04.04.2021 Ostersonntag

Gottesdienst zu Hause Ostersonntag 05. April 2021, Christuskirche Leer

Material: Gesangbuch, Kerzen, ein österlicher Tisch

Glockenläuten

Kerzen entzünden

Einstimmung
Der Herr ist auferstanden! - Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.
Wir hören die Worte – gemeinsam und an verschiedenen Orten. Geht uns die Osterbotschaft zu Herzen? Können wir uns an ihr freuen? Oder quälen uns Fragen und Sorgen?
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Er möge alles, was uns belastet, wegrollen wie den Stein vor Jesu Grab. Amen

Lied: Christ ist erstanden (EG 99 Text Bayern/Österreich 12.-15. Jh. M. Salzburg 1160/1433, Wittenberg 1529)

Gebet (eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)
Du Gott des Lebens,
du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen
an jenem Ostermorgen.
Du hast einen neuen Anfang geschenkt,
als alle nur auf das Ende blickten.
Versteinertes hast du ins Rollen gebracht, Erstarrtes in Bewegung.
Die Schatten der Angst hast du zur Seite gewischt.
Lass dein Licht auch unseren Ostermorgen erleuchten.
Schenke Mut, das Unglaubliche zu glauben,
damit auch wir das Leben finden.
Amen.

Hinführung zum Markus 16,1-8 (eine*r in der Hausgemeinschaft liest)
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.
Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab kommen, sind sie todtraurig. Ihre Hoffnungen sind mit Jesus gestorben. Das Einzige, was sie noch für ihn tun können, ist seinen Leichnam zu salben. Das denken sie. Doch dann ist alles anders. Als sie ans Grab kommen, ist der Stein weggerollt und das Grab leer.

Bibeltexte des Tages .Mk 16 (eine*r in der Hausgemeinschaft liest) Übersetzung: Basisbibel
Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. Ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf.Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?« Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war. Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus aus Nazareth, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten. Macht euch auf! Sagt seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.« Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.


Verkündigung
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
aus Todesangst gerettet. Dem Tod entronnen... wer das erlebt hat bei einem Unfall, im Verlauf einer schweren Krankheit, angesichts von Bedrohung betrachtet das Leben danach häufig ganz anders. Als ein Geschenk. Ein zweites Leben. Dankbarkeit erfüllt diese Menschen, der unbedingte Wille zum Leben und das Wissen, in der Not absolut auf andere angewiesen gewesen zu sein.
Ostern wird uns von der Auferstehung oder Auferweckung Jesu Christi von den Toten erzählt. Nach seiner Kreuzigung, der Stille um sein Grab, lösen die Nachrichten zunächst Schrecken bei den Frauen aus, die Jesu Leichnahm salben wollten. Genauso beunruhigt ihr Bericht die Jünger. Ungläubig oder ängstlich sind sie gewesen. Die Last und Wucht der Anklage, seines Leidenswegs, die Furcht erkannt und ebenso behandelt zu werden, die Trauer sind so groß gewesen. Und die frohe Botschaft war kaum zu begreifen. Sollte es etwa weitergehen? Die Macht des Todes ist überwunden, endgültig. Gott hat sich mit den Menschen versöhnt, er hat damit seine Gerechtigkeit gezeigt. Der Richterspruch, den Menschen sprachen, hat nicht das letzte Wort. Die Ungerechtigkeit schrie zum Himmel. Aber Gott antwortete von dort aus anstatt mit Zorn und Vernichtung mit Versöhnung, Frieden und Liebe. Gottes Handeln war ein Geheimnis und zugleich für Menschen erfahrbar. Für uns Christinnen und Christen ist das Geschehen von Ostern das Entscheidende. Jesus Christus als gestorbener und Auferstandener die Schlüsselfigur.
Von der Rettung aus Todesangst und der Macht Gottes erzählen auch schon die Menschen im Alten Testament. So spannend, dass es in unserer modernen Zeit auch verfilmt worden ist. Wer kennt nicht die eben gelesene Erzählung von der Rettung des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten und beim Durchzug durch das Schilfmeer.

Lesen wir, sie, den heutigen Predigttext 2. Mose 14,8-14.19-23.28-30a;15,20-21
Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen. Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: "Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben."
Da sprach Mose zum Volk: "Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein."
Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.
Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.
Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

