Gottesdienst 03.05.2020 Jubilate

Material: Kerze, Gesangbuch


Glockengeläut

Kerze entzünden

Einstimmung
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Dieser Sonntag heißt Jubilate.
Jubelsonntag.
Wir freuen uns –
Über das Gute, das schon da ist – sichtbar und unsichtbar.
Und wir sind da. Versammelt. An unterschiedlichen Orten.
Mit unseren unterschiedlichen Gefühlen. So, wie wir jetzt eben sind.
Zur gleichen Zeit. Und mit den gleichen Worten und Liedern.
Wir feiern in Gottes Namen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 66,1-9
Jauchzet Gott, alle Lande! /
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!
Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen. Sela.
Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Er verwandelte das Meer in trockenes Land, /
sie gingen zu Fuß durch den Strom;
dort wollen wir uns seiner freuen.
Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, /
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben. Sela.
Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.
Amen


Lied: Nun jauchzt dem Herren, alle Welt - Evangelisches Gesangbuch 288,1+2+5-7 (gesungen oder angehört oder vorgelesen)
Gebet an verschiedenen Orten    
Gott.
Ich bin hier.
Ich bete zu Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre uns.
Sieh uns.
Amen.

Evangelium des Sonntages: Johannes 15,1-8 Lutherbibel 2017
Jesus sagt: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch.
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Verkündigung
Liebe Gemeinde,
Hand auf´s Herz! Wenn Sie die Gottesdienste zu Hause nun schon Sonntag für Sonntag gefeiert haben, allein oder mit den Menschen in ihrem Haushalt, ihrem Ehemann oder ihrer Ehefrau, Kindern, einer Mutter oder einem Vater, einer Schwester oder einem Bruder, haben Sie sich mit den anderen Menschen und mit Gott verbunden gefühlt, so wie wir es im Gebet bitten? - Einmal hatte ich das Gefühl. Ich war gerührt in dem Moment und bekam Gänsehaut als es mir bewusst wurde. An anderen Sonntagen ist das nicht so gewesen. Ein Geschenk.
Viele Menschen leiden darunter, dass ihnen der gewohnte Kontakt zu anderen fehlt. In diese Situation hinein werden uns die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium zugesprochen. Jesus bestimmt mit Hilfe seines Weinstockbildes die Beziehung zu sich, zu Gott: Beieinander bleiben, Gärtner und Gewächs (hier der Weinstock), aneinander gewachsen sein, Einheit trifft auf Distanz, Kontaktsperre mit Lockerungen, Schmerzen deswegen. Um den Zuspruch aus diesen Worten geht es mir heute morgen.
Jesu Beziehungsdreieck: "ich" ist Jesus als Weinstock, "mein Vater" ist Gott als Weingärtner und "ihr" sind die Jünger, wir hörenden und lesenden Nachfolgerinnen und Nachfolger als Reben. Diese Rollen legt er fest, ohne, dass sie gewählt oder gewechselt werden können. Jesus beschreibt sie und schreibt sie zu. Wer diesen gut geordneten und fruchtbringenden Zusammenhang begreift, braucht sich nicht zu sorgen, nicht zu fürchten und kann Gott loben, sogar verherrlichen.
Vielleicht haben auch in Ostfriesland einige Menschen in ihrem Garten Weinreben gepflanzt. Sie können dann alles aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Ein Weinstock braucht einige Pflege, damit er schön wächst und damit man etwas ernten kann. Edle Reben können auf den Weinstock aufgepfropft sein. Zwei Pflanzen sind dann miteinander verbunden, wachsen zusammen, und ihre Eigenschaften ergänzen sich. Wind, Regen, Sonne, Trockenheit, Kälte, Hitze, Schädlinge und Nässe ertragen sie gemeinsam. Der Rebstock wurzelt tief in der Erde und spendet Kraft. Er kann bis zu 100 Jahre alt werden. In Israel gehört Wein seit Jahrhunderten zu den Kulturpflanzen, und im alten Testament haben sich die Menschen des Weinstocks immer wieder als Bild/ Metapher bedient, mit dem Hoffnung und Enttäuschung verbunden sind: z.B. Psalm 80,9-12, wo ein Beter klagt, wie Gott den von ihm gepflanzten und gepflegten Weinstock Israel Zerstörung preisgibt und bittet, ihn zu schützen. Im Buch des Propheten Jesaja ist 5,1-7 Gott über seinen unfruchtbaren Weinberg Israel enttäuscht. Und beim Propheten Jeremia spricht Gott 2,21 zu Israel: Ich hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Und dann klagt er darüber, wie er verlassen worden ist.
Im Johannesevangelium wird das Bild aufgenommen und mit Jesus Christus neu gedeutet.
Die Geschichte Gottes geht immer weiter. Jesus beruft sich auf die Verbundenheit mit ihm, an der sich von ihm aus nichts ändert.
