14.02.2021 Estomihi

Orgelvorspiel

 

Begrüßung

 

1. Lied: EG 452, 1 – 4 Er weckt mich alle Morgen

 

Kollektengebet

 

Lesung: Mk 8, 31 – 38

 

2. Lied: EG 605, 1 – 4 Jesus Christus, das Leben

 

Predigt:

Liebe Gemeinde,

 

haben Sie schon einmal gefastet? In unserer evangelischen Kirche ist das Fasten ja keine Vorschrift und war noch vor ungefähr 30 Jahren gerade bei uns fremd. Als ich ein Kind war, konnte ich nicht verstehen, warum meine katholischen Freundinnen fasteten, d. h., auf Süßigkeiten verzichten mussten. Das hat sich geändert, und inzwischen kenne ich auch viele evangelische Christen, die, wie mein Mann und ich auch, fasten. Es gibt ja ganz viele Möglichkeiten des Fastens. Man kann auf Süßigkeiten verzichten oder auf Alkohol, auf Fleisch oder irgendwelche Leckereien, die für einen einfach zum Leben dazu gehören. Und dann gibt es auch noch das ganz andere Fasten: Da verzichten Menschen aufs Fernsehen oder auf das Internet oder sogar – das ist vielleicht gerade für die Konfirmandinnen und Konfirmanden interessant – auf das Handy oder das geliebte Facebook. Egal, was man sich als Fasten aussucht: Die Idee, die dahinter steckt, ist immer, dass man auf etwas Gewohntes und vielleicht sogar etwas Liebgewonnenes ganz bewusst für eine gewisse Zeit verzichtet.

Allerdings besteht oft nur noch wenig bis gar kein Zusammenhang mit dem, was Fastenzeit ursprünglich bedeutet hat. Es geht kaum noch um Glaubensfragen, geschweige denn um das Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Das, was beide von einander trennt, die Sünde nämlich, wird im Sprachgebrauch auf das „Sündigen“ reduziert. Also, wenn man sich nicht an das hält, worauf man als Fasten verzichten wollte und stattdessen – bei Essen und Trinken – über die Stränge schlägt.

 

Bei den Israeliten zur Zeit des Propheten Jesaja war das anders. Sie fasteten ernsthaft – und sie fasteten viel! Es ging ihnen um ihr Verhältnis zu Gott. Sie hatten das Gefühl, dass sie sich besonders bemühen müssten. Und dazu nahmen sie Einiges auf sich: Sie kleideten sich in Sack und Asche, nahmen kaum Nahrung zu sich und opferten so Manches an Bequemlichkeit und Gemütlichkeit. Sie hofften, dass sie dadurch Gottes Gegenwart erfahren könnten. Sie hatten es ja schon einmal erlebt, dass Gott sich über sein Volk erbarmt hatte. Damals hatte er sie nach Hause geführt aus dem babylonischen Exil. Das war gar nicht allzu lange her. Und die Gottesferne, unter der sie dort, in Babylonien gelitten hatten, die saß ihnen noch tief in den Knochen. Deshalb waren ihnen die Gottesdienste, die frommen Übungen, wichtig geblieben. Sie wollten von Gott wissen, welche Lebensweise für sie gut wäre. Und dafür waren sie bereit, entsprechende Leistungen aufzubieten.

Aber es schien so, als ob Gott sich weiterhin abgewandt hätte.

 

Ein bisschen erinnert das an den jungen Martin Luther. Der meinte, durch Leistungen vor Gott gut dastehen zu müssen. Er quälte sich – auch körperlich – um mit Gott im Reinen zu sein.

 

Das Ringen der Israeliten um das Wohlwollen Gottes war von keinem Erfolg gekrönt. Und so hatte sich eine resignierte Stimmung breit gemacht. Gott honorierte das Werben der Menschen wohl nicht. Und noch schlimmer: Stattdessen trat der Prophet Jesaja auf. Das, was er ihnen zu sagen hatte, war weniger ein Trost als vielmehr eine gehörige Standpauke! Er enttarnte die Fastenbemühungen als vordergründig und scheinheilig. Als Übungen, an denen Gott kein Gefallen finden kann. Denn hinter der frommen Fassade gingen die Menschen weiter ihren Geschäften nach. Da standen Profitgier und Faustrecht im Vordergrund. Während sie die Köpfe demütig senkten, drückten sie gleichzeitig ihre Untergebenen nieder.

