28.02.2021 Palmsonntag

Ev.-luth. Christuskirchengemeinde Leer, Palmsonntag 28.03.2021, Gottesdienst zu Hause

Material: Kerze, Gesangbuch

Glocken läuten · Kerze entzünden
Gruß (eine*r in der Hausgemeinschaft spricht:)
Wir sind beieinander und an verschiedenen Orten.
Und wir alle sind Menschen, die Gott brauchen.
Wir feiern in seinem Namen:
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen

Einstimmung
Wie sahen meine Wege aus in letzter Zeit?
Waren sie eher holprig oder lief vieles glatt?
War Gott an meiner Seite und brachte mich auf die richtige Spur?
Wenn ich spüre, dass Gott mit mir geht, dann lebe ich auf.
An seiner Seite kann ich aufrecht gehen.
Auf seinen Wegen kann ich gesegnet gehen.
Wenn er mir das Herz öffnet, wird es hell in meiner Seele.

Psalm 69 EG 731 oder
Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
    ich bin in tiefe Wasser geraten,
    und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
    Meine Augen sind trübe geworden,
    weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
Denn um deinetwillen trage ich Schmach,
mein Angesicht ist voller Schande.
    Ich bin fremd geworden meinen Brüdern
    und unbekannt den Kindern meiner Mutter;
denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,
und die Schmähungen derer, die dich schmähen,
sind auf mich gefallen.
    Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
    Gott, nach deiner großen Güte
    erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand,
und auf Tröster, aber ich finde keine.
    Sie geben mir Galle zu essen
    und Essig zu trinken für meinen Durst.
Ich aber bin elend und voller Schmerzen.
Gott, deine Hilfe schütze mich!

Lied - Befiehl du deine Wege (Evangelisches Gesangbuch 361, Strophen 1, 4+11)

Gebet eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam
Gott, unser Schöpfer, wir danken dir, dass du für uns da bist.
Danke, dass du in Jesus Christus zu uns in diese Welt gekommen bist.
Danke, dass du im Heiligen Geist mitten unter uns bist – hier und jetzt.
Das möchten wir erfahren. Öffne uns für das, was du zu geben hast.
Richte unsere Gedanken auf das aus, was dir wichtig ist.
Sprich in unser Leben hinein und lass uns auf dich hören.
Zieh in unsere Herzen ein mit deiner Liebe und Barmherzigkeit.
Dich loben wir bis in Ewigkeit.
Amen

Hinführung zum Bibeltext für Palmsonntag eine*r in der Hausgemeinschaft liest
Wer ist dieser Jesus, dem die Menschen begeistert Palmzweige und Umhänge auf den Weg legen? Menschen, die nah oder weiter weg stehen und unbedingt einen Blick erhaschen wollen auf den Menschen, auf dem so viele Hoffnungen ruhen. Und wer sind die Menschen, die ihm bei seinem Einzug nach Jerusalem folgen - enthusiastisch, zweifelnd oder argwöhnisch? Viele, die ihn jetzt bejubeln, werden fünf Tage später schreien: Kreuziget ihn!

Bibeltexte des Tages
aus dem Matthäusevangelium 21, 1-11 Übersetzung: „Die Gute Nachricht,“eine*r liest

Kurz vor Jerusalem kamen sie zu der Ortschaft Betfage am Ölberg. Dort schickte Jesus zwei Jünger fort mit dem Auftrag: »Geht in das Dorf da drüben! Gleich am Ortseingang findet ihr eine Eselin und ihr Junges angebunden. Bindet beide los und bringt sie zu mir! Und wenn jemand etwas sagt, dann antwortet: ›Der Herr braucht sie.‹ Dann wird man sie euch sofort geben.« Damit sollte in Erfüllung gehen, was der Prophet angekündigt hatte: »Sagt der Zionsstadt: Dein König kommt jetzt zu dir! Er verzichtet auf Gewalt. Er reitet auf einem Esel und auf einem Eselsfohlen, dem Jungen eines Lasttiers.« Die beiden Jünger gingen hin und taten, was Jesus ihnen befohlen hatte. Sie brachten die Eselin und ihr Junges und legten ihre Kleider darüber, und Jesus setzte sich darauf. Viele Menschen aus der Menge breiteten ihre Kleider als Teppich auf die Straße, andere rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. Die Menschenmenge, die Jesus vorauslief und ihm folgte, rief immer wieder: »Gepriesen sei der Sohn Davids! Heil dem, der im Auftrag des Herrn kommt! Gepriesen sei Gott in der Höhe!« Als Jesus in Jerusalem einzog, geriet alles in große Aufregung. »Wer ist dieser Mann?«, fragten die Leute in der Stadt. Die Menge, die Jesus begleitete, rief: »Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa!«

