06.06.2021 Sonntag nach Trinitatis

Material: Gesangbuch, Kerze

Glockenläuten

Einstimmung
Gott hören; ist da nicht häufig die Feststellung, dass er schweigt? Gottesnähe und Gottesferne von ihm her und auf Seite der Menschen, ein gegenseitiges Suchen und Finden. Der Wochenspruch aus dem Lukasevangelium 10,16a überrascht: "Wer euch hört, der hört mich und wer euch verachtet, der verachtet mich." Wir sind versammelt in der Christuskirche, zu Hause allein oder zusammen, verbunden im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 34 EG 718
Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
    Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
    dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
    Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
    und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
    Als einer im Elend rief, hörte der HERR
    und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
    Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
    Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!
 Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
    Reiche müssen darben und hungern;
    aber die den HERRN suchen,
    haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten
(eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
Gott.
Ich bin hier.
Und du bist hier.
Ich bete zu dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit dir.
Mit anderen, die zu dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
und du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
(Stille)
Höre auf unser Gebet.
Amen.

Lesung aus dem Buch Jona 1,1-2,111
Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN. Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf's Jona. Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer. Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist. Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt. Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.
Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme. Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben. Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich, dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen, ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen. Wasser umgaben mich bis an die Kehle, die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt. Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich. Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott! Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade. Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Meine Gelübde will ich erfüllen. Hilfe ist bei dem HERRN.
 Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