 

Vielleicht denken Sie jetzt: „Was hat das mit uns zu tun? Wir fasten doch gar nicht und wir haben uns das auch nicht für die Passionszeit vorgenommen, die in drei Tagen beginnt.

Stimmt: Viele evangelische Christen fasten nicht – obwohl das fast in die Mode gekommen zu sein scheint. Aber setzen wir für das Wort Fasten doch mal etwas Anderes ein, das wir in der Absicht tun, Gott für uns einzunehmen und freundlich zu stimmen. Das passiert ja meistens gar nicht bewusst oder mit voller Absicht. Aber ehrlich gesagt: Ich kenne das doch auch. Ich ertappe mich dabei, dass ich denke, dass ich gerade etwas getan habe, dass Gott doch gut finden müsste. Und da ist er dann: Der Wunsch, vor Gott gut dazustehen!

 

In unserem Predigttext heißt es weiter: „Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein.“

 

Nein! So bin ich nun wirklich nicht!

Aber ob Gott mein Verhalten immer gefällt? Das glaube ich auch nicht! Zwischen dem, was ich möchte, und dem, wie ich mich letztlich verhalte, gibt es doch so manches Mal Unterschiede!

 

Weiter geht unser Bibeltext so:

Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast. Lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“

 

Wieder erhebe ich Einspruch: So verhalte ich mich doch gar nicht! Aber dann fällt mir ein, wie oft auch ich schon Vorurteile gegenüber anderen Menschen hatte. Und dadurch „mit Unrecht gebunden habe“: Der oder die war schon als Kind so. Der oder die ändert sich doch nie“ Oder: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Viele andere Vorurteile könnten hier genannt werden. Ist das nicht auch ein Joch, das da anderen Menschen auf die Schulter gelegt wird?

 

So langsam ahne ich, worum es geht:

Ich möchte vor Gott gut dastehen. ER aber will etwas Anderes. In unserem Text heißt es weiter: „Das ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Brich dem Hungrigen dein Brot und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn!“

Unsere Mitmenschen sollen etwas von unserem „Fasten“ haben! Der Gedanke daran, was sie brauchen, soll uns bei unseren guten Taten leiten. Es ist doch so: Gott hat unser Fasten nicht nötig. Worauf auch immer wir verzichten – Gott will es nicht für sich, sondern für unseren Nächsten, der unsere Hilfe nötig hat.

Darauf kommt es doch an – auch für euch, sagt Jesaja. Die Liebe Gottes, die ihr selber erfahren habt, die sollt ihr weitergeben. An die Menschen, mit denen ihr lebt. Das wäre ein Gottesdienst, der Gott gefällt.

 

Liebe Gemeinde, nach all den doch harten Worten, die nachdenklich machen und nicht wirklich erfreuen, lassen Sie uns jetzt aber noch einmal die Verheißungen hören, die unseren Predigttext abschließen:

 

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

 

Das alles aber nicht, weil wir es verdient hätten, sondern weil Gott es gut mit uns meint. Es kommt als Geschenk, weil Gott ein gütiger Gott ist, der gerne gibt. Amen

 

3. Lied: EG 420, 1 – 5 Brich mit den Hungrigen

 

Abkündigungen

 

Fürbittengebet Vater unser

 

Segen

Kollektengebet

Herr, unser Gott,

unser Leben vergeht in Unruhe und Sorge.

Unser Denken und tun kreist um das eigene Ich.

Lass uns bedenken, was vor dir gilt.

Dass wir das EINE suchen, das NOT ist, nämlich dich und dein Reich.

Wir bitten dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Sein Name sei gelobt in Ewigkeit! Amen

 

Fürbittengebet

Herr, unser Gott,

es ist schwer zu erkennen, was gut und heilsam ist. Hilf uns, dass wir nicht Versuchungen erliegen, die uns aus deiner Nähe in die Irre führen.

Wir beten für uns und alle, die das Leben lieben und bewahren möchten.

Wir beten für alle, die entscheiden müssen und regieren,

für alle, die forschen und planen,

für alle, die helfen und heilen,

für alle, die erziehen und für alle, die lernen,

für die, die anderen nahe sein wollen.

Bewahre sie, Gott, dass sie nicht ungeduldig und nicht selbstherrlich miteinander umgehen.

Wir beten für die, die Hunger und Angst haben,

für die, die in Kriegsgebieten leben,

für die, die auf der Flucht sind,

für die, die krank und einsam sind

und für die Sterbenden.

Lass sie bei dir geborgen sein.

Wir beten auch für deine Kirche, dass sie in Demut erhalten werde.

So geschehe dein Wille. Amen