10.01.2021 Epiphanias

Material: Gesangbuch, Kerze

Glockenläuten
Kerze entzünden

Einstimmung
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
In unserer Christuskirche leuchtet ein Herrnhuter Stern. Er erinnert an das Licht des Sterns, der die Weisen zur Krippe geführt hat und weist Glaubende auf die Herrlichkeit Gottes hin. Der Spruch für den Epiphaniastag lautet: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. 1. Joh.2,8b

Lied: Evangelisches Gesangbuch 544 Stern über Bethlehem 1-4

Psalm 100 Evangelisches Gesangbuch 740
Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
Dienet dem HERRN mit Freuden,
    kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
    Erkennet, dass der HERR Gott ist!
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
    Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, /
    zu seinen Vorhöfen mit Loben;
    danket ihm, lobet seinen Namen!
Denn der HERR ist freundlich, / und seine Gnade
währet ewig
und seine Wahrheit für und für. Amen

Gebet
Gott.
Du bist in unserer Welt.
Klein und zart. Mächtig und stark.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Und ich weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier. Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf mein Gebet.
Amen.

Lesungen dieses Tages
Lesung aus dem Alten Testament beim Propheten Jesaja 60,1-6, zugleich Predigttext
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden.
Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Lesung aus dem Matthäusevangelium 2,1-12
Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«
Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.
Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Lied/Kanon für alle, die die Melodie kennen: Mache dich auf und werde licht, mache dich auf und werde licht, mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt.