Lied: EG 365 Von Gott will ich nicht lassen 1.7-8


Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
nachdem wir die Erzählung vom Propheten Jona gehört haben, möchte ich Ihren Blick auf unser Altartuch lenken. Es gehört zur Osterzeit: Tod und Auferstehung und Hoffnung.
Der große Fisch ist zentral. Unter ihm ist eine Wölbung, über ihm eine Wölbung, zwischen denen  er hindurch schwimmt. In der rechten Bildhälfte ist eher stille dunkle Tiefe, ein ruhiger Bereich, aber auch helle Streifen in der linken Bildhälfte ist es heller, unruhiger.
Und in dem Fisch ist mit etwas Fantasie jemand. Ich erkenne etwas Rundes, vielleicht einen Kopf, auch Beine. Ein Mensch im Fisch, abgeschieden von der Welt. Drei Tage lang. Erst dann kommt er wieder an die Oberfläche, verwandelt.
Jona, nicht eine historische Person, ein Prophet, den Gott erwählt hat und der sich störrisch gegen seinen Auftrag wehrt. Er benimmt sich nicht erwachsen, diskutiert nicht mit Gott, sondern läuft weg. Jonas Geschichte ist wie ein Märchen. Die Erfahrungen vieler Menschen sind in sie verwoben. Und ich glaube, beim Hören knüpft jede und jeder an anderen Erfahrungen an.
Viele von uns können nachvollziehen, welche Widerstände es gegen unangenehme Aufgaben gibt. Vielleicht haben sie schon gesehen und oft gesagt, dass sich mal etwas ändern müsste. Aber wenn sie selbst handeln sollen, sagen sie: "das kann doch lieber jemand anders machen. Wieso ich?" Angst kann vor den Reaktionen der anderen, davor, selbst unter die Räder zu kommen, kann ein Grund sein. Jona hatte durch seinen Auftrag auch ein bestimmtes Bild von Gott. Ein wütender Gott, der Ordnung und Gerechtigkeit schaffen möchte gegenüber der Bosheit der Menschen in der Großstadt Ninive. Und er sollte sie warnen.
Stattdessen: Flüchten und sich einschiffen bis ans andere Ende der Welt gelingt Jona. Er braucht nur zu bezahlen. Doch von diesem Auftrag kommt er nicht los. Seinetwegen gerät die ganze Schiffsmannschaft mit Männern unterschiedlicher Religionen in schweren Sturm und an ihre Grenzen. Ihre Gebete, ihre Maßnahmen wie "Ladung über Bord" helfen nicht in diesem Sturm. Auch "Augen zu und durch" wirkt nicht. Der Schlafende wird geweckt und gefragt, ob er etwas damit zu tun hat, was er will, woher er kommt. Seine Befragung und das Los bringen die Erkenntnis, was er allen eingebrockt hat. Und ein Bekenntnis: "Ich bin ein Hebräer und fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat."
Dass er sich drücken wollte, hat sie in diese Situation gebracht und sie alle zusammen die Naturgewalten spüren lassen. Gott, der Schöpfer wirkt in ihnen.
Schließlich schlägt Jona ihnen vor, ihn ins Meer zu werfen. Und sie schrecken davor zurück, einen Passagier zu opfern. Angesichts des stärker werdenden Unwetters beten sie, bitten Jonas Gott um Vergebung und tun was er sagte, woraufhin der Sturm verstummt. Erneut beten sie aus Respekt und Gottesfurcht. Die Seeleute haben Erfahrung mit Unwettern. Sie sind sich ihrer eigenen Künste und Kräfte bewusst, aber auch dessen, worauf sie angewiesen sind. Respekt vor dem Meer, vor Menschen zeigen sie. Sie werden zwar hineingerissen, aber durch diese Verbindung zu Gott bleiben sie sich treu, schlagen sich auf die Seite Gottes, der ihnen Leben und Frieden gibt.
Und Jona ertrank nicht, wurde von dem Fisch verschluckt und dort in der Tiefe aufbewahrt. Wie tot,  seiner Angst ausgeliefert und betend, allein, doch bewahrt und aufgehoben, ruft er jetzt Gott an. In seinem Gebet benennt er seine Gefühle: Angst, Ausweglosigkeit, das Gefühl, verstoßen zu sein, zu versinken, sein Verzagen. Seine Frömmigkeit hatte er über Bord geworfen, während die anderen beteten. Gott wollte er verlassen, wusste aber doch, dass er Macht über Meer und Land hatte. Und als er nicht starb, obwohl es die Konsequenz gewesen wäre, wandelte sich etwas. Rettende Lichtstrahlen scheinen ins Dunkel, wenn er sagen kann: "Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt,... mein Gelübde will ich erfüllen dem Herrn, der mir geholfen hat."
Im Abgrund erfährt dieser Mensch, dass Gott sein Schreien hört, ihn nicht allein lässt und dass er ihn schließlich aus der Not herausholt. Eine Begegnung mit Gott hat einen Wandel von Angst ins Vertrauen in Gang gesetzt. Gott benutzt ihn nicht einfach als sein Werkzeug. Als er sich zum Thema macht und gegen seinen Auftrag wehrt, erlebt er seine Grenzen und dass er unter Gottes Macht steht. Er wird aufgehalten und bewahrt und im existenziell bedrohlichen Erlebnis gewandelt. Er ist bereit, Gottes Auftrag auszuführen. Doch im weiteren Verlauf der Erzählung wird berichtet, wie Jona weiterhin am eigenen Leib und auch in seinem Eigenwillen von Gott lernt.
Noch einmal zu uns: Wo finden wir uns und unsere Erfahrungen in der Erzählung wieder? Bei denen, die nichtsahnend mit ins Unheil gerissen werden? Bei denen, in denen viele Widerstände gegenüber Aufgaben oder auch zum Ja zur lebendigen Gottesbeziehung und damit zu anderen Beziehungen stecken? Bei Jona, der am Ende ist und dem klar wird, dass er nicht über sein Schicksal verfügen/bestimmen kann? Bei denen, die im Sturm um ihr Leben kämpfen, alles versuchen, um Auswege zu finden und denen ihr Glaube hilft? Bei denen, die Menschen begleiten, die vor sich selbst wegrennen? Mögen wir in unseren Situationen Gott suchen, ihn finden, zurückkehren, spüren, wie er mit uns verbunden ist. Wir können ihn um Rettung oder Nähe, Klarheit oder Beistand bitten. Für uns ist er von Ostern her durch seine Liebe und Barmherzigkeit Schöpfer und Herr über die Macht des Todes und das Leben. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied: EG 139 Gelobet sei der Herr 1 – 3


Fürbitten
Gott. Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken, unsere Sehnsucht und unser Sorgen und Widerstände.

Wir denken an alle, die wir lieben. - Was tun sie gerade.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten einsam und an alle, die beunruhigt sind.

Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die kaum Besuch haben dürfen.

Wir denken an alle, die helfen. - Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.

Gott. Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden, Gott des Himmels und der Erde.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel,...

Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns/euch/Dich und behüte uns/euch/Dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns/euch/Dir und sei uns/Euch/Dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns/Euch/Dich und gebe uns/Euch /Dir Frieden.
Amen.

Kerze ausblasen

Ansprache und Bearbeitung: Silvia Köhler, Entwurf: www.michaeliskloster.de