Gottesdienst 06.09.2020 13. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst Christusgemeinde, 6.9.2020, 13. Sonntag nach Trinitatis, Predigt zu Apostelgeschichte 6, 1-7

Glockengeläut
Orgelspiel

Begrüßung

Der Friede des Herrn sei mit euch allen! Amen

Liebe Gemeinde!
Ich begrüße Sie ganz herzlich im Gottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis.
Christus spricht: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Der heutige 13. Sonntag nach Trinitatis wird manchmal auch der „Diakonie-Sonntag“ genannt. Er verweist uns auf das Doppelgebot der Liebe. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten sind gleichsam zwei Seiten einer Medaille. Darum gehören Verkündigung und Diakonie zu den elementaren Aufgaben der Kirche. Ich wünsche uns einen Gottesdienst, der uns in dieser Überzeugung festigt und stärkt.
Wir feiern ihn im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

1.Lied: 288, 1+2+5     Nun jauchzt dem Herren, alle Welt

Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen – das sollen die beiden Grundpfeiler sein bei allem, was wir tun, sagt uns Jesus.
Sie gehören untrennbar zusammen. Was das für unseren Alltag bedeutet, beschreibt der Beter des Psalms 112:

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht
und das Seine tut, wie es recht ist! Denn er wird niemals wanken; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN. Sein Herz ist getrost und
fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht. Er streut aus und gibt den Armen;
seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Sein Horn wird erhöht mit Ehren. Amen

Gebet:

Guter und barmherziger Gott, du siehst die Sorgen und Nöte der Menschen und hast deinen Sohn zu uns geschickt, dass er uns in Liebe diene.
Lass uns nach seinem Vorbild gütig und barmherzig werden, dass wir nicht vorübergehen an denen, die uns brauchen. Erhöre uns um Jesu Christi willen. Amen

Lesung des Evangeliums: Lukas 10, 25-37

Musikalisches Zwischenspiel

Glaubensbekenntnis

2. Lied: 412,1+2     So jemand spricht: »Ich liebe Gott«
Predigt zu Apostelgeschichte 6, 1-7                                    

Gnade sei mit euch … Amen
Liebe Gemeinde!

Die Pinnwände sind voll gesteckt mit farbigen Moderationskarten. Jede Karte steht für eine Veranstaltung, eine Gruppe, ein Projekt, eine Aufgabe oder eine Maßnahme in der Kirchengemeinde: Frauenfrühstück; Gemeindebrief; Geburtstagskaffee der Senioren; Besuchsdienst und Handarbeitskreis. Andachten im Seniorenheim; Konfirmandenunterricht und Gitarrenchor; Kindergottesdienst, Gemeindefest im Sommer. Dazu die Projekte, die anstehen: die Friedhofskapelle muss dringend saniert werden; der Friedhof arbeitet nicht wirtschaftlich. Die regelmäßigen Sitzungen des Kirchenvorstands und der Ausschüsse stehen gar nicht an der Wand, die gehören ja selbstverständlich dazu.
Liebe Gemeinde!
So stelle ich mir eine Kirchenvorstandssitzung zu Beginn des nächsten Jahres vor, wenn – hoffentlich – wieder die normale Gemeindearbeit möglich wird, weil Abstands- und Hygienemaßnahmen so gestaltet werden können, dass das wieder möglich ist. Einige denkbare Kommentare dazu: „Ganz schön viel, was bei uns los ist!“ – „Toll, das mal so zu sehen. Man macht sich zu wenig klar, was wir alles machen!“ Zögernd werden auch andere Stimmen laut: „Die Leiterin des Bastelkreises möchte im Herbst aufhören. Wer kann den Kreis übernehmen?“ – „Beim letzten Frauenfrühstück waren wir wieder nur zu fünft.“ – „Schon beim Gemeindefest im letzten Sommer war es schwer, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu finden, die beim Auf- und Abbau mitgemacht haben.“ – „Wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir sagen: Wir schaffen nicht mehr alles. Aber was sollen wir lassen? Wovon müssen wir uns trennen?“
Mein Eindruck ist: Etwas zu lassen ist immer eine Herausforderung. Wie lernt man das in einer Kirchengemeinde? Und was ist wirklich wichtig? Was darf man auf keinen Fall weglassen; was ist unverzichtbar? Liebe Gemeinde, da ist es gut zu wissen, dass es schon in der Anfangszeit der christlichen
Gemeinde in Jerusalem ähnliche Fragen gab:  

