Gottesdienst 12.07.2020 5. Sonntag nach Trinitatis

Material: Gesangbuch, Kerze

Glocken läuten

Kerze entzünden

Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus ruft Menschen wie Petrus, Johannes und Jakobus, einfache Fischer, um mit ihm zu kommen und das Reich Gottes zu verkündigen. Und sie folgen und rufen ebenso und nach ihnen welche, die auch uns gerufen haben. Durch sie ruft Jesus uns.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

 

 

 

Psalm 73
Gott ist dennoch Israels Trost
für alle, die reinen Herzens sind.
Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;
mein Tritt wäre beinahe geglitten.
Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,
da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.
Sie höhnen und reden böse,
sie reden und lästern hoch her.
Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;
was sie sagen, das soll gelten auf Erden.
Darum läuft ihnen der Pöbel zu
und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.
Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Amen

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet. Amen
Lied EG 452 Er weckt mich alle Morgen 1.5


Bibeltexte des Tages
Lesung aus dem Alten Testament 1. Mose 12,1-4
Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.

Lesung aus dem Lukasevangelium 5,1-11
Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Lied EG 241 Wach auf du Geist der ersten Zeugen 1- 3.8

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
Raus aus dem Gedränge, aus der Hektik – etwas Abstand gewinnen. Solche Wünsche verbinden Menschen mit den kommenden Ferien.
Und wenn die urlaubsreifen und alle anderen hier in der Christuskirche in die biblische Geschichte des Evangeliums eintauchen, dann stehen wir am Ufer eines Sees. Eigentlich ein schönes Ziel. Aber da ist was los. Es ist laut. Menschen haben sich auf den Weg gemacht und suchen einen guten Platz am Ufer. Aufgeregt reden sie durcheinander. Gleich wird der zu ihnen sprechen, von dem so wunderbare Dinge erzählt werden: Lahme gehen, Blinde sehen – und was der sagt, macht Hoffnung, ist so anders, Gottes Wort direkt.
Die Fischer sind von ihrem Fang zurückgekehrt. Sie hatten keinen Erfolg, räumen auf und flicken ihre Netze. Mit verschlossenen, müden Gesichtern schauen sie auf ihre Arbeit. Sie hören die Unruhe, sehen die vielen Menschen, zucken mit den Schultern, machen weiter. Einer, von denen, die ans Ufer gekommen sind, steigt ins Boot von Simon. Sie reden ein wenig und dann fährt er ihn mit seinen Leuten so vor die Menge, dass ihn viele sehen und hören können, und er redet zu ihnen. Das aufgeregte Brummen verebbt, alle hören zu, was er über Gott sagt, schauen auf ihn, auf den See, das Glitzern des Wassers, Wolken und Sonne.
Simon schaut ihn an, wie überzeugend er redet, während das Boot leicht auf den Wellen schaukelt. Er hält seine Position, sieht die vielen Menschen, wünscht sich ein wenig Ruhe. Nachts auf dem See sind nur die Fischer mit ihren Booten. Das hier ist alles ziemlich unruhig. Und als er fertig ist, freut sich Simon auf seinen Feierabend, macht das Boot bereit, an seinen Liegeplatz zu fahren. Aber er hört: "Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus." Nicht nochmal, das ist unsinnig. Simon sträubt sich, und er sagt es auch. Seine Erschöpfung, seine Verantwortung für seine Leute und sein Realismus, wo heute Nacht nichts war, ist auch jetzt nichts ziehen ihn zurück zum Ufer. Aber wie dieser Jesus geredet hat, so echt und beeindruckend. Simon hat für die Synagoge nicht viel Zeit und worüber sich die Gelehrten streiten, versteht er nicht. Ist er diesem jetzt ins Netz gegangen? Und hat der Ahnung von Fischerei? Er schaut ihn an, schließlich geht es um seine Zeit, aber auch um seinen Broterwerb und die Existenz. Dann hört er sich sagen: auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie sie einholten, waren sie voll, so voll, dass sie die anderen am Ufer zur Hilfe winken mussten.
Atemlos füllten sie beide Boote mit Fischen, sie drohten schon zu sinken.