Der Predigttext steht im Brief an die Hebräer 11,1-2; 12,1-3
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Verkündigung
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus, Amen

Liebe Gemeinde,
Mich hat die Definition des Glaubens im Brief an die Hebräer getröstet.
Zuerst feste Zuversicht auf das, was man hofft.
Mal ist es ein Wunsch, so einen Glauben zu haben, mal ist das der Antrieb, sich von vielen unterschiedlichen Vorhersagen nicht irre machen oder von Sorgen erdrücken zu lassen. Gott sorgt für uns, Gott wird den Weg mit uns gehen und wir finden in unseren Wegen seine Zeichen.
Dann kommen verschlungene Formulierungen, mit Verneinungen:
Glaube ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht: Er ist der Gegensatz von Zweifeln muss aber mit ihnen leben. Der Gegenstand des Glaubens ist nicht zu berechnen, z.B. anhand von Statistiken oder zu fassen in Bildern. Glaube ist zu fühlen, aber anders als ein Gefühl wie Traurigkeit oder Freude. In den schwierigen Situationen des Lebens kann er Halt geben, Widerstandskraft, Energie. Er bezieht sich auf etwas Unsichtbares, das über mich, meine Fertigkeiten, meine Kraft, auch über meinen Willen hinausgeht: Gott in seiner Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, mit seinem Schutz, seiner Treue und Liebe. Einige Menschen berichten, wie sie sich auf Gott verlassen haben, als sie fast alles loslassen mussten. Andere, dass sie gestützt wurden, als sie sich ganz allein fühlten.
Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Diese Definition schenkt Zuversicht und stellt sich gegen Zweifel, die sie nicht ausschließt. Sicherlich fallen ihnen, liebe Gemeinde, Beispiele ein: eigene Erfahrungen wie sie einmal bewahrt worden sind, von Veränderung im Leben, Aufbruch, wie sie Mut zuVergebung bekommen haben oder auch dafür, ihre Stimme für Gerechtigkeit oder Frieden zu erheben, wie stark Liebe ist, ... Wer es sich erzählt, findet wahrscheinlich Gemeinsamkeiten, kommt sich nahe oder staunt über ganz andere Erfahrungen mit dem Glauben. Eine Bereicherung.
Die Rede vom festen Glauben und der Sicherheit, die er ausstrahlt kann aber auch verführen. Unterschiede in der Frömmigkeit und damit verfestigte Vorstellungen von Glaubenssätzen, die anderen übergestülpt werden, können Christen auch voneinander trennen.
Der Verfasser des Briefs an die Hebräer versucht, mit zwei Sätzen zu sagen, was Glaube ist. Zur Unterstützung beruft er sich auf Vorbilder für dieses starke Vertrauen in Gott: Abraham, Sarah, viele andere, die Alten. Gemeindeglieder, an die er schreibt, werden sich in ihrer bedrängenden und unsicheren Situation wiederfinden oder sich an einige Erzählungen aus dem alten Testament erinnern. Für einige von uns reichen die Namen allein vielleicht nicht. Gott gab Männern und Frauen Verheißungen und seinen Segen, an denen sie festhielten. Abraham wurde ein neues Land und viele Nachkommen verheißen, obwohl er und seine Frau Sarah betagt waren. Er brach mit seiner Großfamilie ins Ungewisse auf, und sie wurden überrascht, dass es eintraf. In ihrer Gegenwart gab es keine Anzeichen für die Entwicklung in der Zukunft. Allein Gott vertrauen gegen äußeren Anschein, Rückschläge, als man selbst nachhelfen wollte, auch mit ihm ringen sind nachher Abrahams Glaubenserfahrung und die eines Volkes. Ein gewachsenes festes Vertrauen. Veränderung zulassen und mitgehen, Überwindung von Zweifeln und Ängsten, Aufbruch, Umkehr oder auch Geduld und Treue sind damit verbunden.
Der Verfasser des Briefs will mit dem Blick zurück auf die vielen alttestamentlichen Beispiele seine Leser und Zuhörer stärken und vor allem mit dem auf Jesus Christus. Denn alle eigene Last, Schwierigkeiten, Schuld, Beschwerden sind im Glauben an ihn aufgehoben. Sie dürfen abgelegt werden, auch die Sünde, in die man immer wieder verstrickt wird. Zu ihm kann immer wieder um Geduld, um Klarheit in kraftzehrenden Situationen gebetet werden. Jesus Christus ist für ihn ein sichtbares Vorbild des Glaubens, den Menschen gerade im Leiden nahe. Er ist "Anfänger des Glaubens und Vollender", erduldete das Kreuz, achtete die Schande gering, hat sich zur Rechten des Throns Gottes gesetzt. Hat Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet. Weil er in all dem auf Gott vertraut hat, können die Leserinnen und Leser und Hörerinnen und Hörer des Briefes mit ihren Sorgen und Nöten durchhalten. In seiner Person liegt der Beginn ihres, unseres Glaubens. Und Leid oder Bedrängnis, die niemand gerne durchmacht, von denen man auch wenig spricht, sind erträglicher oder nicht ganz bodenlos, wenn das Vertrauen auf Christus gesetzt wird – gegen allen Augenschein. Das Leid Jesu tröstet und stärkt Menschen und die Perspektive, dass sie sich ihm, der es überwunden hat, anvertrauen können. Mit Jesu Leiden, Tod und der Auferstehung erneuert und stärkt Gott die Beziehung zu den Menschen. Es ist schon geschehen und jede und jeder ist an der je eigenen Stelle einzeln und in einer Familie, einer Gemeinde Zeugin und Zeuge dieses Glaubens. Das Vertrauen auf Gottes Wirklichkeit, sein Handeln in Jesus Christus helfe uns in unserer Zeit und jeweiligen Situation zu einer festen Zuversicht und zum Nichtzweifeln an dem, was wir nicht sehen. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 91 Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken 1-5