Verkündigung
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,
was man sehen kann... Zum Jahreswechsel haben viele Menschen zurückgeschaut und auch versucht, für die Zukunft Pläne zu machen. Dass wir weiterhin wegen der Pandemie ein eingeschränktes Leben führen müssen, war z.B. vorauszusehen, ob es hier in Ostfriesland schneit, schon weniger. Beim Zurücksehen kann etwas verschwimmen, Vorausschauen ist auch nicht so einfach. Es gibt mehrere Arten, zu schauen. Unser Glaube lebt von Traditionen, uralten Überlieferungen, die auch von der Zukunft sprechen und helfen, die Gegenwart zu bewältigen. Sie werden immer wieder neu gelesen, gedeute und verstanden. Auch das ist eine Art, zu erkennen und zu klären.
Am Mittwoch, 6. Januar, war Epiphanias, Fest der Erscheinung des Herrn. In der orthodoxen Kirche wird dann erst Weihnachten gefeiert. Wir haben am 25. Dezember gefeiert, dass Gott Mensch geworden ist und in dem Kind Jesus Christus in einer Krippe geboren wurde. Aus Liebe ist er uns gleich geworden, damit Menschen ihn hautnah erleben können. An Epiphanias wird die Überlieferung von der Ankunft der drei fremden Weisen aus dem Morgenland bei der Krippe vorgelesen. Nach Engeln und Hirten preisen auch diese drei Männer Jesus Christus in seiner Herrlichkeit, Göttlichkeit. Sie sehen in dem Säugling einen neuen König. Darauf weisen ihre Geschenke hin: Gold, Weihrauch und Myrrhe. "Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen." Diese Verheißung aus dem alten Testament, so haben es die Verfasser des Matthäusevangeliums verstanden, erfüllt sich bei Jesu Geburt. Schauen Sie noch einmal auf die Lesung aus dem dritten Buch des Propheten Jesaja, Kap. 60,1-6.
Von Gott her fällt Licht auf sein Volk. Viele andere sehen es, werden kommen, wollen ihn loben. Was öde, verlassen, zerstört ist, wird freundlich, festlich. Bisher sind andere Großmächte mit Krieg und Belagerung gekommen, um zu beherrschen, Schätze und Menschen wegzunehmen, schwach zu machen. Die Verheißung geht an Menschen, die in Finsternis leben, Krisen im Leben und im Glauben erfahren haben. Ihr Zustand soll sich grundlgend ändern. Andersgläubige werden erkennen und kommen, um zu sehen, eigene Leute kommen von weit her zurück. Angekündigt wird eine friedliche Wallfahrt der Völker, die auf dem Zion Gott loben werden. Frieden unter den Völkern ist eine alte Sehnsucht der Menschen, die in der Realität häufig in Misstrauen, Kampf und Feindschaft verstrickt sind. Macht, diesen Frieden zu bringen und Völker zu einen hat für die Glaubenden Gott.
Menschen versuchen, die Sehnsucht nach dem Frieden unter Völkern wirklich werden zu lassen. Veranstaltungen zur Begegnung von Menschen unterschiedlicher Nationen und Institution zur Sicherung des Friedens sind entstanden: z.B. die olympischen Spiele, die seit 1894 Menschen aus aller Welt im Sportwettkampf verbinden und zur Völkverständigung beitragen wollen. Für ein friedliches Miteinander der Völker setzt sich seit 1945 die UNO ein. In ihrer Charta stehen die universale Anerkennung und der wirksame Schutz der Menschenrechte, die Anerkennung gemeinsamer Grundregeln des außen- und innenpolitischen Handelns, z.B. das Verbot jedes Angriffskrieges, die durch Diplomatie, Weltorganisationen und/oder Staatenbünde moderierte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Staaten bei weitestgehendem Gewaltverzicht, die Gewährleistung eines Existenzminimums für alle Menschen und annähernd gleicher Lebenschancen überall auf der Erde, der Aufbau einer mit den begrenzten Ressourcen der Erde in Einklang gebrachten Energiewirtschaft. Die Schrecken der beiden Weltkriege sind Gründe für die Gründung. Weitere Organisationen fördern Begegnung im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich.
Christen nehmen das alttestamentliche Motiv der Völkerwallfahrt in der Offenbarung auf und beziehen es wie im Alten Testament auf das Ende der Zeit. Doch sie suchen schon zu ihrer Zeit Wege zu Versöhnung und Frieden. Würdenträger unterschiedlicher Religionen treffen sich. Unterschiedliche Strömungen innerhalb einer Religion fördern Begegnung, z.B. in der Ökumene. Zugleich gibt es auseinandertreibenden Fundamentalismus. Dass die Völker zum Berg Zion pilgern und den jüdisch/christlichen Gott loben, wird wohl eine Weissagung bleiben. Orte, wie die Geburtskapelle Jesu in Bethlehem oder der Petersdom in Rom ziehen jedes Jahr zu Weihnachten Christen aus aller Welt an. Wegen der Pandemie war es in diesem Jahr stiller, wie im Radio berichtet wurde.