In dieser Zeit wuchs die Gemeinde stetig. Eines Tages beschwerten sich die Zugezogenen. Sie warfen den Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen. Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »So geht das nicht! Wir können doch nicht die Verkündigung vernachlässigen, um selbst an den Tischen das Essen auszuteilen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir dagegen werden uns ganz dem Gebet und der Verkündigung widmen.« Der Vorschlag fand die Zustimmung der Versammlung. Sie wählten Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Außerdem Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus aus Antiochia, der früher zum jüdischen Glauben übergetreten war. Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Gemeinde in Jerusalem wuchs immer weiter. Sogar von den Priestern nahmen viele den Glauben an. Amen
Liebe Gemeinde!
Das Gefühl, überfordert zu sein und etwas verändern zu müssen, gibt es also ganz offensichtlich nicht nur da, wo Gemeinden kleiner werden, so wie heute oftmals bei uns. Auch in der Anfangszeit der christlichen Gemeinden im frühen ersten Jahrhundert in Jerusalem, als es zahlenmäßig steil bergauf ging, kam das vor. Dabei fing alles so harmonisch an: „Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern. Sie hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.“ Sie waren offensichtlich eine beliebte Wohnzimmergemeinschaft, diese jungen Christen, bei denen das gemeinsame Essen von Anfang an eine große Rolle spielte. Es war auch Fürsorge für die Armen, indem selbstverständlich geteilt wurde, was auf den Tisch kam. Und es war Erinnerung und Vergegenwärtigung des Auferstandenen, der ja gesagt hatte „Solches tut zu meinem Gedächtnis“. Gerade in der Gemeinschaft und in der Fürsorge war das gemeinsame Essen ein Vorzeichen für das Reich Gottes, das Jesus verkündigt hatte.
Aber dann passierte es doch: Ein Teil der Gemeinde murrt, weil die zu ihr gehörenden Witwen weniger erhalten als die anderen. Die Witwen gehörten neben den Waisen zu der Gruppe, die besonders auf Fürsorge angewiesen waren und die am wenigsten vernachlässigt werden durften. Eine echte Krise also. Die Zwölf, die für die Gemeindeleitung zuständig sind, sind ratlos. Sie rufen die übrigen Gemeindeglieder zusammen, gestehen ein, dass sie mit der Versorgung der Armen und der Verteilung der Nahrungsmittel überfordert sind, weil sie sonst nicht mehr zu ihrem eigentlichen Auftrag kommen, nämlich zu predigen und zu beten. Also wird ein neues Amt geschaffen: Neben den zwölf Aposteln soll es zukünftig sieben Diakone geben, die dafür sorgen, dass die Verteilung des Essens funktioniert. Das Verfahren klappt reibungslos, die Stellen werden quasi unmittelbar ausgeschrieben und sogleich besetzt. Zu guter Letzt trägt der überwundene Konflikt mit seiner eleganten Lösung dazu bei, dass die Gemeinde größer wird und noch mehr an Ausstrahlung gewinnt.
Wir sehen: Verkündigung und soziale Arbeit waren die wichtigsten Aufgaben in der jungen Gemeinde – zwei Seiten einer Medaille, Taten der Liebe mit Worten und mit Händen. Für beides brauchte man kompetente, engagierte Menschen, die taten, was sie gut konnten und wozu sie beauftragt wurden. Die ersten Christen waren überzeugt: Auf der Suche nach Gott muss man nicht heraus aus dem Alltag. Die Suche nach Gott erfordert keinen Rückzug aus den alltäglichen Gewohnheiten. Gott lässt sich mitten in diesem Leben finden. Ihn loben und ihm dienen kann man da, wo man ist und mit dem, was man kann.                            Liebe Gemeinde!
Zu den Aufgaben einer christlichen Gemeinde gehört damals wie heute beides – die Verkündigung mit Worten ebenso wie mit Taten; die Predigt ebenso wie die Suppenküche. Und so vielfältig, wie die Gaben derer sind, die sich engagieren, so vielfältig sind die Angebote und Aktionen. Gerade deshalb kann es passieren, dass die, die für die Leitung verantwortlich sind, ratlos auf eine Fülle von Moderationskarten schauen; dass Klagen aus der Gemeinde kommen, weil Menschen sich vernachlässigt fühlen oder dass wirklich wichtige Aufgaben nicht mehr erledigt werden können, weil alles zu viel geworden ist.
Aber was hilft nun beim Blick auf voll gespickte Pinnwände, beim Blick in volle Kalender und in erschöpfte Gesichter? Die Erfahrungen aus der Jerusalemer Urgemeinde, die in der Apostelgeschichte überliefert sind, können einige Anregungen geben. Am Anfang der Krisenbewältigung steht ein mutiges Eingeständnis: Wir schaffen nicht mehr alles. Wir sind überfordert. Es gibt zu viele unterschiedliche Aufgaben, die sich über die Jahre angesammelt haben. Dann folgt die Klärung: Was ist unsere eigentliche Aufgabe? Wofür sind wir wirklich da? An welchen Stellen strahlen wir aus, was uns selbst so begeistert, dass wir andere mitreißen können? Und was machen wir nur, weil es schon immer so war oder weil andere es von uns erwarten?
Um tragfähige Lösungen zu finden, hilft es, Schwerpunkte zu setzen: Was ist uns so wichtig, dass wir es weitermachen wollen? Was können andere besser? Wer kann uns unterstützen? Die Erfahrung der Urgemeinde zeigt auch: Das Leben in der Gemeinde ist ein Leben in einer Dienstgemeinschaft, in der alle, die mitmachen wollen, mit ihren unterschiedlichen Gaben ernst genommen werden. Die eine kann gut mit Worten umgehen, der andere besser mit den Händen. Einer macht es beruflich, andere ehrenamtlich. Wichtig sind alle, denn Verkündigung des Wortes Gottes und Gestaltung der Gemeinde ist Gemeinschaftsarbeit. Ein Leib, viele Glieder – einige Jahre später wird Paulus die Vielfalt der Dienste in dieses einprägsame Bild fassen, das bis heute das Zusammenspiel der Gaben in einer Gemeinde beschreibt.
Liebe Gemeinde, das ist die frohe Botschaft an diesem Sonntag:  
„Wir … werden uns ganz dem Gebet und der Verkündigung widmen“, sagen die, die sich überfordert fühlen. Und vielleicht ist das das Wichtigste: niemals aufzuhören mit Gebet, und niemals aufzuhören damit, auf Gottes Wort zu hören. Auch wenn der Kalender aus allen Nähten platzt, auch wenn die Kraft weniger wird und die Nerven dünner: Die Verbindung zu Gott im Gebet, in der Stille, in Liedern und Worten - diese Verbindung ist die eigentliche Kraftquelle. Hier lasse ich mich stärken; werde erinnert an das, was wirklich wichtig ist; bitte um einen offenen Blick für die Menschen um mich herum; um einen klaren Geist für die richtigen Entscheidungen; übe mich in Demut und gebe ab, was ich selbst nicht schaffen kann: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat“, so dichtet Jochen Klepper (EG 457,11).
Und wir haben eingangs gesungen:
Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,
rühmt seinen Namen mit lauter Stimm;
lobsingt und danket allesamt!
Gott loben, das ist unser Amt.
Und dann geht es weiter, wieder hinaus – um in Gottes Namen das zu tun, was zu tun ist. Und mehr nicht.
Amen
Und der Friede Gottes, … Amen