Simon wurde heiß und kalt. Er fiel vor seinem Gast auf die Füße, erschrak vor ihm. Was hatten seine Worte für eine Macht: nicht nur, dass er gehorchte, sondern auch, dass hier, wo Mangel herrschte, plötzlich Überfluss war. Das hatte er noch nicht erlebt. Er war überrumpelt. Und er schämte sich. Denn er hatte ihm nicht geglaubt. Unmöglich, und doch... schwerer als seine Zweifel wiegt jetzt der Erfolg. Und der lässt ihn erkennen, dass Gott mit im Boot und auf dem See gewesen ist. "Herr,...  ich bin ein sündiger Mensch," bricht es aus ihm heraus. Der, hinter dem die Leute herlaufen und es nicht nah genug haben können, hat Simon an seine Grenzen gebracht und darüber hinaus. Es ist nicht sein Können und Wissen über gute Fangplätze, Tageszeiten und Fischschwärme, es ist nicht Glück, - dieser Gott ist plötzlich unheimlich mächtig und er nur ein zweifelnder Mensch. Als ihm das schlagartig bewusst wird, will er Abstand: "Herr, geh weg von mir." Jesus sagt ihm: "Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen." Er überschreitet Simons Grenzen und setzt ihn in seine neue Zukunft. Nach diesem Erlebnis widerspricht Simon nicht. Er wird es nicht vergessen. Es wird ihm helfen zu bestehen vor den Herausforderungen, Höhen und Tiefen, die er auf dem Weg und in der Gemeinschaft mit Jesus erlebt. Sein Leben wandelt sich von einer Minute auf die andere. Am Land können sich andere um den großen Fang kümmern. Er steigt aus seinem Boot und lässt sein altes Leben zurück, und bleibt, was er ist, Fischer – nur jetzt für Gott. Er geht mit Jesus mit, ohne Sicherheit, mit einer verantwortungsvollen Aufgabe. Auf sein Wort kommt er mit und um nah dran zu bleiben an der Fülle und dem Reichtum des Lebens. Er kann den Schatz, den er gehoben hat, nicht mitnehmen, er muss ihm folgen. Das geschieht nicht jeden Tag, da bleibt er auf dem Boden der Tatsachen, und auch mit seinen Zweifeln wird er weiter kämpfen müssen, aber dieser Jesus hat ihn ausgesucht, begeistert und mit ihm springt er jetzt in ein Leben, in dem es auf äußere Sicherheit nicht ankommt, sondern auf sein Vertrauen auf Gott.
Wir, liebe Gemeinde, saßen am See, im Boot oder in unserem eigenen eingeschränkten, eintönigen, normalen Leben, mit unseren Sehnsüchten und Zweifeln Und wir hörten und staunten, erinnerten uns an eigene Erlebnisse. Es können Lebenswenden sein, aber auch weniger einschneidende Erlebnisse: Jemand hatte mitten im größten Stress durch etwas inne gehalten und eine andere Richtung eingeschlagen. Ein anderer hatte die Hoffnung verloren und nur noch sein Gebet und fühlt sich getragen. Jemand hat durch den Zuspruch: "Fürchte dich nicht" neues Vertrauen gefasst und Trost gefunden.
Simon wird ein besonderer Jünger Jesu mit einer herausragenden Stellung, ein Wortführer. Petrus, der Fels, ist sein zweiter Name. Aber auch andere Fischer kommen mit und gewinnen Menschen, Jakobus und Johannes und wie auch immer sie heißen. Und Sie und ich sind aufgefordert, nachzufolgen, anstatt Abstand gewinnen und Ruhe haben zu wollen, sich mitten hinein in die Verkündigung von Gottes Reich nehmen lassen. Die eigene Geschichte und Lebensgeschichten der Menschen, denen Jesus begegnet, haben Berührungspunkte. Nachher erscheint auch die eigene Geschichte in einem neuen Licht, hat mehr Facetten.
Und wer von Euch oder von Ihnen Urlaub macht, und wer den Sonntag als Unterbrechung im Alltag wichtig findet, möge heute hören und staunen oder sich ansprechen lassen: "du wirst Menschen fangen," gewinnen für das Reich Gottes.
Dieser Dienst ist ein Botendienst. Gottes gute, tröstende, heilende, versöhnende Botschaft kommt durch mich und sie auf den Weg zu den Menschen, durch Worte und Taten. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied: EG 395 Vertraut den neuen Wegen, 1-3

Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen, unsere Freude und unsere Zweifel.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben. - Was tun sie gerade. Und wir bitten dich, behüte die zu Hause und die unterwegs. Wir bitten um Erholung für alle, die miteinander freie Zeit verbringen. Wir bitten um gute Chancen für alle, die jetzt ihren Schulabschluss machen. Wir bitten für die, die um ihre Arbeitsplätze bangen.
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Stille.
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die kaum Besuch haben dürfen.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein. Gib ihnen Kraft und Geduld und Durchhaltevermögen.
Stille.
Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden, zu Hause und fern von zu Hause.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vaterunser

Sendung und Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

Kerze löschen

Liturgie nach einem Entwurf aus dem Michaeliskloster Hildesheim
Predigt, Gestaltung S. Köhler