Wenn man viel erlebt, das einem Sorgen macht, trifft einen dieser Predigtext: Mache dich auf, werde Licht,..." Aufblicken, Hoffnung schöpfen, Licht erwarten – kaum vorstellbar, wo soviel Dunkles ist. Zu viel Sorgen und Tätigkeiten binden einen, um leicht und licht zu werden, das Schwere von sich abzuschütteln. Als dieses dritte Buch des Propheten Jesaja geschrieben wurde, waren die Menschen aus dem babylonischen Exil in die Trümmer ihres Landes zurückgekehrt. Der Aufbau ist mit Schwierigkeiten, harter Arbeit und auch Zweifeln an ihrem Gott verbunden. Vielleicht leben die Menschen voll Skepsis anderen gegenüber. Können sie nicht wieder neue Mächte bedrohen? Hält der Frieden? Wann heilen Wunden? Sie sehen zurück, sie sehen ihre Gegenwart und es gibt nicht viel Grund zur Freude. Sie hören die Zusage: Gottes Treue, sein Licht leuchten durch diese Menschen, schenken ihnen, was sie lange entbehrt haben: Lust am Gotteslob, vor Freude strahlen und ein bebendes und weites Herz.
Weil es dafür in ihrer Gegenwart keine Anzeichen gibt, ist es gewagt, so zu sprechen. Der Prophet könnte als Spinner belächelt oder als Volksverhetzer angegriffen werden. Denn niemand kann sehen, was er sieht und wovon er spricht. Gott beschreibt er aber in seiner Herrlichkeit, in der das Licht des Schöpfers, das Licht des Richters und Friedensbringers, des verschiedene Völker vereinenden leuchtet. Gott sucht sich dazu sein Volk aus, das am Boden zerstört ist und in dem einige ein gespaltenes Verhältnis zu ihm haben. Menschen haben an seiner Macht gezweifelt als alles kaputt ging, ihre Familien auseinandergerissen wurden, das Zentrum ihrer Religion zerstört wurde. Die lebendige Gottesbeziehung war auf eine Probe gestellt und die Menschen in Schuld verstrickt. Sie erleben Orientierungslosigkeit, Rechtlosigkeit und Heillosigkeit, auch Schuld. Und er stellt sie wieder her, kommt mit Licht zu den Menschen: "über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir," so dass es andere sehen und davon angezogen werden. Sie helfen mit beim Aufbau und sie helfen dem Volk Israel zu erkennen, dass Gott sein Heiland ist und sein Erlöser. Außerdem wird laut dem Propheten Gottes Licht sogar Sonne und Mond ablösen, Gott wird das ewige Licht und der Glanz sein. Der Prophet drängt, die Verheißung trotz Dunkelheit zu glauben, darauf zu setzen und Hoffnung gegen den Augenschein zu haben.
Der Gedanke, dass Gottes Licht kommt, wurde mit Jesu Geburt verbunden: Der Stern im Matthäusevangelium, das Leuchten des Himmels in der Nacht der Geburt Jesu im Lukasevangelium, die Rede vom Licht und Wort im Johannesevangelium, machen seine Herrlichkeit sichtbar und lassen seine Liebe leuchten.
Im Lauf der Geschichte und der Welt sehen wir viel Finsternis, Ungerechtigkeit, Versagen von Menschen. Und doch ist das nicht alles. Die weihnachtlichen Texte, die Verheißungen des alten Testaments vom Heiland und Messias bezeugen, dass es mit den Augen und mit dem Herzen noch etwas anderes zu sehen gibt. Das kann auch während Krisen Hoffnung und Mut machen. Es ist möglich und hilfreich, dass andere Menschen mehr und anderes erkennen: Wir brauchen einander in unserer Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Während der Coronapandemie gibt es mutmachende Texte, die sichtbar machen, was nicht abgesagt ist: Gemütlichkeit, Sonntag, Sonnenschein, .... Und es gibt Menschen, die sich im Kleinen und im Großen unermüdlich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Ein Licht muss in ihnen leuchten oder die Hoffnung auf Licht und Leben. Zu den Wünschen für das neue Jahr kann deswegen auch gehören, dass Schwarzseher, Lichtseher werden und dass wir aus der Zusage leben, dass Gott kommt und Licht bringt. Das möge uns leichter, lichter, sehender machen und aufrichten, unser glauben und vertrauen stärken. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied: EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern 1.3

Fürbitte
Wunderbarer Gott,
Du bist in unsere Welt gekommen als kleines Kind,
und bringst uns dein schöpferisches Licht,
entfaltest deine Herrlichkeit und wirkst in ihr.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Als staunende, zweifelnde, sehnsüchtige.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade?
Stille
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Und an die, die sehr viel Stress haben.
Stille
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in den Krankenhäusern und jene, die sich um sie kümmern.
Stille
Wir denken an alle, die helfen mit ihrer Arbeit, in ihrer Freizeit.
Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Stille
Gott.
Wir sind Empfängerinnen und Empfänger deiner Weihnachtsbotschaft
und können Botinnen und Boten werden.
Wir sind miteinander verbunden.
Hoffen auf dein Licht, deine Liebe und deinen Frieden.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns Jesus gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,...

Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne mich/uns und behüte uns/mich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns/mir und sei uns/mir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns/mich und gebe uns/mir Frieden.
Amen.

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Nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim, Evangelisches Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik, bearbeitet und Verkündigung: S. Köhler