3. Lied: 412, 4+7     So jemand spricht: »Ich liebe Gott«

Abkündigungen

4. Lied: 414, 1+2     Lass mich, o Herr, in allen Dingen

Fürbitten

Guter Gott, du gehst mit uns durch die Zeit und rufst uns in deinen Dienst. Als deine Gemeinde stehen wir vor dir und bitten dich heute besonders
für alle Menschen, die sich in einer persönlichen Notsituation befinden. Lass sie Hilfe und Beistand erfahren;
für alle Menschen, die alt, krank und einsam sind und leicht übersehen werden. Schenke ihnen Trost und Hoffnung, auch durch uns;
für alle Menschen, die sich in diesen schwierigen Zeiten um Bedürftige kümmern. Stärke sie in ihrem Bemühen;
für alle Menschen, die sich in unserer Gesellschaft für Recht, Frieden und Verständigung einsetzen. Segne ihre Anstrengungen;

für alle Menschen, die in ganz unterschiedlicher Weise unter den Auswirkungen der Corona-Krise zu leiden haben. Lass sie den Mut nicht verlieren;
für alle Menschen, die sich in unseren Gemeinden engagieren. Lass ihr Tun Früchte bringen;
für unsere Kirche, die in eine unsichere Zukunft blickt. Lass sie auch weiterhin in Verkündigung und Diakonie ihren eigentlichen Auftrag erkennen und auf dem Weg bleiben, den du ihr gewiesen hast.
Guter Gott, du gehst mit uns durch die Zeit und rufst uns in deinen Dienst. Wir danken dir, dass wir im Licht deiner Liebe leben dürfen – jetzt und in Ewigkeit.

Wir beten gemeinsam: Vater unser …

Sendung, Segen

Orgelnachspiel