass wir die Schwächeren nicht aus den Augen verlieren in allem, was wir tun.
Stille.
Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen
Kerze löschen
nach einem Entwurf von Pastorin Marianne Gorka