Gottesdienst 31.05.2020 / 01.06.2020 Pfingsten

Material: Kerze, Gesangbuch
 
Glocken läuten
Kerze entzünden
Einstimmung
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Pfingsten. Der Tag des Heiligen Geistes.
Auf Hebräisch heißt der Geist „Ruach“. Ein weibliches Wort.
Es bedeutet: Wind. Und: Atem
Ruach kann feurig sein. Sie macht lebendig. Sie weht, wo sie will.
Und ist lauter leuchtend rote Liebe.
Ruach ist Gott.

Psalm 118,24-29
Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
    O HERR, hilf!
    O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
    Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
    Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
    Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
    und seine Güte währet ewiglich.

Lesung des Sonntages I: Aus Apostelgeschichte 2
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.
 

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Ich bete zu Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
(Stille)
Höre uns.
Sieh uns.
Amen.
Lesung des Sonntages II: Aus Apostelgeschichte 2
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Lied:

Lesung des Sonntages III: Aus Apostelgeschichte 2
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?
Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber:
Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.
Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
 
Liedstrophe (gesummt oder angehört oder vorgelesen)
Komm, Geist des Lebens, komm über uns, komm über uns und unter uns wächst Gottes Reich.
 
Lesung des Sonntages IV: Aus Apostelgeschichte 2
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!
Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;
sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;
und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.
Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«
 
Liebe Gemeinde,
die frohe Botschaft von Jesu Auferstehung muss unter die Leute!
Gott sucht sich die trauernden und ängstlichen Jünger aus, den Petrus z.B., der den gefangenen Jesus verleugnet hatte zu kennen, den zweifelnden Thomas und alle anderen. Freunde – Gefahr – Versagen - Tod – Leben – Zeugen und Botschafter. Das ist ihr Weg mit Gottes Kraft.
Lukas beschreibt das Erscheinen und Wirken des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte mit sichtbaren und hörbaren Zeichen: in einem Haus Zungen wie Feuer auf den Jüngern, ein Brausen vom Himmel, das auch andere in der Stadt aufmerksam macht, eine Botschaft in vielen Sprachen. Wir bezeichnen es als "Erscheinung". Durch die Erzählung des Apostels Lukas entstehen Bilder in unseren Köpfen. Ein Bild, das der Künstler Sieger Köder zu Pfingsten gemacht hat, möchte ich ihnen beschreiben.
Der größte Teil des Bildes ist rot: Farbe des Heiligen Geistes: Wärme, Liebe, Feuer fallen mir bei diesem Rot ein. Unruhig ist es in dem Bild, lebendig. Die Silhouette eines Hauses mit vielen offenen Fenstern erscheint. Im Vordergrund des Bildes ein Mann mit einem aufgeklappten Buch: in griechischen Buchstaben steht euaggelion – Evangelium oder gute Botschaft geschrieben, über beide Seiten hinweg. Der Mann kommt durch eine offene Tür. Ich schaue an seinem Kopf vorbei ins Innere des Hauses. In einem Raum sind mehrere Menschen, teilweise ins Gebet vertieft wie die Frau ganz vorn im Eingang, teilweise haben sie ihr Gesicht zur Zimmerdecke erhoben. Ein roter Schein im Zentrum, über ihren Köpfen wie Feuerzungen ebenfalls rot. Was in diesem Raum verborgen geschieht, will nach draußen, erleuchtet ein ganzes Haus. Die Tür ist aufgeflogen und der Mann mit Gottes Lob ist heraus gekommen. Seine Kleider sind rot, sein Gesicht ebenfalls. Sein Mund ist geöffnet, als würde er reden. Mit der einen Hand hält er das Buch fest, mit der anderen hält er es den Betrachtern entgegen. Er liest nicht vor, was er sagt, was da steht, stimmt überein.
Das Haus wächst in den Himmel. Es hat viele offene Fenster mit hellen Rahmen. Es wohnen schon Menschen darin, ganz selbstverständlich. Sie hängen ihre Fahnen und Plakate aus dem Fenster. Ein Christussymbol schwenkt der junge Mann auf seiner Fahne. Frieden steht in latein und hebräisch auf dem Banner. In der 2. Etage spannen es eine junge Frau im roten Kleid und ein Farbiger aus. Ein Meßdiener schwenkt aus dem nächsten Fenster überschwänglich ein Weihnrauchfass. Jung ist die Kirche, sichtbar, mit allen Sinnen wahrnehmbar. Eine weiße Taube fliegt wie zur Bestätigung vor dem Haus und den Plakaten.
Und in der Etage darüber sind noch Fenster offen, an denen noch niemand steht. Wer da wohl ans Fenster treten kann? Ein Dach ist nicht in Sicht.
Im unteren Teil ist das Bild dunkel. Am schmalen Sockel des Hauses ist noch eine Baustelle mit Gerüst., die unfertig dasteht. Zwischen den Gerüstteilen hocken Menschen im Dunkeln. Einer scheint zu schlafen, einer schaut mit leerem Blick nach oben, sieht aber nichts und der rote Schein erreicht ihn nicht. Ob er etwas hört?
Kein Haus kann so stehen. Von einem Raum im Inneren aus scheint es groß und leuchtend zu werden, gefüllt und erweitert durch den Heiligen Geist. Die Bewohner machen das Haus aus. Sie hocken nicht in der Stube, sondern lassen die Fassade leben und sprechen: Lateinisch, Hebräisch, Griechisch. Ein energiereicher, kräftigender und fröhlich machender Ort.
Anschauen können Sie das Bild unter https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/pfingsten-618891.html
im Internet.