Fürbitte und Vaterunser (eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)
Gott, unser himmlischer Vater, wir bitten dich, sei das Licht auf unserem Lebensweg. Bewahre uns davor, dass wir dir heute noch zujubeln und dich morgen schon wieder vergessen haben.
Schenke besonders da Vertrauen auf dich, wo Lebenswege nicht gerade verlaufen und Menschen drohen zu verzweifeln.
Wir bitten für die Kranken unter uns um Genesung.
Sei bei den Sterbenden und bei denen, die sie begleiten.
Für Trauernde bitten wir um Trost.
Für Verbitterte, dass du ihr Herz berührst und sie wieder fröhlich werden.
Schenke Bereitschaft zur Vergebung, wo Menschen sich verletzt haben.
Was uns persönlich auf dem Herzen liegt, sagen wir dir in der Stille .....
Wir beten zu dir mit Worten, die Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Abschluss und Segen
Gott sei bei dir Schritt für Schritt.
Er schenke dir Gelassenheit und Nachsicht, wenn du zurückblickst.
Gott sei mit dir Tag für Tag.
Er schenke dir Begeisterung und Ideen, wenn du nach vorne blickst.
Gott sei bei dir alle Zeit.
Er schenke dir Vertrauen und Zuversicht, wenn du nach oben schaust.
Es segne und behüte dich der dreieinige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

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Entwurf von Michael Held und Andreas Hülsemann aus dem Michaeliskloster Hildesheim, ev. Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik. Bearbeitet von und Verkündigung S. Köhler