Es gibt Möglichkeiten für die Menschen: Jesus Christus lädt ein und fordert auf: bleibt in mir. Er verschweigt nicht, was passiert, "wenn ihr nicht in mir bleibt", und er verheißt viel Frucht wenn ihr in mir bleibt: Dann werden Bitten erhört.
Nachfolgerinnen und Nachfolger hängen an Jesu Wort, von dem die Wurzel des Glaubens gelegt wird. Doch Menschen haben auch die Möglichkeit, nicht zu bleiben. Einige lassen sich schnell für den Glauben begeistern, wenden sich aber auch schnell etwas anderem zu. Glauben braucht Nahrung, Rückkopplung bzw. Rückversicherung, Erlebnisse im Gelingen und Scheitern, Geduld. Glauben ist Vertrauen und wird gelernt. Vorbilder spielen eine Rolle, Worte von Großmüttern oder -vätern, regelmäßig gepflegte Rituale, wie z.B. Gebetszeiten, bestimmte Orte oder Gemeinschaften, für jeden etwas anderes. Das ist wie das Wetter, das der Weinstock und seine Reben erleben. Der Saft mit Lebenskraft kommt aus der Wurzel und dem Weinstock Jesus und nimmt dann verschiedene Formen an. Die Frucht, die Menschen bringen, die auf Gott vertrauen und Jesus Christus nachfolgen, sieht so unterschiedlich aus: Sie können mit ihrer Begeisterung andere anstecken und mit ihrem Humor dunkle Gedanken vertreiben, sie können mit ihrer Musik Menschen in ihr Inneres führen oder ausgelassene Lebensfreude wecken, sie können durch ihr offenes Ohr oder durch ihre zupackenden Hände Lasten tragen helfen und Nähe schenken. Sie können ein Stück des Weges mit anderen gehen. Sie können sich selbst schwach, hilflos und unbedeutend fühlen und dennoch viel Liebe weitergeben.
Jesus sagt: "Wenn ihr in mir bleibt..." Um irgendwo zu bleiben, trifft man bewusst oder unbewusst Entscheidungen. In einer Familie bleibt man, auch wenn man sich löst und eigene Wege geht. Junge Erwachsene bestimmen einen neuen Standpunkt für sich und lernen, Verantwortung zu übernehmen. In Liebe geschehen loslassen und verbunden bleiben, und das trägt. In einer Beziehung bleiben Menschen einander jahrelang treu und gehen durch dick und dünn, teilen Erfolg und Freude und ertragen Langeweile oder Stress im Alltag. Sie lieben, streiten und versöhnen sich. An einem Ort bleibt man, weil er einem Sicherheit gibt oder weil einen viele Erinnerungen mit ihm verbinden. Er ist oder wird zum "zu Hause". Der Veränderung entkommen wir Menschen nicht. Wir erleben sie auch überall dort, wo wir bleiben. Sie kommt über uns oder wir gestalten sie mit.
Und manchmal ist es nicht möglich, bei Menschen oder an einem Ort zu bleiben, weil sie einem schaden, abhängig machen, eigene Entwicklung verhindern oder verletzen. Für den Schritt hinaus braucht man Kraft und Mut und gegebenenfalls Hilfe von anderen.
Bei Jesus Christus zu bleiben bedeutet, Teil eines lebendigen Wesens und im Bild eines lebenden Gewächses zu sein. Ich kann mich auf ihn in jeder Lebenslage beziehen, auch im Unwetter meines Lebens und bei Zweifeln. Ich kann mir bewusst werden, wie wichtig diese Beziehung zu Jesus Christus für mich und mein Leben ist, z.B als Halt, Trost, Geborgenheit, Segen, Antrieb, Begleiter. Dieses Bild vom Weinstock zeigt, wieviel er für mich tut. Lasse ich es auf mich wirken, schaue es immer mal wieder an, höre ihm zu.
Wenn man einen bestimmten Zustand unverändert festhalten möchte, gesetzlich wird oder sich an anderem orientiert, wird man irgendwann merken, dass man sich von ihm entfernt. Die Lebendigkeit der Beziehung oder die Verbindung gehen verloren. Umkehr zu Jesus Christus ist möglich, aber auch Abbruch. Im Bleiben, in der Erinnerung an diese zusammengewachsene Verbindung ist es möglich, sich zu entwickeln und Früchte zu bringen, die woanders her kommen als allein aus uns selbst. Ich finde, das ist faszinierend und entlastend. Durch jeden einzelnen haben sie ihre besondere Eigenart. Wer sie hört und sieht, findet immer wieder Jesus Christus in seiner Liebe, seiner Gerechtigkeit und seinem Frieden. Das ist Grund, Gott zu loben.
Ihnen und mir wünsche ich immer mal wieder ein Gänsehautgefühl, wenn wir uns verbunden fühlen mit Jesus Christus, Gott und der Welt, miteinander, mit anderen Menschen, die beten. Wenn uns Worte aus der Bibel treffen und bewegen, versuchen wir unsere Beziehung zu beschreiben: was schenkt uns Gott, wie hängen wir an Jesus Christus und was folgt daraus für unser Glauben, Hoffen und Lieben?
Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied: EG 110,1-6 Die ganze Welt, Herr Jesu Christ nach der Melodie von EG 105