Im Predigttext weckt durch alles, was zu hören ist, Interesse: das Rauschen und Brausen, die Vielsprachigkeit. Es lockt andere aus ihren Häusern und von der Straße vor dieses Haus. Die Reaktionen der auf die Straße gelaufenen gläubigen Juden aus aller Welt zeigt es: Was geschehen ist, ist erklärungsbedürftig. Gott hat die Jünger aus ihrem Versteck in die Öffentlichkeit geholt. Er hat aus Verunsicherten Verkündiger gemacht. Petrus hält selbstbewusst eine Predigt und verbindet sich mit der Tradition im Volk Israel. Er erinnert an eine Verheißung des Propheten Joel.
Der Tag Gottes kommt, an dem er seinen Geist ausgießt.
Die Menschen werden gerettet.
Die ganze Welt ist gemeint.
Unterschiede zwischen den Generationen werden aufgehoben. Alte und Junge werden Träume haben.
Soziale Unterschiede werden ebenfalls überwunden.
Dass sie sich zusammentun in seinem Namen, dass sich welche taufen lassen ist Zeichen

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Fürbitten und Vaterunser
Ruach, Heiliger Geist.
Hier sind wir.
Sei du um uns und in uns.
Mach uns mutig und stark.
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade?
Stille
Wir denken an unsere Angst. Wir geben sie dir.
Stille
Wir denken an die, die wir nicht verstehen.
Stille
Wir denken an die, die gerade so viel verlieren: Geld, Sicherheit, Zukunft.
Stille
Wir denken an die, die tapfer sein müssen für andere.
Stille
Und wir beten, wie Jesus es uns gezeigt hat:
Vater unser im Himmel,...
 
Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Gott Vater. Gott Sohn. Und Gott Heiliger Geist.
Amen.

Kerze ausblasen

Entwurf: Birgit Mattausch und Bettina Gilbert für www.michaeliskloster.de
wer den Gottesdienst mit kleiner Ausflug feiern möchte, wie er vorgeschlagen ist, schaue bitte auf:
https://www.michaeliskloster.de/aktuelles/2020/beruehrende-Formen-offener-Kirche-n--in-Zeiten-koerperlichen-Abstands/03-16-gottesdienst-zeitgleich/2020-05-31-pfingsten