Mich beeindruckt, dass durch das todbringende Wasser plötlich ein einzigartiger und einmaliger Fluchtweg führt. Ein Bild aus meiner Kinderbibel habe ich noch vor Augen. Frauen, Männer und Kinder, die beängstigt gegen eine Wasserwand schauen und eilig vorwärts gehen. Die Feinde kommen hinterher, sehr nah. Man kann nur von ihnen eingeholt werden, oder aufgeben und zurückkehren und umgebracht werden. Angst und Verzweiflung werden so groß, dass sie auch gegen Moses und Gott gerichtet werden. Wozu das alles? Welchen Sinn hat es denn?
Und Moses kann sagen: "Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht werdet ihr sie niemals wiedersehen. Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein."
Überwindung dieser Situation durch Gott, Frieden mit der Angst werden verheißen. Es ist zum Staunen wie Gott den Machtlosen und Ausgelieferten machtvoll und auf wunderbare Weise hilft: Engel und Wolkensäule zwischen Israel und seinen Feinden, teilen und austrocknen des Meeres, hindurchziehen und alle Verfolger ertrinken.
Diese Rettung öffnet neue Zukunft und wird gefeiert. Mit Pauken, Gesang und Tanz. Die Prophetin Mirjam singt: "Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt." Ein sehr altes Lied über Überwindung und Rettung aus Not und Überlebensfreude, Dank. Alles in zwei Sätzen zusammengefasst. Einer Frau in den Mund gelegt: Gotteslob.
"Gott sei Dank!" Würden wir heute sagen. Und die Erleichterung und Erlösung müssen ausgedrückt werden: in einem Fest wie Ostern, jedes Jahr, wie Passah, im Weitererzählen einer persönlichen Rettung und damit für weitere Generationen Raum für Erfahrungen mit Gott weitergeben.
Vor seinem Tod feiert Jesus mit seinen Jüngern beim Passahmahl das Abendmahl. Er ist ja Jude. Und das Passahfest bewahrt die Erinnerung an die Bewahrung des Volkes und die Rettung vor den Feinden. Heute haben wir gehört wie es gut ausgeht.
Dieses Jahr wird ein 1700 jähriges Jubiläum gefeiert. Die Interetseite: www.2021juedisches Leben in Deutschland.de informiert über jüdisches Leben in Deutschand heute und über Festveranstaltungen in verschiedenen Städten. In unserer Geschichte gibt es reichlich Zeugnisse von  Anfeindungen, Verfolgung durch Christen, Vertreibung, Not und Vernichtung. Bis heute werden Vorurteile verbreitet und auch Gewalt gebraucht, die Mitmenschen jeder Religion erschrickt.
Mit einer Plakataktion gegen Antisemitistmus beteiligen sich der auch die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an dem Jubiläum. Auf dem Plakat, #beziehungsweise. Näher als du denkst  für Ostern steht: frei von Sklaverei und Tod. Pessach beziehungsweise Ostern. Und kurz wird erklärt: Jüdinnen und Juden feiern zu Pessach die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Christinnen und Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu vom Tod. Gott befreit und erlöst. Auch heute Halleluja.
Gott und befreit und erlöst. Diese Erfahrung verbindet beide Glaubensgemeinschaften, die Mutter und die Tochter. Beide haben Gottes Lebenskraft und Gerechtigkeit erfahren. Sie entwickeln sich in verschiedene Richtungen und geben dieser Befreiung und Erlösung in ihren Gemeinden unterschiedliche Bedeutung. Da ist kein Mangel. Es gibt kein besser oder schlechter; nur anders. Kontakte, sich besser kennenlernen und verstehen und Neuanfänge werden möglich. Vereinnahmung und Vorurteilen wird entgegengewirkt, wenn man sich gegenseitig kennt. Immer wieder gibt es Grund, auf Gottes befreiende Macht zu vertrauen. Passah feiern heißt, sich an Angst und Rettung zu Erinnern, Ostern bedeutet, vom Tod zu sprechen und vom Leben. Gott, Überwinder und Liebender, der neues Leben schenkt. Halleluja. Amen

Und der Friede, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Fürbitte und Vaterunser(eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)
Jesus Christus, du Bruder aller Menschen.
Du hast den Tod überwunden und den Stein der Trauer zur Seite gestoßen.
Wir danken dir, dass dein Licht unsere Finsternis vertreibt.
Hilf uns, dass wir uns nicht an das Vertraute klammern, sondern offen sind für die Wege, die du uns führst.
Für die Menschen, die leiden müssen, und den Weg des Sterbens gehen,
bitten wir dich in der Stille.

Für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben und um ihn trauern,
bitten wir dich in der Stille.

Für die Einsamen, die besonders unter den Einschränkungen des Lockdowns leiden,
bitten wir dich in der Stille.

Wir beten zu dir mit Worten,die Jesus uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein EG 100, 1-5 (T: Str. 1 Medingen um 1380, Str. 2-5 bei Cyriakus Spangenberg 1568 nach Ressurrexit Dominus 14. Jh. Melodie: Hohenfurt 1410, Böhmische Brüder 1544, Wittenberg 1573)

Abschluss(Segenswort)(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)
Hände öffnen, Handflächen nach oben,sagen:
Es segne uns der lebendige Gott.
Er verwandle unsere Trauer in Freude.
Es segne uns Christus.
Er wandle unsere Müdigkeit in Hoffnung.
Es segne uns Gottes Geist.
Er führe uns aus der Dunkelheit ins Licht. Amen.

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Frohe und gesegnete Ostern!

Michaeliskloster Hildesheim Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik. Entwurf von Stephan Goldschmidt und Michael Held für www.michaeliskloster.de, Predigt: Silvia Köhler