Wer mag, kann etwas tun
Gehen Sie durch Ihre Wohnung, durch Ihr Haus. Suchen Sie einen Gegenstand, der Sie mit jemandem an einem anderen Ort verbindet. Geben Sie diesem Gegenstand für diese Woche einen besonderen Platz. Erzählen Sie einander von den Menschen, den Gegenständen, den Verbindungen. Machen Sie Fotos und schicken sie dem*der anderen.
Fürbitten und Vaterunser
Jesus.
Hier sind wir.
Du hast gesagt: Wir sind mit dir verbunden.
Wir sind erlöst.
Wir wollen das glauben.
Hilf uns dabei.
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade?
Stille.
Wir denken an alle, die erschöpft sind – vom Arbeiten, vom Liebhaben, vom Es-richtig-Machen.
Stille.
Wir denken an die, die sich darauf freuen, bald wieder in ihrer Kirche einen Gottesdienst zu feiern. Und wir denken an alle, die ihre Hoffnung nicht aufgeben.
Stille.
Wir denken an die Sterbenden. An die Trauernden. In Krankenhäusern, Lagern, auf dem Meer.
An die, die versuchen, für sie zu sorgen.
Stille.
Und wir denken an die Liebe, das Leuchten. Die Herrlichkeit schon jetzt.
Stille
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

Und/Oder:
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Sagen: Ich bin nicht allein. Danke.
Kerze löschen
Nach einem Entwurf und Texte: Birgit Mattausch und Bettina Gilbert, Michaeliskloster Hildesheim